Manfred Hollenbach zählt zu den christdemokratischen Urgesteinen im Kreis. Über Jahrzehnte war er Schultes in Murr und Politiker aus Leidenschaft. Er setzte sich für seine Überzeugungen ein. Er zog Strippen. Er gestaltete. Im Gemeinderat. Im Kreistag. Im Landtag. Die Wahlen diesmal verfolgte er erstmals seit Jahrzehnten aus der Distanz. Denn als es Anfang des Jahres um die Nominierung der Kandidaten und Kandidatinnen der CDU für den Kreistag ging, zog Manfred Hollenbach einen Schlussstrich.
40 Jahre Schultes, 40 Jahre im Kreistag. „Da war es einfach Zeit andere ranzulassen“, sagt der 78-Jährige, dem in seiner Laufbahn nach eigenem Bekunden immer alles zugefallen ist. „Und dafür bin ich sehr glücklich und auch dankbar.“ Einzig und allein die Bürgermeister-Kandidatur sei auf eine Eigeninitiative gewesen.
Anders für den Kreistag. Da habe ihn Lothar Späth schon 1975 gebeten, zu kandidieren. Doch Hollenbach gab dem späteren Ministerpräsidenten einen Korb. „Ich war da gerade erst kurz als Bürgermeister im Amt und wollte den Fokus erst einmal darauf richten“, erinnert er sich. Neun Jahre später folgte der damalige Schultes dann doch dem Ruf in den Kreistag – und trat in die CDU ein. Bewusst. „Ein Staat funktioniert nur, wenn wir Parteien haben“, benennt Hollenbach eine seiner Grundüberzeugungen. „Wenn wir Demokratie wollen, müssen wir alles tun, Parteien zu stärken, die für Freiheit, Frieden, Toleranz, Menschen- und Naturrechte und Gerechtigkeit einstehen.“
Das Erstarken der AfD auch im Kreis Ludwigsburg überrascht den politikerfahrenen Hollenbach nicht. Doch es sorgt ihn. 13 AfD-Kandidaten werden künftig vertreten sein. „Es wird die Arbeit im Gremium, das immer mehr zersplittert, verändern“, prognostiziert der 78-Jährige. „In der sachlichen Arbeit wird die AfD keine positiven Impulse setzen und die Arbeit erschweren, wenn sie Themen einbringen, für die der Kreis nicht zuständig ist“, ist Hollenbach überzeugt.
Doch wie mit den Neugewählten umgehen? Die demokratischen Kräfte müssen klug agieren und zusammenstehen, fordert Hollenbach. „Eine gute und enge Vernetzung wird wichtiger, sonst ist eine Spaltung schnell da.“ Jede Fraktion müsse in der Sache und im taktischen Vorgehen klug agieren.
Vom Begriff der Brandmauer hält der 78-Jährige nichts. Sie werde als Symbolik benutzt. Es gehe vielmehr darum, Initiativen zu starten, die eine breite Mehrheit finden – ohne dass die Stimmen der AfD notwendig sind. Und sollte der Fall eintreten, dass die neue Fraktion einen Antrag stellt, dessen Ziel Sinn ergibt? Dann plädiert Hollenbach dafür, einen eigenen Antrag zu formulieren mit demselben Ziel, der aber dann auch inhaltlich fundiert ist. „Gemeinsame Anträge und Initiativen mit der AfD darf es nicht geben.“
Sorgen bereitet Hollenbach beim Blick auf die Gesellschaft seit Längerem aber noch anders. „Viele pochen auf ihre individuelle Freiheit, aber wenn es nicht gut läuft, dann erwarten genau dieselben das Einstehen der Gemeinschaft.“ Er spricht von einer Vollkaskomentalität. Siehe Hochwasser. Man erwarte, dass man einen Schaden ersetzt bekomme, wisse aber nicht – oder wolle es nicht wissen –, dass man dafür vorher auch in eine Versicherung einzahlen müsse.