Gackernder Gast im Kreistierheim sucht Zuhause. Vegetarier bevorzugt. Ein Beitrag aus den „Bonbons“, der wöchentlichen Humorkolumne dieser Zeitung.

Fundtiere sind im Kreistierheim Böblingen eigentlich nichts besonderes. Katzen, Hunde, mal ein entflogener Wellensittich – das alles kennt man in der Einrichtung in der Herrenberger Straße. Seit Dienstag gibt es dort aber einen doch eher seltenen Gast.

 

Die Rede ist von einem weißen Huhn, das einer Passantin in der Nähe der Eduard-Mörike-Schule im Böblinger Stadtteil Grund vor die Füße gelaufen ist. „Die Frau war auf dem Weg zum Bäcker, als sie das Huhn dort auf der Straße gesehen hat“, berichtet Obertierpflegerin Viktoria Gabriel.

Für das Huhn gibt es keinen Hühnerstall

Weil sie keinen Besitzer finden konnte, wandte sich die Frau an die Polizei und so landete das Huhn schließlich im Kreistierheim. Ohne identifizierenden Fußring kam man auch dort nicht weiter. Ein Aufruf über die Sozialen Medien brachte ebenfalls keinen Erfolg und so hat „Cip Cip“ ein vorübergehendes Zuhause in der Nachbarschaft von Katzen, Kaninchen und Kanarienvögeln gefunden. „Den Namen hat ihm unser Kleintierpfleger gegeben. Der ist Pole“, berichtet Viktoria Gabriel. „Cip Cip“ sei das, was man in seinem Heimatland sage, wenn man Hühner ruft – also quasi „Putt Putt“ auf Polnisch.

„Wir mussten ein bisschen improvisieren“, erklärt die 34-Jährige, dass die vorhandenen Volieren für Ziervögel sich nicht für das Huhn eignen. Mangels Hühnerstall habe man den gackernden Gast in einem eigentlich für Hunde gedachten Auslauf untergebracht. Diesen habe man hühnergerecht eingerichtet und mit Stroh ausgelegt.

Kein Ende als Suppenhuhn

Im Gegensatz zu einem Gockel, dem man vor einiger Zeit Asyl gewährt habe, sei man da mit Cip Cip klar im Vorteil: „Der Hahn hat jeden Morgen gekräht. Von dem Huhn hört man dagegen nicht viel, aber dafür legt es jeden Tag ein Ei“, freut sich die Tierpflegerin.

Was wird nun aus dem Huhn, falls sich kein Besitzer findet? 14 Tage will man im Kreistierheim warten, sollte sich bis dahin niemand melden, werde man für Cip Cip ein neues Zuhause finden – bevorzugt in einem vegetarischen Haushalt, wo das Fundhuhn nicht als Suppenhuhn endet. „Unsere Präferenz wäre, das Huhn sozusagen im kleinen Kreis privat unterzubringen, wo es täglich seine Eier legen kann und vielleicht irgendwann glücklich von der Stange fällt“, sagt Viktoria Gabriel. Ei verbibbsch, diesem Wunsch können wir uns nur anschließen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikel war fälschlicherweise der Stadtteil Rauhger Kapf als Ort genannt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.