Kreisverkehr in Ditzingen Im Kreisel ist kein Platz mehr für Kunst

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Sicherheit geht vor: Wegen eines Erlasses des Verkehrsministeriums muss wohl so mancher Kreisverkehr in der Region umgestaltet  werden.

Kreisel sollen sicherer werden. Foto: Zweygarth
Kreisel sollen sicherer werden. Foto: Zweygarth

Ditzingen - Es hat lange gedauert, bis sich die Ditzinger Stadträte für eine spärliche Bepflanzung der Kreisverkehre an der Umfahrung ihres Ortsteils Schöckingen entschieden haben. Und damit für ein paar mehr oder weniger grüne Hügelchen, die weder schön sind noch gewollt. Trotzdem haben die Räte alles richtig gemacht. Hätten sie sich für eine teure und anspruchsvolle Gestaltung des Kreisel-Inneren entschieden, müssten sie diese abbauen. So will es das Landesverkehrsministerium. Außerorts sollen keine - Zitat - "starren Hindernisse" mehr erlaubt sein.

Sicher, die Innenfläche eines Kreisverkehrs ist gesetzlich nicht als Freifläche definiert. Aber die kleinen Freilichtmuseen, die Kunst im öffentlichen Raum - all dies soll nun weichen. Stattdessen sollen flach bepflanzte Hügel das Verletzungsrisiko bei Unfällen mindern - etwa wenn Autofahrer ungehindert über den Kreisel schanzen. Dessen Sinn wird damit konterkariert. Schließlich soll ein Kreisel die Autofahrer ja dazu zwingen, ihren Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Das sollte auch so bleiben. Wer rasen will, kann dies nach wie vor tun - bei einer Touristenfahrt auf dem Nürburgring.

Kunst im Kreisverkehr? Das war einmal. Fahnenmasten auf den Innenflächen der Kreisel an einer Bundesstraße, meterhohe Skulpturen renommierter Künstler an einer Landesstraße am Ortseingang - einem Erlass des Verkehrsministeriums zufolge ist dies nicht mehr erlaubt. Solche Gestaltungselemente entsprechen nicht den neuesten Sicherheitsstandards für Bundes- und Landesstraßen. Unbedenklich sind hingegen niedrig bepflanzte Flächen - jene Gestaltung also, welche Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) jüngst für die Flächen an der Umfahrung des Teilorts Schöckingen beschlossen hat.

Innerhalb Ortschaften dürfen Kreisel weiterhin relativ frei gestaltet werden

Laut dem drei Wochen alten Erlass sind in Kreiselflächen auf freier Strecke "grundsätzlich keine starren Hindernisse einzubauen". In der Nähe von Ortschaften sei eine Einzelfallprüfung möglich. Innerhalb der Ortschaften hingegen soll eine weitgehend freie Gestaltung möglich sein. Davon betroffen sind nicht nur neue Kreisverkehre, sondern auch bestehende. Sie werden nun nach und nach überprüft.

Dafür zuständig sind die Landratsämter in Zusammenarbeit mit der Polizei. Nach der ersten internen Einschätzung des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) stehen allein im Kreis Ludwigsburg zwei Kreisverkehre besonders im Fokus. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich dabei um je einen Kreisverkehr in Gerlingen und Löchgau.

Auf dem Gerlinger stehen Fahnenmasten, die mit Blocksteinen umfasst sind, auf dem Löchgauer Kreisel befindet sich eine metallene Skulptur, die von Felssteinen umgeben ist. Für die Kreisel, die tatsächlich bei der Prüfung durchfallen, "wird man Lösungen suchen müssen", sagt der RP-Sprecher Zaar: "Dass Resultate daraus folgen müssen ist ganz klar."

Eine Sprecherin des Verkehrsministerium wird deutlicher: "Kreisverkehre mit Sicherheitsdefiziten müssen gegebenenfalls umgestaltet oder Hindernisse beseitigt werden." Jeder Kreisel werde von den Behörden überprüft. Kontrolliert werden dabei auch die Fahrbahnmarkierung und die Dimensionierung des Kreisverkehrs.

Polizei sieht keine Gefahr von den Kreiseln ausgehend

Aus der Sicht der Polizei ist keiner der fraglichen Kreisel ein Unfallschwerpunkt. Laut Peter Widenhorn, dem Sprecher der Ludwigsburger Polizei, krachte es in Gerlingen in diesem Jahr einmal. Am Löchgauer Kreisel geschahen drei Unfälle, weil die Fahrer die Vorfahrt nicht beachtet hatten

Laut dem Verkehrsministerium führte eine Vielzahl von Gründen zu dem Erlass. "Maßgebend waren mehrere schwere Verkehrsunfälle in Kreisverkehren mit starren Hindernissen", erklärt eine Sprecherin. Eine Rolle gespielt hätten auch weiter entwickelte Richtlinien sowie das bundesweit neu eingeführte "Straßeninfrastruktursicherheitsmanagement". Die Basis hierfür ist eine EU-Sicherheitsrichtlinie.

Der Gerlinger Bürgermeister Georg Brenner will sich nicht äußern, solange ihm der Erlass nicht vorliegt. Sein Löchgauer Kollege Werner Möhrer war am Mittwoch nicht zu sprechen. Der Ditzinger OB Michael Makurath indes erklärte zum Ende der Debatte über die verschärften Sicherheitsanforderungen an die Schöckinger Kreisel: "Zwischen Anspruch, Theorie und Realität klafft doch eine große Lücke."

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