Was tun gegen Staus und Raser? In Waiblingen sind sich Verwaltung und Stadträte nicht einig, welche Maßnahmen in der Ortschaft Neustadt hilfreich wären.

Ampel oder Kreisverkehr? Die Frage bewegt in Waiblingen schon seit Jahren die Gemüter und hat nun im Planungsausschuss, wo die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorgestellt wurden, einmal mehr eine kontroverse Debatte ausgelöst. Das Sorgenkind ist die Neustadter Hauptstraße. Auf der Durchgangsstraße durch die Ortschaft Neustadt fahren um die 18 000 Fahrzeuge pro Tag – die Strecke ist auch eine Verbindung zwischen Waiblingen und dem Landkreis Ludwigsburg.

 

Zu den Stoßzeiten bilden sich an den Kreuzungen mit der Klinglestalstraße beziehungsweise mit der Andreas-Stihl-Straße häufig Staus. Ist die Strecke frei, drücken Autofahrer im Bereich der Kreuzung Klinglestalstraße gerne mal kräftig aufs Gaspedal. Eine ungute Situation, denn wegen der benachbarten Friedensschule sind an dieser Stelle viele Kinder und Jugendliche zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, einen Radweg gibt es mangels Platz jedoch nicht.

Kreisverkehr soll Raser ausbremsen

Etliche Ortschaftsräte in Neustadt teilen die Ansicht von Lissy Theurer, Urs Abelein – beide SPD – und Daniel Bok (Grüne), die finden: „Ein Kreisverkehr löst die Probleme, die wir aktuell an dieser Kreuzung haben.“ Würde die Ampelanlage an der Kreuzung Klinglestalstraße mit den Linksabbiegerspuren durch einen Kreisverkehr ersetzt, ließe sich Platz für einen Radweg schaffen und laut Abelein auch „dieser Rennstraßen-Charakter“ beseitigen. Für Fußgänger seien Kreisverkehre sicherer als Ampeln. Da der Ortschaftsrat sich mehrfach für die Kreisverkehr-Variante ausgesprochen habe, herrsche „ein gewisses Unverständnis, dass die Verwaltung weiter an einer Lichtsignalanlage plant“.

Verwaltung: Kreisverkehr ist hier nicht leistungsfähig

„Wir tun uns schwer, Ihnen eine Lösung zu empfehlen, die nicht leistungsfähig ist und rund 2,87 Millionen Euro kosten würde“, war die Antwort von Baubürgermeister Dieter Schienmann. Wegen der hier fahrenden Gelenkbusse brauche es einen Durchmesser von 32 Metern und dafür wären erhebliche Eingriffe in die Topografie nötig, erklärte der Verkehrsplaner Tristan Seiwerth. Zum Sportplatz hin müsste eine Stützwand gebaut und die Ringstraße um eine Straßenbreite versetzt werden.

Obendrein haben Verkehrssimulationen für die morgendliche Rushhour hier einen Rückstau von bis zu 150 Metern ergeben. „Ein No-Go“, sagte Seiwerth. Durch Zebrastreifen komme der Verkehr öfter zum Stocken, als wenn die Fußgänger gesammelt während einer Grünphase über die Ampel gingen. „Solche Punkte entwickeln sich zu Unfallschwerpunkten. Die Leute werden ungeduldig, fahren riskanter und übersehen Radler und Fußgänger.“ Die Verwaltung will daher die Ampelanlage am Knotenpunkt Neustadter Hauptstraße/Klinglestalstraße ausbauen, Kostenpunkt: rund 1,55 Millionen Euro. Was die Raser angehe, könnten laut Seiwerth Blitzer aufgestellt und die Fahrbahn könnte verschmälert werden.

Debatte um Haltestelle Pfarräcker

Der Stau in Neustadt verursacht auch Verspätungen auf der Buslinie 201, die mit rund 6000 Fahrgästen täglich eine der gefragtesten Linien ist. Derzeit fahren die Busse jedes zweite Mal die Haltestelle „Pfarräcker“ an. Diese Stichfahrt in die Pfarräckersiedlung ist den Verkehrsplanern ein Dorn im Auge, weil sie Zeit kostet und die Busse oft durch geparkte Autos ausgebremst werden.

Daher plädieren sie dafür, die Haltestelle an die Hauptstraße zu verlegen. Das brächte mehr Pünktlichkeit, wodurch die Haltestelle jedes Mal angefahren werden könnte. Die teils weiteren Wege, die manche der 3000 Einwohner des Gebiets in Kauf nehmen müssten, seien mit maximal 500 Metern eine „noch zumutbare Distanz“, sagte Tristan Seiwerth.

Unterschriften für Haltestelle

Das sehen viele anders. Bei einer Unterschriftenaktion haben sich 931 Unterzeichner gegen die Verlegung ausgesprochen. Für die Linie ist der Landkreis zuständig, der letzten Endes auch entscheidet. „Ein Kreisverkehr an der Klinglestalstraße zerhaut den Fahrplan“, argumentierte Tristan Seiwerth für die Ampellösung und stellte in Aussicht, dass man bei einer Entscheidung gegen den Kreisel eventuell die Haltestelle am gewohnten Ort erhalten könne. Iris Förster (Grüne) und Hans Albrecht (FDP) forderten, die Diskussion um beide Themen müsse getrennt werden.

Neuer Kreisverkehr an der Andreas-Stihl-Straße

Einen neuen Kreisverkehr soll Neustadt nach den Vorstellungen der Verwaltung aber dennoch bekommen – am Knotenpunkt Neustadter Hauptstraße/Andreas-Stihl-Straße. Würde die dortige Ampellösung beibehalten, prognostizieren die Verkehrsexperten auch angesichts der geplanten Erweiterung des Standorts der Firma Stihl im angrenzenden Gewerbegebiet Staus von bis zu 135 Metern Länge. Der rund 1,6 Millionen Euro teure Umbau zum Kreisverkehr würde auch weniger Fahrstreifen und dadurch Platz für Radwege bringen, für die Fußgänger könnten Zebrastreifen angelegt werden. Aus Sicht der SPD-Fraktion ist hier ein Kreisverkehr jedoch nicht notwendig. Wie viele Kreisverkehre Neustadt letzten Endes bekommt, bleibt vorerst ungeklärt.