Bald Minikreisel statt Kreuzung: Knotenpunkt an der Cannstatter Straße, im Hintergrund das Fellbacher Wahrzeichen, die Lutherkirche. Foto: Dirk Herrmann
Kreisverkehre machen nicht nur die Oberbürgermeisterin glücklich: Im Zuge der Neuen Mitte Fellbach soll es statt Ampeln zwei Rundungen an der Bahnhof- und der Cannstatter Straße geben.
Dirk Herrmann
23.12.2025 - 13:00 Uhr
Für die künftige Neue Mitte in Fellbach stellen Stadt und Gemeinderat so langsam die Weichen. Das trifft verkehrlich gesehen gleich in mehrfachem Sinne zu. Zum einen tatsächlich mit einer neuen Weiche, die für die Verlegung der Stadtbahn-Endhaltestelle um 100 Meter gen Westen erforderlich ist. Die Station muss für die künftigen, doppelt so langen Stadtbahnzüge der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ebenfalls verlängert werden, das ist an der derzeitigen Endstation allerdings nicht möglich.
Ein weiterer Punkt, der jetzt im Lokalparlament auf Anregung der Verwaltung beschlossen wurde, betrifft das straßenräumliche Konzept an zwei der wichtigsten Kreuzungen beziehungsweise Einmündungen in der City. Konkret geht es um den südlichen Bereich der Bahnhofstraße, die an der Tainer Straße (westliche Richtung) beziehungsweise der Seestraße (östliche Richtung) endet.
Zwei Knotenpunkte werden neu organisiert
Der zweite Knotenpunkt ist jene Kreuzung, an der gleich drei Straßen aufeinandertreffen: die über die Kreuzung führende Cannstatter Straße sowie die Seestraße und die vom Osten her kommende August-Brändle-Straße.
Während an der Bahnhofstraße eine abknickende Vorfahrt sowie Zebrastreifen für die verkehrliche Ordnung sorgen sollen, ist die Kreuzung an der Cannstatter Straße durch eine Ampelanlage geregelt. Diese hat allerdings den Nachteil, dass manche Gäste der Stadtbahn an der Fußgängerampel bei Rot warten müssen, während auf der anderen Straßenseite der Linienbus 60 in Richtung Oeffingen abfährt.
Verkehrsteilnehmer müssen oder können sich in absehbarer Zeit in diesem Bereich auf Veränderungen und im Idealfall auf Verbesserungen einstellen. Denn der Straßenraum soll umgestaltet werden. Die Stadtverwaltung hat dabei zwei Varianten „tiefergehend untersucht“, wie es Stadtplaner Cornelius Ehlert in der Vorlage zur jüngsten Gemeinderatssitzung formuliert.
Zum einen war dies die Variante „Signalisierte Knotenpunkte“, also die Regelung durch Lichtzeichenanlagen. Die andere Variante beleuchtete die Sinnhaftigkeit von Minikreisverkehren – eine solche Variante als „Doppelkreisel“ hatten die Grünen bereits im Mai 2021 als Anregung ins Spiel gebracht.
Klares Votum für die kleinen Rundungen
Angesichts der seinerzeit eher skeptischen Reaktionen im Lokalparlament und der Verwaltung über mögliche Kreisverkehre an jenen Stellen kommt aktuell eine überraschend klare Antwort auf die Chance von derartigen Rundungen. Denn die Expertise favorisiert eindeutig die Minikreisel.
Stadtplaner Ehlert erläutert dazu: „Nach vertiefter Überprüfung, einer Verkehrssimulation und fachlichen Rückmeldungen ist bestätigt, dass die zweite Variante mit Minikreisverkehren sowohl aus verkehrstechnischer als auch städtebaulicher Sicht die Vorzugsvariante darstellt.“
Aus der Vogelperspektive: zwei Minikreisel (rote Rundungen oben) an der Seestraße in Fellbach, unten ein Teil des markanten Rathauses, in der Mitte die Lutherkirche. Foto: Stadt Fellbach
Die Verkehrssimulation zeige, dass die beiden Kreisverkehre eine sehr gute Leistungsfähigkeit aufweisen. Rückstaus zwischen den beiden Kreisverkehren seien nicht zu erwarten. Ehlert: „Insgesamt baut sich der entstehende Stau zuverlässig ab. Die Führung des Busverkehrs bleibt komfortabel und funktional. Die entstehenden Verlustzeiten sind gering. Der Fußverkehr erhält an zahlreichen Querungsmöglichkeiten durchgehend die Bevorrechtigung, wodurch die bisherigen Wartezeiten insbesondere am Knotenpunkt Cannstatter Straße/August-Brändle-Straße komplett entfallen.“
Zusätzlich biete die zweite Variante im gesamten Bereich „klare Potenziale für die Steigerung der Aufenthaltsqualität“. Insgesamt ermöglicht die Variante mit Minikreisverkehren nach Einschätzung der Fellbacher Bauverwaltung zusätzliche Grün- und Aufenthaltsflächen, eine barrierefreie Gestaltung sowie eine einheitliche und übersichtliche Verkehrsführung für alle Verkehrsteilnehmer. Man dürfe eine höhere Leistungsfähigkeit im Straßenraum erwarten, so Baudezernentin Beatrice Soltys, „sodass auch der Gelenkbus fahren kann“.
Im Gremium gab es durchweg Zuspruch. Andreas Möhlmann sagte: „Diese Lösung ohne Ampel ist zu begrüßen.“ Er erwarte „weniger Warterei“ für alle Verkehrsteilnehmenden. Generelles Ziel müsse allerdings sein, dass man durch bessere Planungen „weniger Verkehr in die Innenstadt bringt“. Jörg Schiller (Die Stadtmacher) erhofft sich eine „Verflüssigung des Verkehrs“ und dass die Minikreisel „auch für Fußgänger und Radler bessere Anbindungen bringen“.
Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen
Für die Grünen erklärte Stadträtin Sonita Halmer: „Die Neue Mitte ist ein zentraler Ort unserer Stadt. Sie muss gut funktionieren und gleichzeitig Aufenthaltsqualität bringen.“ Die Variante Minikreisel sei „ein wichtiger Schritt, weil sie den Straßenraum neu denkt und den Menschen mit seinen unterschiedlichen Mobilitätsformen in den Mittelpunkt stellt. Sie verkürzt den Fußverkehr deutlich, verkürzt Wartezeiten und bleibt gleichzeitig verkehrlich leistungsfähig“.
Beatrice Soltys wies im Übrigen noch darauf hin, dass es sich zunächst mal lediglich um eine Machbarkeitsstudie als Grundlage für die weiteren Planungen handele. Erst später gehe es um Verbesserungen und genaue Details. Das allgemein klare Votum für die beiden Minikreisel stellte auch die Rathauschefin zufrieden. Gabriele Zulls Eingeständnis: „Frau Soltys weiß, dass sie die Oberbürgermeisterin mit Kreisverkehren glücklich macht.“