Kreisverwaltung in Backnang Verwaltung der Zukunft: So wird der Betonbau beim Backnanger Bahnhof umgestaltet

Das Landratsamt in Backnang soll umfassend modernisiert werden. Foto: Frank Rodenhausen

Das alte Landratsamt in Backnang wird modernisiert. Was kostet das, was bringt es – und was passiert mit den freiwerdenden Flächen?

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Es ist ein Bau, wie ihn die Nachkriegszeit hinterlassen hat: kantig, kühl, funktional. Die Außenstelle des Landratsamts in der Erbstetter Straße 58 in Backnang (Rems-Murr-Kreis), architektonisch ein Kind des Brutalismus, soll bald nicht mehr nur durch ihre Betonfassade auffallen. Das Gebäude soll umfassend umgebaut, modernisiert und in die Zukunft geführt werden. Grundlage des Projekts ist eine Machbarkeitsstudie, die der Kreistag im Dezember zur Entscheidung vorgelegt bekam.

 

Laut der Behörde selbst sollen künftig bis zu 150 Mitarbeitende an diesem Standort untergebracht werden. Die Investitionssumme liegt bei rund 5,5 Millionen Euro.

Verwaltung bündelt Kräfte: Jugendamt zieht um

Der Umbau folgt der Gesamtimmobilienstrategie des Kreises, die seit 2016 auf eine Bündelung der Verwaltung zielt. Angemietete Flächen sollen reduziert, Betriebskosten gesenkt werden. Auch das Jugendamt, bislang im Gesundheitszentrum untergebracht, soll künftig in der Erbstetter Straße angesiedelt sein.

Im Gesundheitszentrum in Backnang werden durch den Auszug des Jugendamts Flächen frei. Foto: Frank Rodenhausen

Dadurch werden Räume im Gesundheitszentrum in der Karl-Krische-Straße frei – eine Chance für die medizinische Versorgung vor Ort. Laut der Kreisverwaltung haben bereits mehrere Interessenten, darunter eine Augenarztpraxis und die Hospizstiftung, Bedarf angemeldet.

Moderne Raumkonzepte statt Einzelbüros

Das bisherige Raumangebot im Gebäude gilt als flächenineffizient. Die künftige Struktur basiert auf einem sogenannten Drei-Zonen-Modell. Öffentliche Beratungsräume im Erdgeschoss, interne Arbeitsplätze in den oberen Stockwerken. Ergänzt wird dies durch ein Multi-Space-Konzept mit Desk-Sharing.

Rein rechnerisch stehen dann 0,8 Arbeitsplätze pro Stelle zur Verfügung. Ein Konzept, das bereits beim Neubau in Waiblingen Anwendung findet.

Klimaneutralität und Barrierefreiheit im Fokus

Neben der funktionalen Neuausrichtung stehen auch energetische und bauliche Anforderungen im Mittelpunkt. Geplant sind der Anschluss an die Fernwärmeversorgung aus der Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal sowie eine Photovoltaikanlage. Insgesamt entfallen 220.000 Euro auf energetische Maßnahmen.

Auch in Sachen Barrierefreiheit ist Nachholbedarf vorhanden. Der Zugang zu den oberen Stockwerken wird derzeit durch enge Aufzüge erschwert. Eine neue Hubbühne im Foyer und optimierte Wegführung sollen künftig Abhilfe schaffen.

Brandschutz im Fokus: 1,85 Millionen Euro für Sicherheit

Der größte Posten im Finanzplan entfällt mit rund 1,85 Millionen Euro auf den Brandschutz. Das Gebäude genießt zwar Bestandsschutz, entspricht jedoch nicht mehr den geltenden Vorschriften für Sonderbauten. Eine flächendeckende Brandmeldeanlage, Brandschutzverglasungen und neue Fluchtrouten sind geplant.

Für die technische Umsetzung sind drei Bauabschnitte vorgesehen. Jeweils zwei Geschosse werden parallel saniert, um den laufenden Betrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

295.000 Euro jährlich gespart durch Ämterumzug

Mit dem Umzug des Jugendamts und der Zusammenlegung weiterer Ämter am Standort Erbstetter Straße entfallen künftig Mietzahlungen in Höhe von rund 295.000 Euro pro Jahr. Die Flächen in der Karl-Krische-Straße und der Stuttgarter Straße werden dann nicht mehr benötigt.

Nach Angaben von Torsten Demand, der Leiter des Amts für Beteiligungen und Immobilien, soll die Umsetzung in diesem Jahr beginnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2028 anvisiert.

Backnangs Umbau: Potenzial trotz unattraktiver Architektur

Der Umbau in Backnang ist auch städtebaulich von Bedeutung. Zwar ist das Gebäude aus Sicht der heutigen Architekturauffassung wenig ansprechend, doch seine Lage nahe des Bahnhofs und im Stadtzentrum bietet Potenzial. Die Stadt begrüßt das Vorhaben ausdrücklich.

Der Oberbürgermeister Maximilian Friedrich spricht von einer „erfreulichen Entwicklung für Backnang“ – insbesondere mit Blick auf die geplante medizinische Nachnutzung der bisherigen Jugendamtsräume.

Die Entscheidung des Kreistags ist Teil einer längerfristigen Strategie. Funktionale, barrierefreie und klimafreundliche Verwaltung soll nicht nur wirtschaftlich sein, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger zugänglicher werden. Der Umbau in Backnang ist ein Schritt in diese Richtung.

Mit der Umsetzung des Projekts geht der Kreis einen pragmatischen Weg: Bestehende Infrastruktur wird ertüchtigt, Nutzungsmöglichkeiten werden erweitert – ohne überdimensionierte Neubauten.

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