Kretschmann auf Staatsbesuch "Man fängt immer klein an"

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Kretschmanns zweite Botschaft ist, "dass meine Regierung Ökonomie und Ökologie zusammenbringen will". Deutschland zum Beispiel nur noch mit erneuerbaren Energien zu versorgen, sei eine Riesenherausforderung, aber auch eine Riesenchance zur Positionierung der Betriebe in Zukunftsmärkten. Im Bildvortrag zum Standort Baden-Württemberg tauchen neben Bollenhüten, Allgäuer Kühen oder dem Stuttgarter Fernsehturm jetzt plötzlich Windräder und Solaranlagen auf.

Kretschmann erwähnt pflichtschuldig, dass der Südwesten ein starker, exportorientierter Industriestandort sei, nennt Maschinenbau, Medizintechnik und Fahrzeugbau. Doch es ist, als lägen ihm die mehr am Herzen, die sich um "die Mobilität des 21. Jahrhunderts" kümmern oder nach dem Ausstieg aus der Kernkraft jetzt auch das Ende der Kohleverstromung suchen. "Umweltschonende Techniken und Produkte sollen zum Markenzeichen Baden-Württembergs werden", sagt der Regierungschef vor argentinischen Unternehmern.

Das muss denen utopisch vorkommen, denn Ökologie hat hier - noch - keinen Stellenwert. Bei auf drei Peso-Cent je Kilowattstunde heruntersubventionierten Strompreisen haben Wind und Sonne keine Chance. Kretschmann gibt sich nicht angepasst. In Buenos Aires empfängt er demonstrativ ein Quartett von Umweltaktivisten, die in Argentinien eine grüne Partei gründen wollen. "Nehmen Sie es als Motivation, man fängt immer klein an", sagt Kretschmann dazu und wünscht den Kollegen Glück.

 Bei einem Günther Oettinger hätte es das nicht gegeben

Man könnte auf die Idee kommen, dass solche Kontakte zur aufkeimenden Opposition führenden Regierungsvertretern die Lust verderben, mit der deutschen Delegation zu sprechen. Statt mit der argentinischen Staatspräsidentin Cristina Kirchner muss sie mit dem Unterstaatssekretär der Region Buenos Aires, Bruno Tomaselli, vorliebnehmen. Bei einem Günther Oettinger hätte es das nicht gegeben, sagen Kenner solcher Abläufe. Da hätten vorher die Drähte zwischen Delegation und deutscher Botschaft geglüht, um dem Gastgeber klarzumachen, dass das Protokoll etwas anderes vorsieht.

Winfried Kretschmann freilich ficht das nicht an. In Brasilia spricht er mit Marina Silva. Sie war Umweltministerin und ist im Zorn auf ihren damaligen Präsidenten Lula da Silva wegen dessen aus ihrer Sicht zu laschen Antikorruptionspolitik zurückgetreten. 2010 kandidierte sie für die Präsidentschaft und holte immerhin 20 Prozent. "Das Flaggschiff der brasilianischen Umweltbewegung" zu treffen, sei sein Wunsch gewesen, sagt Kretschmann.