Kretschmann auf Staatsbesuch Auf Wiederentdeckungsreise in Südamerika

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Der Regierungschef wirbt für ein grünes Baden-Württemberg, allerdings kommen die Botschaften von Winfried Kretschmann nicht überall gut an.

Winfried Kretschmann  mit der Umweltministerin Izabella Teixeira. Foto: dpa 4 Bilder
Winfried Kretschmann mit der Umweltministerin Izabella Teixeira. Foto: dpa

Rio de Janeiro - Alle sagen nur China, China, China. Vielleicht noch Indien. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hingegen gastiert mit einer Riesendelegation aus 133 Unternehmern und Hochschulvertretern in Argentinien und in Brasilien. "Es ist kein Zufall, dass meine erste große Auslandsreise nach Südamerika führt", sagt er vor den Gästen des Industrieverbandes FIEP in Curitiba, der Hauptstadt der Provinz ParanÖ in Brasilien. Das ist eine Partnerregion von Baden-Württemberg. Man kennt sich, schon seit rund 20 Jahren gibt es Zusammenarbeit und Austausch.

Edson Luiz Campagnolo, der Präsident des Verbandes, freut sich sichtlich über den Besuch der Südwestdeutschen und lädt Kretschmann gleich wieder ein. Die Brasilianer haben sich gut vorbereitet, haben recherchiert - über den Neuen in Stuttgart, den Grünen. Man weiß, dass Gerlinde Kretschmann Lehrerin war. Auch Campagnolos Frau ist Pädagogin, eine Sportlehrerin. Das schafft eine Verbindung. So etwas suchen die Gastgeber.

Südamerika ist kein einfacher Markt für ausländische Unternehmen. Handelsbarrieren liegen hoch. Die Regierungen lieben es, sich dirigistisch einzubringen. Freilich: seit einem Jahrzehnt brummt die Ökonomie ununterbrochen. Und Fachleute sehen kein Ende. Die Staatshaushalte sind - anders als in Europa oder Nordamerika - in Ordnung. Die Reallöhne der Bevölkerung steigen trotz Inflation. "Brasilien hat die Finanzkrise ohne Rezession überstanden", sagt der deutsche Botschafter in Brasilia, Wilfried Grolig. Das macht die Brasilianer selbstbewusst und umworben. Sie kommen kaum noch nach, Gesprächswünsche zu sortieren. Immerhin: Deutschland hat einen guten Ruf in der Region.

Brasilianische Krativität und deutsche Tüftlerkompetenz

Und da kommt Kretschmann, der grüne Staatsmann. Zwei Botschaften will er herüberbringen. Die eine ist, dass "künftige wirtschaftliche Erfolge wissenschaftsbasiert sind". Deshalb haben sich ihm hochkarätige Vertreter der südwestdeutschen Hochschulen angeschlossen. Vier der neun Universitäten des Landes sind mit ihren Rektoren vertreten. Drei Fachhochschulleiter und der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg gehören zur Delegation.

Gemeinsam mit der stets präsenten Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) beackern sie die südamerikanischen Bildungspolitiker. Vor allem die brasilianischen Hochschulen haben sich in der Spitze rasch herausgeputzt. Dieses Potenzial will man ausloten. In der Hauptstadt Brasilia schwärmt Afonso Ferreira davon, dass brasilianische Kreativität kombiniert mit deutscher Tüftlerkompetenz eine ideale Allianz zur Eroberung der Weltmärkte wäre.

Er ist Boss einer halbstaatlichen Organisation, die sich in Brasilien um berufliche Ausbildung kümmert und die Vorzüge des deutschen dualen Ausbildungsgangs kennt. Kretschmann, der Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) und Ferreira unterzeichnen ein Kooperationsabkommen. Vor allem die Praktiker wollen konkret werden. Aber auch die neue Staatspräsidentin Dilma Rousseff will bis in ein paar Jahren zehntausend junge Brasilianer an deutsche Hochschulen schicken. 2000 davon bietet Kretschmann im Südwesten Studienmöglichkeiten an - und erhält dafür Szenenapplaus von seinen Gastgebern.