Kretschmann bei Nationalpark-Gegnern in Baiersbronn Kretschmann bei Nationalpark-Veranstaltung als „Judas“ bezeichnet

Von akw 

Minutenlanges, ohrenbetäubendes Pfeifkonzert und wütende Rufe „Judas“, „Drecksack“, „alles Schwindel“: So wurden Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Parteikollege Alexander Bonde am Mittwoch in Baiersbronn empfangen.

Der Ministerpräsident hat es sich nicht bequem gemacht. Foto: dpa
Der Ministerpräsident hat es sich nicht bequem gemacht. Foto: dpa

Stuttgart - Minutenlanges, ohrenbetäubendes Pfeifkonzert und wütende Rufe „Judas“, „Drecksack“, „alles Schwindel“ – die organisierten Gegner des Nationalparks haben dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und dem Naturschutzminister Alexander Bonde (beide Grüne) am Mittwochabend einen heißen Empfang in der Baiersbronner Schwarzwaldhalle bereitet. Aber auch die Befürworter waren gewappnet. Als junge Burschen mit Anti-Nationalpark-Bannern die Bühne stürmten, hielten sie ein Willkommensband dagegen.

Der Ministerpräsident nahm es gelassen. Er hatte sich kurzfristig entschieden, sich der Diskussion in Baiersbronn zu stellen und den Stadionbesuch beim Fußballderby VfB Stuttgart gegen SC Freiburg abgesagt. Immerhin ist die Gemeinde Baiersbronn mit 46 Prozent ihrer Fläche bei weitem am meisten von einem möglichen Nationalpark betroffen. Kretschmann wollte den Vorwurf einer vehementen Gegnerin offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen, er mache es sich bequem und vertrete das Regierungsgutachten zum Nationalpark in Ottenhöfen, einer kleinen Gemeinde im Ortenaukreis, die gerade einmal zwei Prozent ihrer Gemarkungsfläche im Suchraum des Nationalparks habe.

Wütendes Geschrei

Der Landrat des Kreises Freudenstadt, Klaus-Michael Rückert, setzte sich ruhig und beharrlich gegen wütendes Geschrei durch. Sein politisches Bekenntnis – „der Nationalpark bringt mehr Chancen als Risiken“ rief großen Unmut, aber auch Beifall im Saal hervor. In der mit 1000 Besuchern gefüllten Halle in Baiersbronn baute sich dennoch Druck auf. „Wenn das so weiter geht, eskaliert das heute“, fürchtete ein älterer Herr. Der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf wies daraufhin, dass die Bürger seit Jahrhunderten von und mit dem Wald lebten. Er warb um Verständnis dafür, dass die „Sorgen hier größer seien als anderswo“.Die Äußerung dieser Sorgen sollten nicht als „Krawall“, der Ort nicht als Widerstandsnest“ bewertet werden.

Genau diesen Anschein jedoch bestätigten die Gegner. Schließlich wurde die Veranstaltung von ihrem „Spinndoktor“ gefilmt. Der Sprecher des Vereins Andreas Fischer war mit der Kamera unterwegs, um den Protest fürs Internet werbewirksam zu dokumentieren. „Den Wald der Natur zu überlassen, heißt nicht, den Wald verrecken zu lassen“, versuchte Kretschmann in der Diskussion einen Vorwurf zu entkräften. Bei den Gegnern stieß er damit allerdings an seine Grenzen als Pädagoge. „Der Mensch“, so Kretschmann weiter, „kann keine neuen Arten machen, nur welche ausrotten.“

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