Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besucht Spanien. Auf dem Programm stand bei der Reise auch eine Besuch bei Pablo Picassos „Guernica“ dem während Kriegszeiten entstandenen Monumentalwerk.

Madrid - Jemand aus der deutschen Community in Madrid hat Winfried Kretschmann darauf hingewiesen, dass es nicht viele Länder in Europa gebe, mit denen „wir im vergangenen Jahrhundert nicht im Krieg waren“. Spanien gehöre dazu. Und dies erleichtere doch die beidseitige Gemütslage, jetzt, da die große Finanz- und Wirtschaftskrise zwar nicht mehr so bedrängend, aber eben noch nicht ausgestanden sei – und die deutsche Austeritätspolitik auch auf der Iberischen Halbinsel durchaus auf Kritik stoße.

Und dann steht der baden-württembergische Ministerpräsident in Saal 206 des Centro de Arte Reina Sofia vor diesem monumentalen Gemälde, das ins kulturelle Gedächtnis der Menschheit eingeganen ist: Pablos Picassos „Guernica“. Gemalt 1937 in den Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs, ist es zum Antikriegsbild schlechthin geworden, zur Anklage gegen den Untergang der Menschlichkeit im Bombenhagel. Leider waren dann doch wieder die Deutschen führend an diesem Gemetzel beteiligt. Kretschmann schaut genau hin. Er sieht die zerrissenen Leiber, die klagenden Menschen, die gequälte Kreatur.

Kretschmann schweigt

Er wirkt stets ein wenig spröde in Momenten wie diesen. Er stößt keine aufgeregten „Ahs“ und „Ohs“ aus, er verkneift sich Nachfragen, er zeigt kein gedankenschweres Nicken. Kretschmann steht einfach nur da und schweigt. Picassos „Guernica“ ist geeignet, das alte, fast schon vergessene, dann plötzlich wieder aktuelle Leitmotiv der europäischen Einigung heraufzubeschwören: nie wieder Krieg gegeneinander zu führen und gemeinsam in einer multipolaren Welt zu bestehen.

Einen kleinen, vielleicht winzig kleinen, aber doch respektablen Beitrag will Kretsch­mann bei seinem Besuch in Madrid und Barcelona dafür leisten. Sein wichtigstes Thema – neben den üblichen politischen Gesprächen mit Repräsentanten der nationalen und regionalen Politik Spaniens – ist der Austausch von Fachkräften und die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung sowie in der Hochschulpolitik.

Fachkräfte fürs Land

Obschon sich bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Lage Spaniens Hoffnungsschimmer am Horizont zeigen, ist die Jugendarbeitslosigkeit immens. Viele junge Leute haben keinen Job, andere sind in die Schwarzarbeit ausgewichen. Offiziell wird die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen mit über 50 Prozent angegeben, tatsächlich dürfte sie – nach den Maßstäben der deutschen Arbeitsstatistik, bei etwa 25 Prozent liegen. Was die Dramatik der Lage vermindert, aber nicht entschärft. Auch geht es den Eltern oft nicht besser. „Es gibt viele Haushalte, da gibt es nur noch die Rente der Großeltern, davon müssen drei Generationen leben“, sagt ein Kenner der Verhältnisse.

Kretschmann und seine Delegation, mit dabei sind Wissenschaftsministerin Theresia Bauer(Grüne) und Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD), wollen ausloten, welche Angebote Baden-Württemberg für den Fachkräfteaustausch machen kann und was dabei auch für die Behebung des eigenen Fachkräftemangels im deutschen Südwesten zu gewinnen ist.