Kreuzfahrten Gefährliche Gletscherschau

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Die arktische Welt lockt jedes Jahr mehr Touristen auf Kreuzfahrtschiffe. Doch diese Touren sind nicht ungefährlich. Nun werden Forderungen nach Konvois für diese Schiffe laut.

Kreuzfahrten im Eismeer sind ein Spektakel für Touristen Foto: dpa
Kreuzfahrten im Eismeer sind ein Spektakel für Touristen Foto: dpa

Grönland - Die Gletscher und Eisberge, die bizarre Natur und die vielfältige arktische Tierwelt locken Jahr für Jahr mehr Touristen auf Kreuzschifffahrt ins Eismeer. Doch mit der Zahl der Dampfer wächst auch die Furcht vor einer Kata­strophe im Titanic-Format. Nun fordern die für Island und Grönland zuständigen Seefahrtbehörden, die Cruise-Schiffe nur noch im Konvoi in die gefährlichen Gewässer zu lassen. Für einen einzelnen Havaristen seien die Rettungschancen minimal.

Der Untergang der Costa Concordia vor der Toskana-Küste hat die Debatte neu angeheizt. Das italienische Kreuzfahrtschiff hatte 4229 Menschen an Bord, von denen 4197 gerettet werden konnten. Im Hafen von Reykjavík liefen im Vorjahr 70 Kreuzschiffe an, mit Passagierzahlen bis zu 6000, und viele von ihnen fahren weiter nach Grönland und Spitzbergen.

Dramatische Folgen bei einem Unglück

Doch ein Unglück vor Grönland hätte ungleich dramatischere Folgen als die Havarie vor der italienischen Insel Giglio, warnt Islands Küstenwache, die ein Meeresgebiet von 1,9 Millionen Quadratkilometern abzudecken hat. „Bei einem Unfall auf offener See gibt es keine Ressourcen, Tausende Passagiere zu retten“, heißt es in einem Schreiben der Behörde. „Die Rettungshubschrauber haben begrenzte Reichweite, und selbst wenn sich ein Schiff der Küstenwache in der Nähe befinden sollte, könnte dieses nur einen Bruchteil der Verunglückten aufnehmen.“ Doch auch ein Unglück in Küstennähe würde die Gefahren kaum mildern. Grönlands Ostküste ist dermaßen dünn besiedelt, dass die nächste Behausung Hunderte Kilometer entfernt sein kann. „Selbst wenn sich die Schiffbrüchigen an Land retten könnten, gibt es keine Möglichkeit, ihnen rasch zu Hilfe zu kommen.“

Daher fordert Islands Seefahrtsbehörde nun, dass die Kreuzfahrer nur noch zu zweit zur Gletscherschau auslaufen sollten. Sollte dem einen etwas zustoßen, hätte der andere Kapazität genug, um als Notherberge für die Überlebenden zu dienen. Ins gleiche Horn stößt die für Grönland zuständige dänische Seeaufsicht. „Wir sind sehr bekümmert über die Schiffe, die allein ins Eis fahren“, sagte Bürochef Per Sønderstrup der Fachzeitschrift „Ingeniøren“. „Sie müssen sich selbst helfen, da Rettungsmannschaften mehrere Tage brauchen können, um vor Ort zu sein. Daher sollte es eine Bedingung sein, im Konvoi zu fahren.“

Eismassen sind oft hart wie Granit

„Unrealistisch“ nennt dies Grönlands Touristik- und Wirtschaftsrat. Man könne von den Cruise-Gesellschaften nicht verlangen, ihre Fahrten zu koordinieren. Der wachsende Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für das autonome Grönland, und die Kreuzfahrt gilt als neue Goldgrube. 40 Cruise-Schiffe liefen im vergangenen Sommer die grönländischen Häfen an. Die Seeaufsicht dringt auch auf strengere Bestimmungen für im Eismeer aktive Schiffe. Die internationale Seefahrtorganisation IMO solle den Standard obligatorisch machen, den Dänemark für die Konstruktion, Rettungs- und Navigationsaussteuer an se

ine Schiffe stellt. Propeller und Antriebswelle seien oft nicht für den Kontakt mit den Eismassen geeignet, die „hart wie Granit“ sein könnten, wie der Steuermann Bjarne Rasmussen, der 17 Jahre in den grönländischen Gewässern fuhr, schildert. „Die Schiffe haben weder Stahlschrauben noch Eisschneider.“

Als Hauptproblem bezeichnet Hans Otto Kristensen von Dänemarks Technischer Universität jedoch den Schiffsrumpf, der bei vielen Kreuzfahrtschiffen nicht extra für die Eisfahrt verstärkt ist. „Das größte Risiko ist ein Leck, wie es bei der Costa Concordia geschah. Wenn das in der Arktis geschieht, haben wir die Katastrophe.“

Dass die Gewässer unzureichend erforscht sind, macht die Reise nur noch gefährlicher. Die Seekarten rund um Grönland sind teils veraltet, teils ungenau, an der Ostküste fehlen in großen Gebieten die Messungen völlig, so dass die Steuermänner „auf Sicht“ navigieren müssen. Dass so mancher Cruise-Kapitän viel zu nahe an die Eisberge heranfährt, um seinen Passagieren ein besonders spektakuläres Erlebnis zu bieten, trägt zusätzlich zur Sorge der Seerettung über die wachsende Zahl der Kreuzfahrer bei.




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