Krieg in der Ukraine Böblinger Schule erwartet 300 Flüchtlinge aus Odessa

In der Freien Waldorfschule Böblingen laufen die Drähte für die Hilfe der Kriegsflüchtlinge zusammen. Eine Internet-Plattform leistet Vilena Sterling, Mechthild Beutel, Heidi Pussel (von links) und dem ganzen Team nützliche Hilfe. Foto: Eibner/Bürke

Die Freie Waldorfschule Böblingen unterstützt Schülerinnen und Schüler ihrer Partnerschule in der Ukraine sowie deren Angehörige nach ihrer Flucht aus der umkämpften Stadt am Schwarzen Meer – die Hilfsbereitschaft ist groß.

Böblingen - Der Krieg in der Ukraine ist auch im Landkreis Böblingen angekommen. Der 16-jährige Viktor ist der erste unbegleitete Jugendliche, der aus ukrainischem Kriegsgebiet flüchten konnte und bei einer Renninger Familie untergekommen ist. Viktor wurde nach seiner Odyssee von der polnischen Grenze abgeholt. „Er ist traumatisiert und noch nicht ansprechbar“, berichtet Heidi Pussel. Die Ehningerin organisiert zusammen mit dem Lehrer Andreas Rysavy und weiteren Pädagogen die Unterstützung von Kriegsflüchtlingen aus der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer, die jetzt angelaufen ist. Denn eben dort unterhält die Waldorfschule Böblingen seit Jahren partnerschaftliche Beziehungen.

 

Weitere 300 Menschen – Familien und unbegleitete Jugendliche – sind laut dem Informationsnetzwerk der Böblinger Initiative noch unterwegs. Viele würden an der Grenze aufgehalten. Manche kämen mit dem Auto, andere mit dem Zug.

Hilfsaktion gewinnt seit Donnerstag an Fahrt

Seit Donnerstag vergangener Woche läuft diese private Hilfsaktion für Menschen aus Odessa, der sich mehr und mehr Helferinnen und Helfer aus dem Landkreis Böblingen anschließen.

Die Russisch-Lehrerin der Waldorfschule Böblingen, die seit vielen Jahren engen Kontakt zur Partnerschule in Odessa pflegt, erhielt Hilferufe von den dort lebenden Familien. Die leitete sie zunächst an die Familien weiter, deren Kinder zuletzt 2019 zum Schüleraustausch in Odessa waren.

Auch die heute 16-jährige Tanja Pussel erlebte die Hafenstadt am Schwarzen Meer in Friedenszeiten. Wie es in der Waldorfschule guter Brauch ist, hat sich ihre Mutter Heidi Pussel jetzt mit den Lehrern zusammengefunden und das Hilfsprojekt zu einer gemeinsamen Sache gemacht.

Schüler und Eltern schaffen Wohnraum für Flüchtlinge

Dem ersten Aufruf folgte auch der Klassenlehrer Andreas Rysavy, der 2019 erleben durfte, wie zwischen seinen Achtklässlern und den Schülern in Odessa Freundschaften entstanden, die über die Jahre und die Entfernung bis heute gehalten haben.

„Die Resonanz ist groß. Die Eltern erklärten ihre Bereitschaft, in den Familien zusammen zu rücken, um Platz für Gäste aus Odessa zu machen“, berichtet Andreas Rysavy. Und auch sonst werde Hilfe angeboten – als Dolmetscher bei Behördengängen oder als Ausstatter für Unterkünfte. Die Böblinger Ärztin Angela Steer-Reh beispielsweise will medizinisch helfen, eine russischsprachige Therapeutin bietet ebenfalls professionelle Hilfe an.

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„Alles ist wichtig, was die Gäste dabei unterstützen kann, hier anzukommen und nach vorn zu blicken“, sagt Heidi Pussel, die mit ihrer Homepage „Familienspielraum.de/odessa auch eine Kommunikationsplattform geschaffen hat, damit Hilfe direkt ankommt.

Die Lehrer vermitteln die Gäste zentral und setzen für die Vermittlung von weiteren Hilfsangeboten auf die Selbstorganisation der Beteiligten in einer Signalgruppe.

Der Kreis der Unterstützer wächst

Die Bitte um Unterstützung wurde auch von Eltern in ihren privaten Netzwerken weitergegeben, sodass inzwischen der Kreis der Helfer laut der Initiative weit über die Waldorfschule hinaus reicht.

Gespräche mit den Ämtern laufen laut Pussel parallel, um zu klären, wie die Gäste zu einer Krankenversicherung und Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz kommen.

Im Landkreis bereiten derweil die Gastgeber ihre Gästezimmer vor, leihen und schenken sich untereinander Betten und Kleidung sowie Spielmaterial und Bücher. Sie alle hoffen, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer unbeschadet im Laufe der Woche eintreffen.

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