Die Nachrichten aus der Ukraine lösen zunehmend Angst und Entsetzen aus. Da hilft es, selbst aktiv zu werden. In der Region Stuttgart gibt es immer mehr Hilfsaktionen für Menschen vor Ort und für Geflüchtete. Eine Übersicht.

Stuttgart und Region: Julia Bosch (jub)

Stuttgart - Das beste Mittel gegen die Angst und die Hilflosigkeit, die viele Menschen momentan im Angesicht des Kriegs in der Ukraine empfinden, ist laut Psychologen: selbst aktiv zu werden. Man nennt dies Selbstwirksamkeit. Das kann bedeuten, zu Demonstrationen zu gehen. Es kann heißen, Bekannte und Familienmitglieder über Fake News aufzuklären und ihnen seriöse Quellen zu nennen. Und es kann bedeuten, einen Beitrag bei einer Hilfsaktion für die Ukraine zu leisten. In der Region Stuttgart bilden sich momentan immer mehr solcher Initiativen. Eine Übersicht.

In Sindelfingen können Sachspenden abgegeben werden

Die Sindelfinger Initiative „Helfen statt Hamstern“ und die Jugendbürgerstiftung Sindelfingen sammeln von Dienstag, 1. März, an Sachspenden für Menschen in der Ukraine sowie Menschen auf der Flucht. Es können Kleidung, kleine Haushaltsgegenstände, Verbandsmaterial, Masken, Sportsachen, Wasser, Konserven und haltbare Lebensmittel wie Reis und Nudeln, Isomatten, Decken, Rucksäcke, Hygieneartikel, Klopapier und Umzugskartons abgegeben werden. Nur Geldspenden sind nicht erwünscht.

Die Sachspenden sollen unter anderem nach Chelm gebracht werden, Sindelfingens Partnerstadt in Polen. Diese liegt 30 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze, dort werden in den kommenden Tagen etliche Geflüchtete erwartet. Außerdem sollen die Hilfsgüter nach Moldawien gehen sowie in deutsche Städte, die Partnerstädte in der Ukraine haben und die Spenden weitergeben. Konkret sind das zum Beispiel die Filder-Kommunen mit Poltava oder Freiburg mit Lviv.

Gegenstände können von Dienstag, 1. März, bis Sonntag, 13. März, täglich von 10 bis 17 Uhr in der Klosterseehalle, Sommerhofenpark 1 in Sindelfingen, abgegeben werden. Fragen werden telefonisch beantwortet unter der Nummer 0 70 31 / 30 47 47 70 oder per E-Mail an die Adresse info@helfen-statt-hamstern.de. Infos stehen auch unter www.helfen-statt-hamstern.de im Internet.

Arthelps sammelt in Stuttgart-Feuerbach

Die Organisation Arthelps aus Stuttgart organisiert ebenfalls Transporte mit Sachspenden in die Ukraine. Bereits am Dienstag, 1. März, sollen die ersten Lieferungen in die westliche Ukraine gebracht werden. Spenden können in der Tiefgarage zwischen Leitzstraße 4 und Junghansstraße 9 in Stuttgart-Feuerbach abgegeben werden; entweder am 1. März zwischen 13 und 16 Uhr oder zwischen 2. und 4. März, jeweils zwischen 10 und 16 Uhr.

Gewünscht sind sogenannte Basispakete mit haltbaren Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Taschenlampen, Desinfektionsmittel und Masken. Zudem bestehe Bedarf an Babynahrung, Wärmepflastern, Verbandskästen, Powerbanks, faltbaren Betten, Schützern für Knie und Ellenbogen, Generatoren, Walkie Talkies, Helmen, Decken, Schlafsäcken, Mützen, Handschuhen und Socken, heißt es. Fragen werden telefonisch unter 0151-612 20 867 beantwortet.

In Fellbach wird Feuerwehr-Ausrüstung gesammelt

Unterdessen wird in Fellbach Ausrüstung für die Feuerwehr in der Ukraine gesammelt. „Die Resonanz ist riesig“, sagt Alexander Ernst. Aus ganz Baden-Württemberg hätten sich bereits Feuerwehren gemeldet, die Material spenden wollen. Alexander Ernst ist seit 38 Jahren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und Geschäftsführer der Firma Barth Feuerwehrtechnik in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Sein Unternehmen beliefert schon seit Längerem unter anderem den Katastrophenschutz in der Ukraine.

Seit Montag werden in der Alten Kelter, Untertürkheimer Straße 33 in Fellbach, unter anderem Verbandsmaterial, Atemschutzgeräte, Helme, Stiefel, Handschuhe, Beleuchtungsgeräte, Stromerzeuger, hydraulische Rettungsgeräte, Druckluftflaschen und Krankentragen gesammelt. Bis Mittwoch, 2. März, um 16 Uhr werden Spenden entgegengenommen, allerdings sollte es nur neuwertige Ware sein, keine abgelaufenen Geräte. Schon am Donnerstag soll der Hilfskonvoi zur polnisch-ukrainischen Grenze losfahren. Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg unterstützt diese Aktion.

Waldorfschule Böblingen vermittelt Unterkünfte

Die Waldorfschule in Böblingen hat eine Partnerschule in Odessa, einer ukrainischen Stadt am Schwarzen Meer. Auch deshalb unterstützt die Schule nun Kinder, Jugendliche sowie Angehörige nach ihrer Flucht und vermittelt Unterkünfte im Landkreis. Der erste geflüchtete Schüler, ein 16-Jähriger, ist bereits angekommen und bei einer Familie in Renningen untergekommen. Weitere 45 Familien und unbegleitete Jugendliche sind laut der Böblinger Waldorfschule noch unterwegs.

Diese private Hilfsaktion läuft seit Donnerstag. Eine Russisch-Lehrerin der Waldorfschule, die seit vielen Jahren engen Kontakt zu der Partnerschule in Odessa pflegt, hatte Hilferufe von den dort lebenden Familien erhalten, die sie zunächst an die Familien weiterleitete, deren Kinder zuletzt 2019 zum Schüleraustausch in Odessa waren. Inzwischen reicht der Kreis der Helfer aber weit über die Waldorfschule hinaus. Mehr Informationen zu der Aktion sowie zur Möglichkeit, Unterstützung anzubieten, gibt es online unter familienspielraum.de/odessa.

Aichtal stellt Wohnraum zur Verfügung

Auch in Aichtal (Kreis Esslingen) stellt man sich auf Menschen ein, die kurzfristig eine Unterkunft oder andere Hilfe benötigen. Am Wochenende wurde eine Online-Plattform für Hilfsangebote eingerichtet. Dort kann gemeldet werden, wenn jemand ein Zimmer oder eine leer stehende Wohnung hat oder als Flüchtlingspate seine Hilfe anbietet. Am Wochenende wurden bereits mehrere Unterkünfte eingestellt, auch wurde die Bereitschaft signalisiert, Zimmer in einem Wohnhaus für eine flüchtende Familie frei zu räumen, berichtet der Aichtaler Bürgermeister Sebastian Kurz. Hilfsangebote für Aichtal können online auf www.sebastiankurz.de/aichtal_hilft.html gemeldet werden. Unabhängig vom Wohnort können hier freie Übernachtungsplätze gemeldet werden.

Ludwigsburg will Flüchtende unterstützen

Die Stadt Ludwigsburg will Flüchtende aus der Ukraine pragmatisch und unkompliziert unterstützen. Dafür stimme sich die Stadt mit dem Landkreis, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Kirchen und sozialen Trägern in den kommenden Tagen ab, „um schnellstmöglich alle Unterstützungsleistungen in Ludwigsburg zu bündeln und zu kommunizieren“, heißt es in einer Mitteilung. Der städtische Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport nimmt Hilfsangebote entgegen, wie etwa wenn jemand Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Auch für Anregungen und Fragen aus der Bevölkerung ist der Fachbereich per Mail an fluechtlingsarbeit@ludwigsburg.de sowie telefonisch unter 07141/9 10 45 14 erreichbar.

Hotel bietet Zimmer für Geflüchtete an

Auch das Sporthotel Aramis in Gäufelden (Kreis Böblingen) bietet den Großteil seiner 32 Zimmer für Geflüchtete aus der Ukraine an. „In Zeiten, in denen die Pandemie leider nach wie vor keine üblichen Belegungsquoten ermöglicht, rufen wir alle Hoteliers auf, unserem Beispiel zu folgen“, heißt es in einer Mitteilung.

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