Kriegsgüter umgebaut Einst Granate, heute Kinderrassel

Von Sandra Dambacher-Schopf 

Die Ausstellung „Schwerter zu Pflugscharen – Militärisches umgenutzt“ zeigt, wie nach 1945 Kriegsgüter zu Alltagsgegenständen umgebaut wurden.

Kurt Sartorius ist fasziniert von der Rassel und dem Glöckchen, die einst Granaten waren. Foto: factum/Granville 8 Bilder
Kurt Sartorius ist fasziniert von der Rassel und dem Glöckchen, die einst Granaten waren. Foto: factum/Granville

Bönnigheim - Ein Kartoffelstampfer, gefertigt aus dem Leitwerk einer Bombe, oder ein Salatsieb, das zuvor ein Stahlhelm war: Stücke wie diese im Bönnigheimer Museum im Steinhaus lassen den Betrachter schmunzeln. Das Lachen bleibt bei der Ausstellung „Schwerter zu Pflugscharen“, die bis zum 3. Oktober zu sehen ist, aber oftmals im Hals stecken. Schließlich wurden die meisten Exponate aus Gegenständen hergestellt, die zum Töten von Menschen bestimmt waren.

Militärisches im Überfluss trifft auf Ressourcenmangel

Hart ist der Kontrast bei Kinderspielsachen: Ein kleines Spielkarussell leuchtet in fröhlich bunten Farben in einer Vitrine. Es wurde aus dem Leitwerk einer Splitterbombe gebastelt. Darüber liegen industriell gefertigte Kinderrasseln aus amerikanischen Eierhandgranaten. Nicht also nur Privatleute haben in der Nachkriegszeit mit Geschick und Fantasie Brauchbares aus dem gefertigt, was verfügbar war, sondern auch die Industrie. „Bis zum Kriegsende lief die Wirtschaft voll auf Kriegsproduktion“, sagt Kurt Sartorius, der Leiter des Museums. „Dieser Markt brach am 8. Mai 1945 vom einen auf den anderen Tag ein.“ Gasmasken, Militärkleidung, Munition und Bomben gab es nun im Überfluss. Doch all das brauchte nun niemand mehr. „Dafür war die Versorgung mit Rohstoffen dahin.“ Und nach dem Motto „Not macht erfinderisch“, habe man eben das verarbeitet, was da war. Um Pietät zu zeigen sei der Materialmangel zu groß gewesen. So gab es auch Christbaumständer aus Bombenteilen.

An die heute unvorstellbare Not erinnern

Unter die Kategorie Originell fällt, was wohl eine Privatperson aus dem Rahmen eines Militärfahrzeug-Rücklichts gebogen hat: Einen Toilettenpapier-Halter. „Damals hat man Zeitungspapier benutzt und über eine solche Halterung gehängt“, sagt Sartorius. Die Nachkriegszeit hat er als Kind erlebt: „Mit dieser Ausstellung möchte ich an eine Not erinnern, wie wir sie uns heute gar nicht mehr vorstellen können.“ Mit den amüsanten Ausstellungsstücken, die auch den offensichtlich unerschütterlichen Überlebenswillen der Menschen in der Nachkriegszeit dokumentieren, will er dies aber auf positive Weise tun.

Das berühmte Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ als Symbol des Friedens

Den Titel der Ausstellung hat Sartorius sehr bewusst gewählt. Die Redewendung „Schwerter zu Pflugscharen“ stammt ursprünglich aus einem biblischen Zitat des Propheten Micha, das einen Ausblick auf den Völkerfrieden gibt. Dieses Zitat nutzte die kirchliche Friedensarbeit der DDR Anfang der 1980er Jahre. Es wurde zum Symbol staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen, erst in der DDR, später auch in Westdeutschland. Anekdoten und Geschichten zu den rund 150 Stücken hat Kurt Sartorius viele parat. An Sonntagen lässt er die Besucher jeweils von 14 bis 17 Uhr an seinem Wissen teilhaben.




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