Krimiautor Wolfgang Schorlau über Windräder Schorlau über Energiewende: „Wir haben alle Instrumente, um das Chaos abzuwenden“

Wolfgang Schorlau hat lange über Windräder und die Energiewende recherchiert. Am am Montag liest er in Böblingen. Foto: TIMO KABEL/cf/dpa

Der Stuttgarter Bestseller-Autor geht in seinem neuesten Kriminalroman auf Konflikte rund um die Energiewende ein. Aufhänger ist ein geplantes Windrad auf dem Feldberg. Im Interview spricht der Autor über ablenkende Debatten und seine Erkenntnisse aus zwei Jahren Recherche.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Wolfgang Schorlau liest am Montag, 5. Mai, in Böblingen aus seinen neuen Kriminalroman „Black Forest“. Die Geschichte entwickelt sich um ein auf dem Feldberg geplantes Windrad. Der Stuttgarter Bestseller-Autor verknüpft in seinem Buch Historisches und aktuelle Erkenntnisse über die Klimakrise und die Energiewende.

 

Herr Schorlau, gab es einen konkreten Anlass, der Sie dazu gebracht hat, gerade jetzt dieses Buch zu schreiben?

Wolfgang Schorlau: Ich beschäftige mich, wie vermutlich viele, mit der Frage, was passiert in unserem Land? Warum rutschen immer mehr Menschen nach rechts ab? Was sind die gesellschaftlichen Themen, um die es eigentlich geht? Als entscheidenden Kristallisationspunkt habe ich die Energiefrage identifiziert.

In den aktuellen Debatten spielt das Thema Energiewende allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen lag in den vergangenen Monaten ein Schwerpunkt auf Migration. Wie erklären Sie sich das?

Es gibt eine ganze Reihe von Stellvertreterdiskussionen, die darauf abzielen, die positiven Kräfte, die die Energiewende unterstützen, zu isolieren. Das ist einerseits das Migrationsthema, aber auch völlig irrwitzige Debatten über Gendertheorien, die enorm aufgeblasen werden. Migration ist ein Erfolgsthema, von dem Deutschland profitiert. Ohne Migration würde bei uns alles zusammenbrechen: die Krankenhäuser, die Gastronomie, der öffentliche Nahverkehr, die Altenversorgung bis zur Postzustellung. In der politischen Debatte wird Migration jedoch immer nur als Problem dargestellt. Tatsächliche Situation und politische Debatte passen überhaupt nicht zusammen.

Das passiert aus Ihrer Sicht also, um von der Frage nach der Energiewende abzulenken – warum?

Es wird märchenhaft viel Geld mit den fossilen Energieträgern gewonnen. Es gibt Kräfte, die nicht wollen, dass sich etwas ändert, allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz. Da sind 100 Milliarden Euro, die für Desinformation ausgegeben werden, wenig Geld.

Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen? Wie gehen Sie bei der Recherche vor?

Zunächst ist da die Motivation, wie meistens bei meinen Büchern, etwas verstehen zu wollen. Ich nähere mich den Themen in der Regel offen, manchmal sogar ahnungslos. Ich habe zwei Jahre Zeit zu recherchieren und bin hinterher klüger als zuvor. Ich lese möglichst alle Quellen, die ich finden kann, rede mit Fachleuten und schaue mir die Schauplätze an.

Zentraler Konfliktstoff in Ihrem Buch ist ein Windrad, das auf dem Feldberg gebaut werden soll. Auch in Böblingen ist das Thema Windkraft umstritten – Gegner fürchten den Eingriff ins Naherholungsgebiet und dass ein ohnehin belastetes Gebiet noch stärker belastet wird.

Diese Auffassung kann man natürlich vertreten und es muss dann eine politische und gesellschaftliche Entscheidung getroffen werden. Das kann ich in diesem speziellen Fall nicht beurteilen. Aber ich möchte doch darauf hinweisen, dass eine moderne Gesellschaft Strom braucht und die Alternativen dann Kohlekraftwerke oder Atomkraftwerke sind – mit erheblich schwerwiegenderen Folgen als ein Windpark sie je haben könnte.

Was sind denn aus Ihrer Sicht Vorteile von Windenergie?

Das Gute an Windrädern ist: Man braucht dafür keine riesigen Energiekonzerne, sondern die Bürger können die Energiewende selbst in die Hand nehmen und Geld verdienen. Das kann man beim Kohlekraftwerk oder beim Atomkraftwerk nicht machen, bei dezentraler Energieversorgung schon.

Nach zwei Jahren Recherche zum Buch: Was sind Ihre zentralen Erkenntnisse?

Erstens, die Klimakatastrophe ist ernst und viel dramatischer, als ich es mir am Anfang vorgestellt habe. Daraus ergibt sich quasi zweitens, dass es Zeit ist zu handeln. Drittens, dass ich, auch gerade bei der neu gewählten Regierung, nicht sehe, dass sie den Ernst der Lage erkannt hat. Die gute Nachricht aber ist: Wir haben alle Instrumente, um das Chaos abzuwenden. Die technischen Voraussetzungen sind da – und dazu gehören auch Windräder.

Lesung und Podiumsdiskussion

Veranstalter
Die Pro-Windkraft-Initiative WindkraftBB und die Katholische Erwachsenenbildung Kreis Böblingen e.V. veranstalten die Lesung. Diese beginnt am Montag, 5. Mai, um 19 Uhr, im Arbeiterzentrum der Katholischen Betriebsseelsorge in Böblingen, Einlass ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, ein freiwilliger Teilnahmebeitrag ist erwünscht.

Wer diskutiert
Im Anschluss an die Lesung findet eine Podiumsdiskussion mit Wolfgang Schorlau, der baden-württembergischen Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), dem Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen Gebhard Gentner und Harald Grumser, Mitinitiator des AI xpress in Böblingen, statt.

Anmeldung
Wegen der begrenzten Räumlichkeiten wird um Anmeldung unter anmeldung@windkraftbb.de gebeten.

Weitere Themen