Krimilesung für Jugendliche in Stuttgart-Nord Zum Mord gerne ein Törtchen

Von Ina Schäfer 

Krimi-Kochkurse gibt Angela Eßer schon lange – jetzt auch für Jugendliche im Rahmen der Stuttgarter Kinderkrimiwochen. Gelesen wird aus „Miss Marple“ und „Sherlock Holmes“ – stilecht hat Eßer darum mit den Teilnehmerinnen Scones, Clotted Cream und Kekse zubereitet.

Angela Eßer (links) hilft beim Herstellen von original britischen Scones. Foto: Schäfer
Angela Eßer (links) hilft beim Herstellen von original britischen Scones. Foto: Schäfer

S-Nord - Bevor es losgehen kann, muss Angela Eßer noch einiges Chaos beseitigen. Den ganzen Vormittag hat sie mit kleinen Besuchern Pasta gekocht und Pizzateig geknetet. Der Duft von Tomatensoße liegt noch in der Luft, als die nächste Gruppe die große Küche im zweiten Untergeschoss der Hedwig-Dohm-Schule betritt. War am Morgen „Pizza, Pasta und Pistolen“ angesagt, steht die nächste Koch-Aktion für die Älteren von 13 bis 16 Jahren unter dem Motto „Mördchen Törtchen“.

Die Veranstaltungen sind Teil der Stuttgarter Kinderkrimiwochen, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfinden. Teil des Programms sind neben Lesungen bekannter Kinderkrimis, Mitmachaktionen wie Krimi-Rallyes, Detektivworkshops oder Film-Seminare. Etwas außergewöhnlicher im Programm: die Verbindung von Kochen, Backen und Kriminalgeschichten, wie sie am heutigen Samstag an der Hedwig-Dohm-Schule angeboten wird.

Beim Krimilesen Hunger bekommen

Für Angela Eßer hingegen ist diese Kombination ganz und gar nicht abwegig. Seit 17 Jahren veranstaltet sie – eigentlich für Erwachsene – Krimikochkurse. Der Grund dafür ist relativ einfach. „Ich lag oft abends im Bett und habe gelesen. Immer wurde in den Büchern gekocht und gegessen. Da habe ich richtig Hunger gekriegt“, sagt sie. Hinzukommt: „Ich esse einfach gerne.“ Also hat die Buchautorin ihre beiden Leidenschaften zusammengebracht, thematisch zueinanderpassende Gerichte und Geschichten verwoben und sich Leidensgenossen gesucht. Bei „Die Küchengeheimnisse der Paola Brunetti“ wird Italienisches gekocht (gemeint ist natürlich die Ehefrau des venezianischen Comissario Guido Brunetti aus den Büchern von Donna Leon), bei „Tatort Bayern – Tatort Küche“ kommt Deftiges auf den Tisch. Schweinebraten-Fans seien aber gewarnt: Angela Eßer ist Vegetarierin; deshalb wird bei ihren Kochkursen ausschließlich fleischlos genossen. „Das geht aber selbst in Bayern ganz gut“, sagt sie.

In der Hedwig-Dohm-Schule wird hingegen den Legenden der Kriminalroman-Geschichte gehuldigt: Miss Marple und Sherlock Holmes. Später an diesem Tag, wenn die Jugendlichen an der langen Tafel vor ihren Tellern sitzen, dürfen sie den Abenteuern der beiden lauschen. Doch zuvor geht es an die Arbeit. Stilecht dürfen die neun Teilnehmerinnen – Jungs haben sich keine angemeldet – sämtliche Komponenten zubereiten, die zu einer britischen Tea Time dazugehören: Scones, Kekse, Clotted Cream und Sandwiches. Zunächst werden einige Blätter mit Rezepten ausgeteilt, kurz danach herrscht reges Treiben in der großen Küche. In Dreiergruppen fangen die Jugendlichen an die Zutaten zusammenzuschütten; Angela Eßer geht von Gruppe zu Gruppe und schaut, wo sie helfen kann. Viele der Teilnehmerinnen brauchen gar keine Anleitung. „Ich koche und backe daheim sehr gerne. Zu Weihnachten habe ich Pralinen gebacken“, sagt die zwölfjährige Sabrina, die einige Mitschülerinnen mobilisiert hat, an dem Kurs teilzunehmen.

Kein Nutella, sondern selbst gemachte Schoko-Nuss-Creme

Als Erstes wird der Grundteig für die Scones zusammengerührt, geknetet und ausgestochen. Anschließend werden die Portionen in den Ofen geschoben. „Es ist schön, die Kurse mit Kindern und Jugendlichen zu machen“, sagt Angela Eßer. Vor allem eines ist ihr an diesem Tag wichtig: „Ich möchte nicht, dass in meinem Essen Geschmacksverstärker sind.“ Zur Demonstration liest sie vor, welche Zutaten ein Fertig-Pizzateig beinhaltet. Dabei sei ein Teig so einfach selbst herzustellen. Und deshalb wird später in die Schokoladen-Scones auch kein Nutella gefüllt, sondern eine selbst gemachte Schoko-Nuss-Creme.

Auf den Teig für die Glückskekse werden Teigstempel mit dem Aufdruck „Eine Leiche zum Dessert“ gedrückt. „Wo ist denn jetzt der Leichen-Stempel?“, hallt es durch den Raum – dieser Kochkurs ist doch ein wenig anders als andere.

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