Kriminalistik Hartnäckige Kriminalisten

Von Steve Przybilla 

Spezialeinheiten

Um alte Fälle neu aufzurollen, haben mehrere Bundesländer sogenannte Cold-Case-Units (Einheiten für „kalte Fälle“) gegründet, die sich mit nichts anderem befassen. In Hamburg und Kiel sind solche Ermittlungsgruppen bereits aktiv; in Nordrhein-Westfalen baut das Landeskriminalamt gerade eine Cold-Case-Datenbank auf. Das alles geschieht vor dem Hintergrund der NSU-Morde, die jahrelang nicht als rechtsterroristische Taten erkannt worden waren.

Neue Technik

Kamen früher Landkarten mit Stecknadeln zum Einsatz, um Tatorte zu markieren, setzt die Polizei heute auf geografische Informationssysteme (GIS), eine Art Google Maps für Fahnder. Auch sonst hat die Akte aus Papier größtenteils ausgedient: Europaweit existieren unzählige Datenbanken, in denen vom Fingerabdruck von Verdächtigen über Fluggast-Daten bis zum Visum-Status von Einreisenden so ziemlich alles gespeichert ist.

Gesetzeslage

Mit der Vorratsdatenspeicherung ist ein weiteres Instrument hinzugekommen. Welche Behörde im Einzelfall auf welche Datenbank zugreifen darf, unterscheidet sich von Land zu Land.

Forensische DNA-Analyse

Mehrere Gesetzesinitiativen versuchen derzeit, den Paragrafen 81 der Strafprozessordnung so zu ändern, dass die DNA-Analyse ausgeweitet wird. So dürften künftig auch Augen-, Haut- und Haarfarbe sowie die „biogeografische Herkunft“ aus dem Material ausgelesen werden. Herausgekommen könnte am Ende ein Phantombild aus dem Labor.

Kritik

Ein Ansatz, der von Wissenschaftlern jedoch kritisch gesehen wird. Im Fachmagazin „Nature“ (Ausgabe 545) weist eine fächerübergreifende Initiative auf die Risiken der Methode hin. Besonders das Konzept der „biogeografischen Herkunft“ sei für heterogene, von Migration geprägte Gesellschaften untauglich.