In ihrem Statistikbericht widmet die Polizei dem „Phänomen Messerangriffe“ eine eigene Rubrik. Foto: picture-alliance/dpa
Die Polizei veröffentlicht die Kriminalstatistik für das Jahr 2025. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fallzahlen deutlich zurückgegangen. Manche Entwicklung macht aber Sorgen.
In der Nacht auf den 7. Dezember 2025 erlebt ein 18-Jähriger beim Böblinger Burger King eine erschütternde Begegnung: Vier Unbekannte greifen ihn an. Sie schlagen und treten ihn, dann bedrohen sie ihn mit einem Messer – bis er ihnen sein Handy und seinen Geldbeutel aushändigt. Gut zwei Monate später findet sich dieser albtraumhafte Vorfall nun als nüchtern-anonyme Fallzahl in der Polizeilichen Kriminalstatistik wieder, die das für den Kreis Böblingen zuständige Polizeipräsidium Ludwigsburg jetzt in seinem „Sicherheitsbericht“ für das Jahr 2025 veröffentlicht hat.
Laut dem Zahlenwerk verzeichnet die Polizei im Kreis Böblingen insgesamt betrachtet einen deutlichen Rückgang bei der Kriminalität. Dennoch gibt es besorgniserregende Entwicklungen – darunter bei Schulgewalt und eben auch Messerangriffen.
Konkret sanken die Straftaten um 15,3 Prozent. Das sind 2715 Fälle weniger als im Vorjahr. Damit steht der Kreis Böblingen sogar erheblich besser da als das gesamte Land Baden-Württemberg. Hier lag der Rückgang bei 6,1 Prozent. Allerdings hatte es 2024 auch einen starken Anstieg bei den Fallzahlen gegeben.
Die Kriminalitätsbelastung ist gesunken, die Aufklärungsquote aber auch
Deutlich rückläufig sind die Zahlen auch bei der Kriminalitätsbelastung. Diese wird gemessen über die Häufigkeitszahl, also die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner. Hier verzeichnet der Kreis einen Rückgang von 14 Prozent. Allerdings ging parallel dazu auch die Aufklärungsquote um 5,1 Prozentpunkte zurück auf 62,6 Prozent.
Beträchtlich reduziert haben sich laut Statistik die Rohheitsdelikte, also Fälle, bei denen Gewalt oder Bedrohung im Spiel sind. Insgesamt verzeichnen die Ermittler hier im Kreis Böblingen einen Rückgang um 591 Fälle (15,2 Prozent) – bei Fällen von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung verringerte sich die Zahl sogar um 31,5 Prozent (von 479 auf 328 Fälle im Vorjahr).
Unter „Straftaten gegen das Leben“ versteht die Polizei nicht nur Taten, bei denen Menschen zu Tode kommen, sondern auch solche, bei denen es beim Versuch bleibt. Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg gab es 35 solcher Straftaten, davon zehn Morde, 22 Tötungsdelikte und drei fahrlässige Tötungen. 27 Fälle blieben gewissermaßen im Versuchsstadium. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 29,6 Prozent (acht Fälle mehr).
Auf den Kreis Böblingen entfallen davon zehn Fälle (einer weniger als 2024), wobei die Pressestelle des Präsidiums keine Angaben dazu machen konnte, wie viele Menschen hier im Kreis tatsächlich gewaltsam ums Leben kamen. Die Aufklärungsquote liegt laut Polizeipräsidium übrigens bei 94,3 Prozent.
Geringfügig reduziert haben sich die Fälle von Sachbeschädigungen (Minus 1,4 Prozent), deutlich gesunken sind Straftaten im öffentlichen Raum (Minus 14,2 Prozent. Deutlich zurückgegangen sind auch Partnerschaftsgewalt (17,1 Prozent) sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (ein Rückgang um 24,9 Prozent) und im öffentlichen Raum begangene Sexualstraftaten (Minus 27,7 Prozent).
Wie schon im Vorjahr schlägt sich das Konsumcannabisgesetz (KCanG) auch im Kreis Böblingen in der Rauschgiftkriminalität im Kreis Böblingen sehr deutlich nieder. Hier meldet die Statistik insgesamt einen Rückgang um 44,1 Prozent (255 Fälle weniger), bei Besitz- oder Erwerbstaten reduzierten sich die Fälle um 58,2 Prozent, bei Handels- und Schmuggeldelikten sind die Zahlen sogar um 67 Prozent gesunken. Im Kreis Böblingen gab es 2025 einen Drogentoten, im Kreis Ludwigsburg waren es 15.
Das Konsumcannabisgesetz wirkt sich deutlich auf die Fallzahlen bei der Rauschgiftkriminalität aus. Foto: dpa
Weniger geworden sind auch Angriffe auf Einsatzkräfte von Polizei (Minus 17,1) oder Rettungsdiensten (Minus 19). Trotzdem liege man in Sachen Gewalt gegen Polizisten präsidiumsweit noch immer auf dem zweithöchsten Wert seit 2016. Der Kreis Böblingen macht dabei von 286 von insgesamt 411 Fällen den unrühmlichen Hauptanteil aus.
Trotz des allgemeinen Rückgangs bereiten zwei spezifische Bereiche der Polizei insbesondere im Kreis Böblingen Sorgen. Zum einen geht es dabei um Schulgewalt. In diese Kategorie fällt alles von Erpressung und Sachbeschädigung bis hin zu sexuellen Übergriffen oder Gewalttaten. Im Kreis Böblingen sind die Fallzahlen hier von 98 auf 112 und damit um 14,3 Prozent angestiegen – wohingegen der Kreis Ludwigsburg in diesem Bereich sogar einen Rückgang um 17,6 Prozent verzeichnet.
Landesweit gehen Messerdelikte eher zurück – in Böblingen nehmen sie zu
Noch gravierender ist aber der Anstieg beim „Phänomen Messerangriffe“, dem die Polizei in ihrem Bericht eine eigene Rubrik widmet. Diese nahmen um fünf Fälle auf insgesamt 72 Fälle zu – ein Anstieg um 7,5 Prozent. Auch ist der Trend im Kreis Böblingen gegenläufig zum Kreis Ludwigsburg. Dort hat sich die Fallzahl analog zum Landestrend um rund acht Prozent reduziert.
Knapp die Hälfte solcher Messerangriffe (44,7 Prozent) geschehen laut Polizei im öffentlichen Raum. In einem Großteil der Fälle (54,4 Prozent) wird ein Messer als Drohmittel verwendet, bei fast jedem dritten Fall (29,3 Prozent) kommt es aber auch zu gefährlicher oder schwerer Körperverletzung.
Knapp 60 Prozent der Tatverdächtigen, die zum Messer greifen, haben laut Polizeistatistik nicht die deutsche Staatsangehörigkeit – darunter sind etwa 42 Prozent Geflüchtete oder Asylbewerber. Unter den nichtdeutschen Nationalitäten bei Messerangriffen im gesamten Geltungsbereich des Präsidiums rangieren Tatverdächtige aus Syrien (17) an der Spitze, gefolgt von afghanischen (14), türkischen (zwölf) und ukrainischen (neun) Staatsangehörigen.
Positive Wirkung zeigt womöglich die Informations- und Präventionsarbeit der Polizei in Sachen Enkeltrickbetrug und anderer Arten von Internetkriminalität. In dieser Kategorie verzeichnet der Kreis Böblingen einen Rückgang um 35,4 Prozent (168 Fälle weniger als 2024).
Nationalitäten in der Statistik
Herkunft Bei den für 2025 im gesamten Geltungsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg erfassten Tatverdächtigen (mit Ausnahme von Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht) führen türkische Staatsangehörige (471 Fälle) die Statistik an, gefolgt von Rumänen (332), Ukrainern (276), Syrern (227) und Italienern (219) .
Status Bei Asylbewerbern und Geflüchteten rangieren ukrainische Staatsangehörige (135) an erster Stelle, gefolgt von Syrern (95), Afghanen (43), Türken (39) und Georgiern (30).