Kriminalität im Kreis Ludwigsburg Lieferung an den Arbeitsplatz

Von Susanne Mathes 

Besonders verwerflich war in den Augen der Staatsanwältin, dass sich der Mann auch Waffen an den Arbeitsplatz hatte liefern lassen – so war die Sache auch aufgeflogen. Auch dass der Angeklagte trotz mehrfacher Verschärfung der Waffengesetze seine Sammlung nicht abgegeben hatte – „es gab doch mehrere Amnestien“, scholt ihn die Staatsanwältin – , und dass er in seinem Wohnhaus für keine adäquate Sicherung gesorgt hatte, konnte das Gericht nicht nachvollziehen. Der 58-jäh­rige Feuerwehrmann hatte angegeben, er sei davon ausgegangen, viele seiner Waffen hätten Bestandsschutz, weil er sie noch zu einem Zeitpunkt erworben habe, als der Kauf erlaubt gewesen sei.

„Dass ihn die Rechtsproblematik nicht interessiert hat“, meinte der Anwalt des Mannes, „das ist ihm vorzuwerfen. Aber der Fall hat viele objektive und subjektive Besonderheiten.“ Deswegen müsse man eine „angemessen niedrige Strafe“ verhängen, zumal der Angeklagte ansonsten völlig unbescholten sei und den Erlös aus dem Verkauf seiner rechtmäßig besessenen Waffen bereits auf ein Sonderkonto für einen sozialen Zweck einbezahlt habe.

Der Sammler fürchtet um seine Existenz

„Sie haben sich schlichtweg um nichts gekümmert“: So sah es der Richter. Es gebe Gesetze und Vorschriften, wie Waffen unbrauchbar zu machen seien. Nachlässigkeit beim Sammeln gefährlicher Waffen sei nichts, was jemanden bei einer Strafzumessung entlasten könne. „Ein Keller voller funktionsfähiger Waffen, in den jeder Unbefugte hätte eindringen und zugreifen können, bedeutet eine erhebliche Gefahr“, so der Richter. Wären die Waffen entsprechend gesichert und verwahrt gewesen, „hätten wir sicher eine Lösung gefunden, die für Sie weniger hart gewesen wäre.“

Der Angeklagte, der seinen Beruf liebt und nun um seine Existenz fürchtet, war bei seinem Schlusswort in Tränen ausgebrochen. „Es tut mir sehr leid, dass ich hier stehen muss. Ich würde viel darum geben, es ungeschehen zu machen“, sagte er. Die Sache sei familiär und finanziell desaströs: „Man leidet sehr.“ Wäre es nach der Staatsanwältin gegangen, wäre die Strafe um einiges härter ausgefallen: Sie hatte Freiheitsentzug von zwei Jahren, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und 15 000 Euro Geldstrafe gefordert. Nun wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt und muss 5000 Euro bezahlen. Die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.