Diebstahl – manchmal bleibt nur ein Rad stehen. Foto: Martin Gerten/dpa
Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Fahrraddiebstähle im Rems-Murr-Kreis um 30 Prozent zugenommen. Wer ein paar Dinge beachtet, senkt die Erfolgschancen von Dieben deutlich.
Ein kurzer Einkauf, eine kleine Unaufmerksamkeit, schon kann es geschehen sein: Das Fahrrad ist weg. Im vergangenen Jahr ist dies im Rems-Murr-Kreis deutlich häufiger geschehen als in den Jahren davor. Laut dem Polizeipräsidium Aalen gab es in der Gegend zwischen Fellbach, Waiblingen, Backnang und Schorndorf mit 597 Fällen eine Zunahme von fast 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2022. Dabei braucht es gar nicht so viele Vorkehrungen, um Fahrraddieben das Leben schwer zu machen. Unsere Übersicht zeigt einige Tipps, mit denen man einen Fahrraddiebstahl verhindern beziehungsweise erschweren kann.
Das beste Fahrradschloss kostet einen Dieb Zeit So viel vorweg: Ein unknackbares Schloss gibt es nicht. Mit dem richtigen Werkzeug und entsprechendem Aufwand kann jedes Schloss irgendwie zerstört werden. Aber je schwieriger dies ist, desto mehr Zeit kostet es einen Dieb – Zeit, in der er riskiert, entdeckt zu werden. Auch die Erfahrungen der Polizei beim Schutz vor Wohnungseinbrüchen zeigen: Werden Aufwand und Risiko zu groß, suchen sich Täter eine leichtere Beute.
Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) sind Bügelschlösser die leistungsfähigsten, die der Markt hergibt. Ein gewaltsames Aufbrechen ist zumindest auf offener Straße kaum möglich, das Knacken des Schließmechanismus’ wird jedoch eher von hochpreisigen Modellen verhindert. Diese können durchaus mehrere hundert Euro kosten – aber immer noch weniger als ein Traumfahrrad. Noch ein Nachteil: Bügelschlösser sind groß, schwer und unhandlich. Die Stiftung Warentest hat jüngst Fahrradschlösser getestet, das „Litelok X1“ für 169 Euro ging dabei als Testsieger hervor.
Es gibt gute Alternativen zum schweren Bügelschloss Panzer- oder Kettenschlösser wiegen zwar auch einiges, kommen laut der Experten beim Diebstahlschutz dank ihrer dicken Ketten aber fast an die Bügelschlösser heran. Gleichzeitig sind sie flexibler in der Anwendung und beim Transport. Sie eignen sich auch, um ein Fahrrad an einen Laternenpfosten oder einem Baum zu befestigen.
Laut der Stiftung Warentest ist beispielsweise das „Kryptonite Keeper 785“ für knapp 40 Euro empfehlenswert. Eine weitere gute Alternative sind laut der Stiftung Warentest zudem Faltschlösser wie das Kryptonite Keeper 510, das rund 50 Euro kostet. Der ADFC empfiehlt sogar, zwei verschiedene Schlossarten miteinander zu kombinieren, um die Schutzwirkung zu erhöhen.
Manche Modelle sind eher nicht zu empfehlen Zahlenschlösser sind recht weit verbreitet – immerhin gibt es dank des Zahlencodes keinen Schlüssel, der verloren gehen oder gestohlen werden kann. Allerdings findet sich unter den von der Stiftung Warentest empfohlenen Modellen kein einziges Zahlenschloss. Der Grund ist laut dem Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) offenbar weniger die Anfälligkeit dieser Schlösser durch Ausprobieren eines Zahlencodes, sondern eine mechanische Schwachstelle, die ein gewaltsames Aufbrechen gegenüber Modellen mit Schlüssel erleichtert.
Ein gutes Schloss schreckt Diebe ab. Foto: dpa/Andreas Gebert
Kabelschlösser, etwa die verbreiteten Modelle mit spiralförmigem Kabel, bieten gegen Werkzeug dagegen nur wenig Schutz. Laut dem Portal fahrrad.de können sie oft sogar schon mit einer Zange geknackt werden. „Auch Speichenschlösser bieten keinen ausreichenden Schutz. Sie sollten Ihr Rad nur dann damit sichern, wenn Sie das abgestellte Fahrrad noch im Blick haben, zum Beispiel wenn Sie kurz zum Bäcker gehen“, heißt es in einem Infoblatt der Polizei.
Auch im Bereich von Fahrradschlössern gibt es allerdings Innovationen: So existieren Alarmanlagen für Fahrräder oder sogar Schlösser, die ein übelriechendes Gas freisetzen, wenn sich jemand daran zu schaffen macht. Ob dies wirklich etwas bringt oder eher zu ungewollten unangenehmen Zwischenfällen führt, ist nicht bekannt.
Richtiges Verhalten kann einen Fahrraddiebstahl verhindern Das beste Schloss hilf nichts, wenn es nicht richtig eingesetzt wird: Fahrräder sollte man immer irgendwo anschließen, man sollte also das Rad nicht nur blockieren. Dabei sollten im besten Fall Rahmen und beide Räder mit angeschlossen sein. Immer wieder zeugen verlassene angeschlossene Räder davon, wie einfach es dank der Schnellspanner ist, ein Vorderrad abzumontieren. Achtung: Auch bügelartige Fahrradständer können mit Rohrschneidern durchtrennt werden.
Belebte, helle Orte sind ein guter Abstellplatz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wer sein Rad liebt, schließt es zudem möglichst an einem belebten, gut einsehbaren Ort an. Einsame, dunkle Straßen bieten Fahrraddieben nämlich einen besonderen Schutz. Videoüberwachte Bereiche oder geschlossene Räume eignen sich ebenfalls sehr gut zum – natürlich angeschlossenen – Abstellen eines Fahrrads.
Wer vorbeugt, kann sein Rad leichter wieder finden Fahrradbesitzer tun gut daran, ihr Rad von allen Seiten zu fotografieren und einen Kaufbeleg aufzubewahren. Auf diese Weise kann im Fall der Fälle ein Eigentum nachgewiesen werden. Auch die Rahmennummer sollte man unbedingt notieren oder abfotografieren. Diese ist meist unterhalb des Tretlagers eingestanzt, bei Carbonrahmen auch aufgeklebt oder lackiert. „Nach einem Diebstahl sollte ohne Zeitverzug eine Meldung an die Polizei erfolgen. Nur so kann eine zeitnahe Aufnahme der Rahmennummer in das Sachfahndungssystem der Polizei erfolgen und das Fahrrad auch dem Eigentümer zugeordnet werden“, erklärt Sascha Gold, einer der Beamten, die beim Polizeipräsidium in Aalen für die Prävention zuständig sind.
Auch GPS-Tracker kann man am Fahrrad verstecken, diese sind allerdings auf Batterien angewiesen. Besonders gewieft sind auch Fahrradklingeln, in denen sich smarte Schlüsselfinder verstecken lassen. Diese können – unter gewissen Umständen – Hinweise auf den Standort eines gestohlenen Rades liefern und der Polizei somit helfen, es wieder zu finden.
Die Polizei ist mit Infoständen imRems-Murr-Kreis präsent Die Diebe, so der Eindruck der Fachleute, werden immer dreister und professioneller. Schließlich handelt es sich um immer teurere Diebesware angesichts der Preise im deutlich vierstelligen Bereich nicht nur bei E-Bikes. Die Polizei selbst hat deshalb in den vergangenen Wochen intensiv in verschiedenen Städten und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises Info-Stände eingerichtet gehabt – und viele Menschen ganz direkt und aus erster Hand mit Informationen rund um das Thema Fahrraddiebstahl versorgt. Das Interesse ist groß gewesen.
Beratungen mit weiteren Tipps zum besten Diebstahlschutz bieten speziell geschulte Beamte nochmals am nächsten Donnerstag, 15. August von 8.30 Uhr bis 12 Uhr am Bahnhof in Winnenden.