Kriminalität in Stuttgart-Birkach Mit dieser Reaktion hat der Betrüger nicht gerechnet

Von Götz Schultheiss 

„Dann behalten Sie doch Ihr Geld!“ Das sagten dreiste Betrüger am Telefon, die versucht hatten, Bewohner aus Stuttgart-Birkach übers Ohr zu hauen. Doch dann wurden sie selbst ziemlich überrascht.

Immer wieder sind falsche Polizisten mit ihrer Betrugsmasche am Telefon erfolgreich.  Auch in Stuttgart waren sie jüngst wieder auf Beutezug. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Immer wieder sind falsche Polizisten mit ihrer Betrugsmasche am Telefon erfolgreich. Auch in Stuttgart waren sie jüngst wieder auf Beutezug. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Birkach - Vampire vertreibt man mit Knoblauch, und Betrüger mögen offenbar nicht, wenn man sie auslacht. Am vergangenen Freitag hat ein falscher Polizist eine 82-Jährige ausnehmen wollen, die an der Birkacher Birkheckenstraße wohnt. Er reagierte indigniert, als die Seniorin bei seiner Betrugsmasche in schallendes Gelächter ausgebrochen ist.

Gegen 13 Uhr, erzählt Margarete Harsch, habe ihr Telefon geläutet. „Ich weiß, dass die Polizei nicht anruft, deshalb habe ich ihn reden lassen“, sagt sie. Der Mann habe ihr erzählt, dass im Haus 59 eingebrochen worden sei. Zwei der Täter seien festgenommen worden, und die Polizei habe Zettel sichergestellt, auf denen ihr Name stehe. Sie habe dann einen Lachanfall bekommen und gefragt: „Glauben Sie, dass ich Ihnen das glaube?“ Der falsche Polizist habe nicht mehr viel gesagt. „Ich weiß nicht, wer zuerst aufgelegt hat, er oder ich.“ Nach dem missglückten Betrug habe sie den Vorfall der Polizei gemeldet.

Der Gauner stellt sich als Beamter des Kriminaldauerdienstes vor

Insgesamt, so stellte sich heraus, haben an diesem Tag vier Anwohner an der Birkheckenstraße Anrufe von falschen Polizisten bekommen, darunter Siegfried Clemens. Auch bei ihm, dem fast 80-Jährigen ehemaligen Polizeireporter, bissen die Ganoven auf Granit. „Der Anrufer hat sich mit hanseatischem Akzent als Thomas Steinbach vom Kriminaldauerdienst vorgestellt. In der Nachbarschaft habe es einen Einbruch gegeben, und bei einem Tatverdächtigen habe man eine Liste mit seinem Namen und dem Hinweis, bei ihm seien 300 000 Euro zu holen, gefunden. „Ich habe gelacht und gesagt, dass ich dieses Geld gerne hätte“, sagt Clemens. Er haben den Anrufer gefragt, unter welcher Nummer er zurückrufen könne. Erst nach mehrmaligem Nachfragen habe ihm dieser die Nummer 110 und die Durchwahlen 2201/2202 gegeben. „Ich wusste, dass das nicht stimmen kann“, sagt Clemens. Als der Anrufer gemerkt habe, dass seine Masche nicht verfing, habe er vor dem Auflegen verärgert gesagt: „Dann behalten Sie doch Ihr Geld.“ Siegfried Clemens Telefondisplay habe eine anonyme Nummer gezeigt und nicht die 110, welche die Könner unter den Gaunern auf dem Display erscheinen lassen, unter der die echte Polizei aber niemals anruft.

An vier Tagen haben Betrüger 100 000 Euro erbeutet

Obwohl sich die Anrufe bei Margarete Harsch und Siegfried Clemens nicht ausgezahlt haben, lohnt sich der Polizistentrick. „Vom 6. Januar an bis Ende vergangener Woche hat es in Stuttgart und der Region gehäuft Anrufe falscher Polizisten gegeben“, sagt Monika Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Stuttgart. Zwischen Dienstag und Freitag vergangener Woche hätten die Betrüger von vier ihrer Opfer insgesamt 100 000 Euro erbeutet. Die Polizei ermittle. Die Anrufe kämen meist von Callcentern aus der Türkei: „Die Täter sprechen akzentfrei Deutsch, manchmal auch Dialekte wie Bayerisch oder Kölsch. Nur Schwäbisch war bis jetzt nicht dabei.“

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