Der schussgewaltige Konflikt zwischen zwei Security-Firmen unter anderem in Tamm (links) und der Raserunfall in Ludwigsburg beschäftigten die Polizei 2025 sehr. Foto: Andreas Essig/ Simon Granville
Im Kreis Ludwigsburg gab es fast in allen Bereichen 2025 weniger Delikte als im Jahr davor. Aber nicht nur die gestiegenen Kapitalverbrechen trüben die Kriminalstatistik.
Weniger Straftaten wurden in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen 2025 im Vergleich zum Vorjahr begangen. Das geht aus den Zahlen der jüngst veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Zuständig für die beiden Landkreise ist das Polizeipräsidium Ludwigsburg. In Jubelstürme brechen die Ordnungshüter deshalb aber nicht aus.
„Es gibt keinen Grund Entwarnung zu geben“, sagt Silke Kübler. Die Polizeivizepräsidentin hat derzeit die Leitung der 1800 Mitarbeiter im Präsidium inne. Präsident Thomas Wild ist ans Innenministerium abgeordnet. Kübler gießt deshalb Wasser in den Wein, weil der Rückgang um 6000 Straftaten auf immer noch mehr als 36.400 Delikte nur im Vergleich zu 2024 gravierend ausfällt.
„Da hatten wir einen Peak“, analysiert die oberste Polizistin offen. In der Tat waren die 42.500 Taten 2024 im Zehn-Jahresvergleich ein negativer Höchstwert. Davon abgesehen bewegt man sich mit den Werten aktuell eher im Bereich der Vorjahre. Welche Schlüsse lassen sich aus der Statistik ziehen?
„Messer sind präsent.“
Silke Kübler, stellvertetende Präsidiumsleiterin
Silke Kübler stieg vor fünf Jahren zur Leiterin der Kripo auf. 2025 wurde sie Vizepräsidentin des Präsidiums in Ludwigsburg. Foto: Polizeipräsidium Ludwigsburg
Ins Auge springt ein Anstieg bei den Kapitalverbrechen. 35 Straftaten gegen das Leben gab es, 25 davon im Kreis Ludwigsburg. Auch wenn die meisten davon im Versuchsstadium blieben, ist das ein absoluter Höchstwert in den vergangenen Jahren. Rechnet man fahrlässige Tötungen nicht hinzu, haben vier Menschen durch Mord und Totschlag ihr Leben 2025 verloren.
Acht Festnahmen durch Soko „Frost“
Woran der Höchstwert liegt, kann auch Achim Böskens, der Leiter der Kriminalpolizei, nicht so genau sagen. Am meisten beschäftigt die Kripo immer noch die Geschichte um den in eine Art Bandenkrieg mit Schusswaffen ausgearteten Konflikt von Security-Firmen im Kreis Ludwigsburg. Acht Festnahmen hat die Soko „Frost“ bislang erreicht.
Generell zeigt die Entwicklung bei Rohheitsdelikten, also zum Beispiel den Körperverletzungen, eine steigende Tendenz. Auch hier sind die Zahlen im Vergleich zu 2024 zwar zurückgegangen, der Zehn-Jahrestrend zeigt aber eine steigende Kurve. Häusliche Gewalt bleibt ein großes Thema, viele Fälle kommen erst gar nicht bis zur Polizei. Von den 1463 Opfern in dem Bereich Partnerschaftsgewalt sind 78 Prozent weiblich.
Messerattacken fordern zwei Tote
Auch die Messerkriminalität spielt weiter eine große Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung: 215 Mal wurde 2025 das Messer bei Taten gezückt oder damit gedroht – sieben Fälle weniger als 2024. Dennoch sagt Kübler: „Messer sind präsent“. Annähernd die Hälfte der Taten geschah in der Öffentlichkeit. 263 Menschen wurden Opfer eines Messerangriffs, zwei davon starben. Etwa die Hälfte der Opfer kannten den Täter.
Messerattacken richten sich immer wieder auch gegen Einsatzkräfte der Polizei. Neue Uniformen sollen besseren Schutz bieten. Auch wenn dieses Jahr generell ein Minus von 22 Prozent verzeichnet, ist es Kübler ein Anliegen auf generelle die Lage hinzuweisen. Sie berichtet von einem Fall, in dem ein Kollege und ein Diensthund von einem Mann mit abgebrochener Flasche schwer verletzt wurden.
Weniger Diebstähle im Kreis Ludwigsburg
Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sank 2025 um fast 30 Prozent, aber auch hier zeigt der Zehn-Jahresvergleich fast eine Verdoppelung der Delikte gegenüber 2016. Tatsächlich auch im Langzeitvergleich erfreulich ist der Rückgang bei Diebstahlsdelikten. 13,7 Prozent weniger Fälle wurden registriert, im Kreis Ludwigsburg waren es etwa 5400 Taten (2016 waren es noch 7800).
Aufsehenerregend war 2025 der Raserunfall in Ludwigsburg, bei dem zwei Menschen getötet wurden. Von einer Raserszene im Landkreis will Erwin Grosser, Leiter der Schutzpolizei, aber nicht sprechen. Den Leitenden Polizeidirektor treibt auch die steigende Zahl der in Unfälle verwickelten Kinder sowie die generellen Probleme mit Handy am Steuer und fehlender Kindersicherung im Auto um. Gleiches gilt für Unfälle auf Rollern und E-Bikes. Ein Helm würde manches Leben dort retten, ist er sich sicher.
Ist der Kreis also trotz des Anstiegs bei Mord und Totschlag sicher? Ja, sagt Silke Kübler und verweist auf die Häufigkeitszahl. Hochgerechnet auf 100.000 Einwohner kommt es im Kreis Ludwigsburg mit 4000 Taten zu weniger Kriminalität als im Landesdurchschnitt (4900). Gleichzeitig bereitet die hohe Gewaltbereitschaft auch bei jugendlichen Tätern (30 Prozent der Taten sind Rohheitsdelikte) Anlass zur Sorge.
Auch, dass die Polizei weniger erfolgreich war im Aufklären der Fälle, trübt die Stimmung. Weniger als 60 Prozent aller Taten können aufgeklärt werden, der schlechteste Wert im Zehn-Jahresvergleich. Eine Erklärung haben auch Kübler und Co. dafür nicht parat.