Kriminalität „Unglaublich dreist“ – Esslinger warnt vor Betrug bei Autoverkauf

Wer sein Auto verkaufen möchte, sollte vor der Übergabe auf einen Kaufvertrag und Barzahlung bestehen, rät die Polizei. Foto: dpa

Ein Mann aus Esslingen wollte sein Auto verkaufen und ist dabei auf Betrüger hereingefallen. Deren Masche ist verblüffend einfach.

Reporter: Petra Pauli (pep)

Zweifel, dass mit den Käufern etwas nicht stimmen könnte, kamen einem Autobesitzer aus Esslingen erst, als die drei Männer mit seinem Wagen schon verschwunden waren. Seit Monaten wartet der 74-Jährige vergeblich auf sein Geld. Der Toyota, den er auf der Plattform Kleinanzeigen zum Preis von 10 500 Euro anbot, steht unterdessen bei einem Gebrauchtwarenhändler im Remstal. Der will den Wagen partout nicht herausrücken. Der Esslinger ist überzeugt, dass es noch mehr Opfer in der Region gibt, die auf eine solche Masche hereingefallen sind. „Das ist natürlich peinlich und niemand wird das an die große Glocke hängen“, vermutet er. Umso wichtiger ist es ihm, seine Geschichte zu erzählen – und so andere zu warnen.

 

Was war passiert? Auf sein Angebot meldete sich telefonisch ein junger Mann. Der erzählte, dass sein Auto kaputt ist und er möglichst schnell ein neues Fahrzeug braucht. Die Interessenten kamen schließlich zu dritt zu dem Verkäufer nach Oberesslingen. Sie waren betont freundlich, verwickelten ihn in Gespräche und trugen sogar die nicht benötigten Reifen in den Keller. Einer von ihnen hatte ein Diagnosegerät dabei, um den Gebrauchtwagen zu prüfen. „Sie hatten wirklich schauspielerisches Talent und die Dreistigkeit war unglaublich“, sagt der Esslinger rückblickend.

„Ich wollte in dieser Notlage helfen“ – Betrüger täuscht Familienvater vor

Der Wortführer schwärmte beispielsweise davon, wie er das Auto lila umlackieren und nochmals vorbeikommen würde, berichtet der 74-Jährige. Der junge Mann redete auch von seinem Kind, dessen Namen er als Tattoo trug, und davon, wie dringend er als Familienvater auf ein Auto angewiesen sei. Den Wagen würde er deshalb gleich mitnehmen. „Ich wollte in dieser Notlage helfen“, sagt der Esslinger. Der Käufer bot ihm 500 Euro mehr, damit er ein Taxi nimmt, solange sein neues Auto noch nicht da ist.

Nur auf Vertrauen und Handschlag sollte man sich beim Autoverkauf nicht verlassen. Foto: imago/Shotshop

Auch beim Bezahlen blieb der Senior arglos. Eine Überweisung lehnte er zwar ab, da er befürchtete, der Käufer könnte sich den Betrag später zurückholen. „Ich bin doch kein Betrüger!“, empörte sich der junge Mann daraufhin, der, wie sich später herausstellte, unter falschem Namen auftrat. Da er aber so viel Bargeld nicht dabei hatte und eine solche Summe am Geldautomaten nicht zu bekommen wäre, einigten sie sich auf eine Online-Echtzeitüberweisung. Als das Geld auch nach ein paar Minuten noch nicht auf dem Konto war, hatte der Betrüger eine Erklärung parat, die dem Esslinger damals plausibel erschien: Am Wochenende dauere so etwas immer etwas länger. Dass 22 Uhr als Echtzeit angezeigt wurde, obwohl es tatsächlich eine halbe Stunde früher war, erklärte er mit dem benötigten Vorlauf der Bank. Dann verabschiedeten sich die Käufer überschwänglich.

Kein Geld und kein Auto

Damit war das Auto weg, aber das Geld ging nicht ein. „Da habe ich einen riesigen Schreck bekommen“, erinnert sich der 74-Jährige an den Moment, als ihm an diesem Abend klar wurde, dass er übers Ohr gehauen worden war. „Ich habe sofort die Polizei gerufen“, sagt der Esslinger. Eigentlich sollte er aufs Revier kommen, um Anzeige zu erstatten. Doch dann fiel ihm ein, dass er ja gar kein Auto mehr besitzt. Die Beamten kamen deshalb zu ihm nach Hause. „Ich will die Polizei ausdrücklich loben. Sie waren sofort da“, sagt der 74-Jährige.

Die schnelle Reaktion sollte sich als Glücksfall erweisen. Als sich am nächsten Morgen ein Autohändler bei der Polizei im Rems-Murr-Kreis meldete und angab, einen verdächtigen Kaufvertrag vorliegen zu haben, stellte sich heraus, dass es hier um seinen Toyota ging. Einer der Betrüger wollte den Wagen angeblich im Auftrag des Esslingers an den Händler verkaufen – für 3000 Euro. Geflossen waren bis dahin 700 Euro Anzahlung.

Polizei schnappt Betrüger

Der Esslinger bezweifelt allerdings, dass der Händler wirklich so ahnungslos war, wie er jetzt tut. Das Auto sei sehr weit unter Wert angeboten worden und die Verkäufer konnten zudem keine Vollmacht des Besitzers vorlegen. Der 74-Jährige versucht nun, sein Auto auf zivilrechtlichem Weg wiederzubekommen. Demnächst steht ein Gütetermin an. Gibt es keine Einigung, kommt es zur Hauptverhandlung.

Die Polizei hat unterdessen auch die Betrüger dingfest gemacht. Inwieweit seine Anzeige dazu beigetragen hat, vermag der Esslinger nicht genau zu sagen. Er konnte der Polizei jedenfalls eine Handynummer liefern und den mutmaßlichen Haupttäter auf einem Foto identifizieren. Der dürfte noch mehr auf dem Kerbholz haben, denn die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen schweren Betrugs gegen ihn. Einem der Komplizen wird Beihilfe zum Betrug vorgeworfen.

Polizei rät zu Vorsicht

Statistik
Im Jahr 2025 hat die für den Landkreis Esslingen zuständige Polizei in Reutlingen sieben Fälle von betrügerischem Erlangen von Kraftfahrzeugen registriert. In den beiden Vorjahren waren es jeweils fünf Fälle. Dabei handelte es sich um die unterschiedlichsten Betrügereien, sowohl beim Ankauf als auch beim Verkauf eines Fahrzeugs, wie die Polizeipressestelle mitteilte. „Aufgrund der geringen Zahl an Fällen gibt es derzeit nicht den klassischen Fall“, sagte ein Sprecher.

Prävention
Von der polizeilichen Kriminalprävention gibt es zahlreiche Tipps für den Autohandel im Internet. Wer sein Auto verkaufen möchte, sollte demnach stets vor der Übergabe des Fahrzeugs auf die Unterzeichnung eines schriftlichen Kaufvertrags und die anschließende Barzahlung bestehen. Das Fahrzeug sollte in jedem Fall persönlich an die Käuferin oder den Käufer übergeben werden. Lässt sich die andere Partei darauf nicht ein, sollte man skeptisch sein und den Kontakt abbrechen. „Sowohl der Bezahlvorgang als auch die Fahrzeugübergabe bieten Möglichkeiten für Betrug auf Käuferseite“, warnt die Polizei. Weitere Tipps gibt es unter https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/sicherer-autokauf/

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