17.623 Straftaten hat die Polizei im Kreis Böblingen in 2016 registriert. Dabei fällt auf: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zurückgegangen, Sexualdelikte haben zugenommen – besonders der Missbrauch von Kindern .

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)

Böblingen - Die Zahl der Straftaten im Kreis Böblingen ist im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge gestiegen. Das zeigt die nun vorgelegte Kriminalitätsstatistik 2016, die die Polizei am Freitag veröffentlicht hat. Sie listet 17.623 Straftaten auf, im Vorjahr hatte diese Zahl noch bei 16.921 Straftaten gelegen.

Auch wenn diese Werte auf den ersten Blick hoch erscheinen: Im Kreis Böblingen lebt man relativ sicher. 4622 Straftaten entfielen 2016 auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Der Landesschnitt beträgt 5599 Fälle pro 100.000 Einwohner. Außerdem hat die Polizei ihre Aufklärungsquote gesteigert. Sie liegt bei 63,3 Prozent, 2015 konnten 62,1 Prozent aller Straftaten im Kreis aufgeklärt werden.

Ein versuchter Mord

Was Straftaten gegen das Leben – darunter fallen etwa Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung und Tötung auf Verlangen – angeht, verzeichnete die Böblinger Statistik im vergangenen Jahr zehn Fälle, das sind acht weniger als 2015. Der Polizeipressesprecher Peter Widenhorn erinnert sich an den einzigen Fall eines versuchten Mordes. „Er hat sich im Januar in Sindelfingen zugetragen.“ Damals hatte ein Mann in der Hanns-Martin-Schleyerstraße an die Wohnungstür seines einer Frau geklopft. Als sie öffnete, schoss er auf sie und flüchtete. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt, überlebte aber dank einer Notoperation. Der Täter konnte später von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in Ditzingen festgenommen werden.

Andere Gewaltdelikte haben im vergangenen Jahr dagegen zugenommen. Im Fall der gefährlichen oder schweren Körperverletzung beispielsweise wurden im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr 15,3 Prozent mehr Fälle registriert.

Viele Kinder unter den Opfern

Ebenfalls zugenommen haben Sexualdelikte. 180 Fälle verzeichneten die Beamten 2016, das sind 23,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Geschuldet ist dies der Zunahme von Fällen sexuellen Missbrauchs – insbesondere an Kindern: Mehr als jedes dritte Opfer eines Sexualdelikts im vergangenen Jahr sei ein Kind gewesen, heißt es in der Kriminalitätsstatistik.

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Auch die Zahl der Angriffe auf Polizisten ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen – zum dritten Mal in Folge. Im Kreis Böblingen wurden insgesamt 196 solcher Fälle registriert, das ist ein Anstieg um 31,5 Prozent. Besonders häufig wurden Beamte der Polizeireviere Böblingen (91 Fälle) und Sindelfingen (40 Fälle) angegangen. Wieso gerade Böblingen in dieser Statistik auffällt, konnte Widenhorn nicht erklären. Bezeichnend: 65,5 Prozent der Täter standen unter Alkoholeinfluss.

Der Polizeipräsident Frank Rebholz bezeichnet die Situation als „völlig inakzeptabel“. Der Anstieg der Fallzahlen sei ein deutliches Zeichen dafür, „dass unsere Appelle für mehr Respekt gegenüber unseren Einsatzkräften nicht gefruchtet haben. Wir begrüßen daher den Gesetzesentwurf, der eine härtere Bestrafung von Gewaltaktionen gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte vorsieht.“

Zahl der Einbrüche gesunken

Erfolge kann die Polizei dagegen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls vorweisen. Die Zahl sank im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 von 481 auf 356 Fälle, das ist ein Rückgang um 26 Prozent. „Nachdem der zuletzt stark negative Trend im Jahr 2015 bereits abgebremst werden konnte, ist (. . .) eine Trendwende gelungen“, heißt es in der Statistik.

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