Kriminalitätsstatistik für Hemmingen Spiegel ab: Jugendliche haben Fahrzeuge im Visier

Von Steffi Köhler 

Die aktuelle Kriminalitätsstatistik des Polizeireviers Ditzingen zeigt: Nur eine Kommune im Strohgäu ist sicherer als die 8000-Einwohner-Gemeinde Hemmingen – obwohl dort mehr Verbrechen registriert werden.

Sven Schüler, der Leiter des Polizeireviers Ditzingen, bescheint den Bürgern von Hemmingen viel Sicherheit. Foto: factum/
Sven Schüler, der Leiter des Polizeireviers Ditzingen, bescheint den Bürgern von Hemmingen viel Sicherheit. Foto: factum/

Hemmingen - Der Leiter des Ditzinger Polizeireviers bringt den Hemmingern gute Nachrichten mit: „Objektiv betrachtet können sich die Bürger sicher fühlen“, sagt Sven Schüler, selbst kleine Mädchen könne man überall allein laufen lassen. Den Beweis dafür liefert dem Polizeichef die aktuelle Kriminalitätsstatistik. Diese präsentierte er den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses.

Im Vergleich zu 2017 stieg die Zahl der Verbrechen im Vorjahr zwar – von 202 auf 267. Das sei aber kein Grund zur Sorge, betont Sven Schüler: 2017 – ebenso wie 2016 (206 Fälle) – habe man sich auf einem „absoluten Zehnjahrestief“ bewegt. Zudem gibt es in allen Kommunen im Strohgäu mehr Straftaten. Gerlingen ist die Ausnahme: Dort registrierte die Polizei im Vorjahr 79 Verbrechen weniger – 612. Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner liegt die Kriminalitätsbelastung in Hemmingen mit 3371 Straftaten unter dem Landes- (5191) und Kreisschnitt (4006). Weniger Verbrechen im Strohgäu passieren nur in Gerlingen mit 3089.

Körperverletzung meist in den eigenen vier Wänden

Die Aufklärungsquote beträgt 67,8 Prozent – und ist damit über dem Kreis- und Landesschnitt. Für Schüler ist das ein „Ausdruck von Qualität der Arbeit“ seiner Kollegen. Diese seien im Ort verwurzelt und würden sich bestens auskennen.

Mehr Fälle von Rohheitsdelikten wie Körperverletzung (von 34 auf 56), schwerem Diebstahl wie Wohnungseinbruch (von neun auf 22) und Sachbeschädigung (von 28 auf 55) sind die Gründe für den Anstieg der Verbrechen insgesamt. Körperverletzung findet meist im häuslichen Bereich statt. Schüler erklärt die Zunahme damit, dass Hemmingen gewachsen sei. „Möglicherweise werden solche Taten heute auch öfter angezeigt.“ Weil Körperverletzung oft im Privaten geschieht – und der Schläger also bekannt ist – beträgt die Aufklärungsquote 98,2 Prozent.

Sachbeschädigung: Jugendliche haben Fahrzeuge im Fokus

Einen „deutlichen Anstieg“ verzeichnet der Polizeichef bei Sachbeschädigung, die vor allem im öffentlichen Bereich zunimmt. Wände werden mit Graffiti beschmiert, an Autos die Spiegel abgerissen. „Gerade die Sachbeschädigung an Fahrzeugen treibt die Zahlen hoch“, meint Schüler.

Teils seien dafür ganze Gruppen von Jugendlichen verantwortlich. „Das Miteinander in der Gesellschaft lässt nach“, stellt Schüler fest, der Respekt vor der Polizei sinke ebenso wie der vor fremdem Eigentum. Zwar konnte die Polizei bei Sachbeschädigung die Aufklärungsquote verbessern, trotzdem klärt sie nur jede dritte Tat auf (32,7 Prozent, 2017 waren es noch 17 Prozent). Ihr Augenmerk liegt auf diesen Delikten. So wolle man innerorts und an bekannten Treffpunkten mehr Präsenz zeigen.

Die Hälfte der Wohnungseinbrüche scheitert

Auch beim schweren Diebstahl bleiben zu viele Fälle ungelöst: 2017 lag die Aufklärungsquote bei 9,1 Prozent. „Nicht überragend“, so Schüler, auch wenn die neun Fälle 2017 einem „absoluten Zehnjahrestief“ entsprächen und mit 22 das Niveau der Vorjahre erreicht sei.

Gleichwohl zeitigt die Polizei bei Wohnungseinbrüchen (vier in 2018) Erfolge: Nach einem landesweit sprunghaften Anstieg in 2015 ist die Polizei besonders in der dunklen Jahreszeit verstärkt Streife gefahren und beriet Menschen, wie sie ihr Zuhause optimal schützen. Inzwischen scheitert die Hälfte der Einbrüche.

Cannabis „gefühlt an jeder Ecke“

Im Visier hat die Polizei auch die Rauschgiftkriminalität (14 Fälle). Das Problem sei die steigende Verfügbarkeit, bei dem das Internet eine Rolle spiele. „Bei Bedarf kann man sich überall mit Rauschgift eindecken“, sagt Schüler, mit Cannabis gar „gefühlt an jeder Ecke“. Ein Grund dafür sei, dass man Hanf leicht selbst anbauen könne.