Kriminalstatistik 2012 Einbrecher werden selten erwischt

Die Zahl der Einbrüche ist bundesweit drastisch gestiegen. Foto: dpa
Die Zahl der Einbrüche ist bundesweit drastisch gestiegen. Foto: dpa

In Deutschland wird immer häufiger in Wohnungen und Häuser eingebrochen. In Baden-Württemberg ist die Zahl zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Die Innenminister wollen diesen Trend nun stoppen – mit Prävention und neuen Bauvorschriften.

Berliner Büro: Thomas Maron (tm)
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Berlin - Einbrecher haben in Deutschland Konjunktur. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2012 hervor. Bundesweit ist die Zahl der bei der Polizei gemeldeten Einbrüche um 8,7 Prozent gestiegen. Das macht bei 144 117 Einbrüchen im Schnitt 176 Fälle auf 100 000 Einwohner und bedeutet einen Versicherungsschaden von etwa 600 Millionen Euro im Jahr. Besonders drastisch ist die Zunahme in Berlin. Dort hat die Zahl der Einbrüche in Häuser und Wohnungen um 11,7 Prozent zugenommen. In Baden-Württemberg ist laut der Kriminalstatistik die Zahl um 4,6 Prozent auf landesweit 8572 Fälle gestiegen – ein Anstieg zum sechsten Mal in Folge.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und sein niedersächsischer Kollege Boris Pistorius (SPD) räumten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ein, dass bei Einbrüchen bundesweit die Aufklärungsquote mit 15,7 Prozent beklagenswert niedrig sei. „Das ist zu wenig“, sagte Pistorius, derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern. In Baden-Württemberg lag die Aufklärungsquote bei Einbrüchen 2012 laut der Statistik bei 12,7 Prozent.

Wegen der niedrigen Aufklärungsquote sei auch zu wenig bekannt über die Täter und Tätergruppen, sagte Friedrich. Die Länder wollen gemeinsam mit dem Bund über Gegenstrategien beraten. Dazu soll es eine Qualitätsoffensive Tatortarbeit geben, damit sich der Ermittlungsdruck deutlich erhöhe, so Pistorius.

Auch die Eigentümer und Mieter sind gefragt

Die Innenminister und die Polizei setzen verstärkt auf die Mithilfe der Eigentümer und Mieter. Denn vergleichsweise einfache präventive Maßnahmen zum Schutz der eigenen vier Wände erzielten eine große Wirkung, sagte Pistorius. Er verwies auf den Umstand, dass 40 Prozent der Einbrüche im Anfangsstadium scheitern würden, weil den Einbrechen daran gelegen sei, sich möglichst schnell Zugang zu verschaffen. Stießen sie auf Widerstand, brächen sie ihr Vorhaben meist ab. Pistorius nannte als Beispiel für wirkungsvollen Schutz absperrbare Fenstergriffe sowie Türen und Fenster, die nicht ausgehebelt werden könnten. Er regte an, die Bauvorschriften der Länder anzupassen und für Neubauten Mindeststandards für den Einbruchsschutz festzulegen, mit denen diese passiven Sicherungen vorgeschrieben werden könnten. Darüber werde mit den Landesbauministern verhandelt.

Die Innenminister wollen sich auch bemühen, die Beratung der Eigentümer und Mieter durch Polizei und Präventionsräte vor Ort zu verbessern. Friedrich wies auf die psychischen Folgen für die Opfer von Einbrüchen hin. 70 Prozent von ihnen hätten Probleme, weil in ihre Privatsphäre eingedrungen worden sei.

Die Cyberkriminalität nimmt zu

Insgesamt bewegt sich die Zahl der angezeigten Straftaten in Deutschland mit 5,997 Millionen Fällen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Aufklärungsquote blieb mit 54,4 Prozent nahezu unverändert. Erfreulicherweise sei die Gewalt- und Jugendgewaltkriminalität leicht zurückgegangen, sagte Friedrich. Letztere liege aber immer noch auf einem hohen Niveau, nachdem sich diese Deliktzahl von 1993 bis 2008 verdoppelt hatte. Deshalb dürfe man in diesem Bereich auch nicht nachlassen. In diesem Zusammenhang wiederholte der Bundesinnenminister seine Forderung nach einer Ausweitung der Videoüberwachung.

Einen Anstieg um 7,5 Prozent verzeichnete die Polizei bei der Cyberkriminalität, etwa dem Ausspähen und Abfangen von Daten. Vor allem die Computersabotage sei ein Problem. „Das Thema beunruhigt uns zunehmend“, sagte Friedrich. Mittlerweile würden nicht mehr nur spezialisierte Computerfreaks ihr Unwesen treiben. Mehr und mehr erschließe sich die organisierte Kriminalität die virtuelle Welt, weil jeder „gewöhnliche Kriminelle“ die für Machenschaften im Netz nötige Software kaufen könne.




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