Kriminalstatistik Gewalt nimmt weiter zu
Die Kriminalstatistik liefert nur ein verzerrtes Bild von der Sicherheitslage im Land – allerdings Indizien für die Ursachen der allgemeinen Verunsicherung, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Die Kriminalstatistik liefert nur ein verzerrtes Bild von der Sicherheitslage im Land – allerdings Indizien für die Ursachen der allgemeinen Verunsicherung, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Wie ist es um die innere Sicherheit in Deutschland bestellt? Umfragen zufolge war diese Frage für viele maßgeblich bei der Wahl im Februar. In der am Mittwoch veröffentlichten Kriminalstatistik finden sich keine erschöpfenden Antworten auf die womöglich wahlentscheidende Frage. Sie liefert keinen Pegelstand für die allgemeine Verunsicherung – lässt aber Rückschlüsse auf deren Ursachen zu.
Entgegen landläufigen Erwartungen offeriert die Kriminalstatistik nicht nur schlechte Nachrichten. Die beste vorweg: Alles in allem sank die Zahl der 2024 registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr – erst recht im Langzeitvergleich, etwa mit dem Kriminalitätsniveau vor 30 Jahren. Allerdings ergibt sich da im Detail kein eindeutiges Bild: 1994 gab es 50 Prozent mehr Morde, aber nur knapp halb so viele gefährliche Körperverletzungen wie heutzutage. Spricht das für mehr Sicherheit?
Die vermeintlich rückläufige Kriminalität erklärt sich vor allem aus einer Gesetzeskorrektur. Weil Cannabis inzwischen teilweise legalisiert ist, sank die Zahl der Drogendelikte. Auch diese Paragrafenkosmetik spricht nicht zwangsläufig für mehr Sicherheit.
Hinter scheinbar schlechten Nachrichten, die sich aus der Kriminalstatistik herauslesen lassen, verbergen sich jedoch unter Umständen gute: Die Zunahme der Fallzahlen bei Sexualdelikten könnte auch mit einer erhöhten Anzeigebereitschaft zu tun haben. Wenn mehr Opfer zur Polizei gehen, macht das die Verbrechen zwar nicht ungeschehen – allerdings häuft sich damit die Zahl der Täter, die sich für ihre Übergriffe verantworten müssen. Und das ist gut so.
Zu den schlechten Nachrichten zählt die weiter ansteigende Gewaltkriminalität. Auch für diesen Befund gelten alle Vorbehalte gegen eine Statistik, die nicht die Zahl der tatsächlich verübten Delikte auflistet, sondern lediglich jene, mit denen die Polizei beschäftigt war. Viele werden nicht angezeigt, andererseits enden viele Anzeigen mangels Beweisen im Reißwolf. Gleichwohl zeichnet sich ein Trend ab: Schon 2023 war der höchste Stand an registrierten Gewalttaten seit 15 Jahren erreicht. Nun sind es noch mehr.
Noch schlimmer: Unter den Tatverdächtigen hat vor allem die Zahl der Kinder und Jugendlichen zugenommen. Die Statistik verrät, was in Familien und in der Schule schief läuft. Kriminologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „Tiktokisierung der Gewaltkriminalität“. Wer sein Bild von der Welt vorzugsweise aus Videoschnipseln gewinnt, die häufiger dazu dienen, Mitmenschen zu verhöhnen, als ihnen Respekt zu bekunden, der wird für Zoff geradezu programmiert.
Das politisch heikelste Kapitel ist die Ausländerkriminalität. Mehr als ein Drittel der registrierten Tatverdächtigen haben keinen deutschen Pass – doppelt so viele wie der Ausländeranteil an der Bevölkerung vermuten ließe. Anders formuliert: 50 von 1000 Ausländern werden kriminell, bei den deutschen Staatsbürgern sind es 17,7 von 1000.
Natürlich ist die Kriminalität keine Frage des Passes – allerdings ein Nebenrisiko irregulärer Migration. Ungeachtet tatsächlicher Schutzansprüche kamen in den vergangenen Jahren vor allem junge Männer nach Deutschland, häufig mit kulturellen Normen und Erfahrungen im Gepäck, welche aggressives Männlichkeitsgehabe und die Neigung zu Gewalt eher begünstigen. Das ist eine Klientel mit erhöhtem Kriminalitätsrisiko.
Für einzelne Straftaten, die dem Personenkreis anzulasten sind, ist die Politik nicht haftbar zu machen. Wohl aber für ein Migrationsgeschehen, das den Eindruck erweckt, sie sei für solche Risiken blind.