Kriminalstatistik in Stuttgart Warum die Polizeipräsenz trotz sinkender Zahlen hoch ist

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Die Polizei hat in den zurückliegenden Jahren viel mehr Streifen auf die Straße gebracht, sagt der Polizeipräsident. Die Kriminalität geht zurück. Der Polizeichef sieht da einen klaren Zusammenhang.

In der Innenstadt sind zur Zeit sehr viele Polizeistreifen unterwegs. Foto: 7aktuell/Oskar Eyb
In der Innenstadt sind zur Zeit sehr viele Polizeistreifen unterwegs. Foto: 7aktuell/Oskar Eyb

Stuttgart - Manchmal hilft der sprichwörtliche Kommissar Zufall der Polizei, und manchmal wird auch der geschnappte Missetäter reuig zum Komplizen. Ersteres hört man bei der Polizei nicht so gern. Letzteres erzählt der Kripochef Rüdiger Winter beim Blick auf die Zahlen der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr liebend gern.

Nicht nur kann der Polizeipräsident Franz Lutz erneut einen starken Rückgang der Einbrüche vermelden, von 619 auf 474 Taten, sondern er ist auch stolz auf eine gute Aufklärungsquote von 35,8 Prozent bei den Einbrüchen. Und da kommt die Geschichte ins Spiel, die Rüdiger Winter erzählt: „Das geht alles auf einen Täter zurück, den wir gefasst haben. Der fuhr mit uns durch die Stadt und sagte uns, wo er was gestohlen hatte“, berichtet er. Mehr als 100 Einbrüche habe der Mann begangen, und mit seinem umfassenden Geständnis schlagen diese sich als aufgeklärte Taten in der Kriminalstatistik nieder.

Diese liest sich für das vergangene Jahr wie eine Aneinanderreihung lauter guter Nachrichten. „Wir sind sehr froh über den Rückgang der Gewalttaten, der Straßenkriminalität und der Sexualdelikte“, sagt der Polizeipräsident Franz Lutz. Und trotz dieser Rückgänge in den genannten Bereichen muss die Polizei einen leichten Anstieg der Straftaten um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 54 347 Delikte vermelden (2018: 53 828). Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen hat sich die Zahl der Anrufe von Telefonbetrügern, die mit der Masche der falschen Polizeibeamten arbeiten, verdreifacht. 3030 Fälle – in den allermeisten blieb es beim Versuch – waren das. Bei 33 vollendeten Taten erbeuteten die Täter insgesamt 1,8 Millionen Euro (2018: 546 000 Euro). Der zweite Grund ist die Zahl der sogenannten Leistungserschleichungen. 12,5 Prozent mehr Schwarzfahrer wurden erwischt. Jedoch könne man beide Zunahmen auch anders betrachten, erläutert Lutz: Bei den betrügerischen Anrufen änderte sich erst im Verlauf des Jahres 2018 die Erfassungsmethode. Anfang 2018 waren Versuche noch nicht als Straftat gewertet worden, gingen also erst ab dem zweiten Jahresdrittel in die Statistik ein. Daher sei der Anstieg vermutlich etwas geringer – auch wenn man die Zahl der Taten mit großer Sorge wahrnehme, so Lutz. Bei den Schwarzfahrern mache sich ein Computerproblem bemerkbar: Die SSB hätten eine Summe aus dem Jahr 2018 nicht richtig übermitteln können, daher sei ein Überhang ins Jahr 2019 gerutscht und steht nun in der Statistik.

Stuttgart ist auf Platz drei der sicheren Großstädte in Deutschland

Auch wenn diese Faktoren den Effekt der Rückgänge in vielen Bereichen leicht verzerren, behauptet sich Stuttgart als sichere Großstadt in den Top Drei in ganz Deutschland. Nur in zwei Städten des Nachbarlands Bayern geschehen – bezogen auf die Bevölkerungszahl – weniger Straftaten, in Nürnberg und München. Ganz so toll sieht es im Vergleich innerhalb Baden-Württembergs nicht aus, da belegt Stuttgart den vierten Platz hinter Heilbronn, Pforzheim und Ulm.

Der Polizeipräsident Franz Lutz ist vor allem froh darüber, dass der öffentliche Raum sicherer geworden ist. Sexuelle Übergriffe sind insgesamt um 17,5 Prozent auf 712 Taten gefallen, bei den im öffentlichen Raum begangenen Delikten betrage der Rückgang immerhin 15 Prozent. Die Straßenkriminalität sank um gut drei Prozent, die Zahl der Taschendiebstahlsdelikte um fast 14 Prozent. Auch bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen ist ein Rückgang von sechs Prozent in der Statistik zu lesen. Der Rückgang all dieser Delikte im öffentlichen Raum sei das Ergebnis einer Strategie, mit der die Polizei seit 2016 arbeite. Man sei dazu übergegangen, dass die Kripo zusammen mit dem Bezirks- und Ermittlungsdienst die auf der Straße aufgenommenen Fälle bearbeite und zu Ende ermittele. 16 Prozent der Straftaten bearbeite in Stuttgart die Kripo, das sei über dem Schnitt aller anderen Präsidien, die auf einen Wert zwischen neun und elf Prozent kämen. Die Streifenbeamten haben damit praktisch den Rücken freigehalten bekommen. Oder, wie Lutz es ausdrückt: „Sie haben keine überquellenden Schreibtischschubladen mehr.“ Damit habe man erreicht, dass der Streifendienst der Schutzpolizei „mit höchstmöglicher Präsenz“ auf den Straßen der Stadt sei. Unterstützt werden die Beamten in Stuttgart dabei täglich von 60 bis 70 Kräften des Präsidiums Einsatz, die im Rahmen der ebenfalls 2016 eingeführten Sicherheitskonzeption Stuttgart vor allem in der City unterwegs sind.

Trotz der guten Zahlen: Es bleibt alles, wie es ist, betont der Präsident Franz Lutz. Die Polizeipräsenz werde nicht verringert. Auch jetzt nicht, wenn wegen der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise kaum jemand auf den Straßen unterwegs sei, sagt Lutz.

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