Monatelang haben die Ermittler Erkenntnisse gesammelt – und dann zugeschlagen und damit einer mutmaßlichen Drogenbande, die in der Region Stuttgart agiert haben soll, das Handwerk gelegt. Es sei ein „weiterer Ermittlungserfolg der Stuttgarter Staatsanwaltschaft und der Polizei im Zusammenhang mit der subkulturellen Gewaltkriminalität im Großraum Stuttgart“, heißt es beim federführenden Polizeipräsidium Aalen. Denn der Schwerpunkt der illegalen Aktivitäten der Gruppierung lag offenbar im Rems-Murr-Kreis.
In den vergangenen Wochen seien umfangreiche Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen geplant und vollzogen worden, berichten die Ermittler. Hintergrund sei ein Verfahren gegen einen 39-jährigen türkischen Staatsangehörigen wegen des Verdachts des illegalen, bandenmäßigen Handels mit Kokain. Insgesamt sind durch das Polizeipräsidium Aalen, das Polizeipräsidium Einsatz, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) und das Polizeipräsidium Ludwigsburg 20 Wohnungen und Geschäftsräume im Rems-Murr-Kreis, im Kreis Ludwigsburg und in Stuttgart durchsucht worden. Die Räume sind zwölf Tatverdächtigen im Alter zwischen 30 und 56 Jahren zuzuordnen.
Die Einsatzkräfte wurden dabei reichlich fündig. Sie beschlagnahmten zahlreiche Waffen, darunter Schreckschusswaffen, Messer und sogar Schwerter. Außerdem stellten sie 180 Gramm Kokain, 50 Gramm der synthetischen Droge MDMA, auch als Ecstasy bekannt, und diverse Kleinmengen an sonstigen Betäubungsmitteln sicher. Bei den Verdächtigen wurden zudem Falschgeld und ein Goldbarren gefunden, sie zogen auch Bargeld in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro ein.
Die Staatsanwaltschaft hat sieben Haftbefehle beantragt. Eine Person befindet sich derzeit auf der Flucht. Ein Haftbefehl wurde nach der Vorführung bei einem Haftrichter gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Fünf Tatverdächtige befinden sich allerdings nun in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an, so die Polizei.
Querverbindungen zur Schussserie?
Offenbar gibt es möglicherweise Querverbindungen zu den beiden multiethnischen Banden, die seit Mitte 2022 in der Region Stuttgart immer wieder durch Schüsse, Handgranateneinsatz und weitere Gewalttaten auffallen. Die Ermittler ordnen die eine Gruppierung den Bereichen Zuffenhausen-Göppingen-Schorndorf zu, die andere der Achse Ludwigsburg-Esslingen-Plochingen. Beide bekämpfen sich, sind von den Nationalitäten und Lokalitäten her aber bunt gemischt. „Der 39-Jährige gehört nicht zu der Gruppe, und wir führen die Ermittlungen auch nicht in direktem Zusammenhang zu den beiden Gruppierungen“, sagt ein Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.
Allerdings war auch die infolge der Schussserie beim LKA Baden-Württemberg eingerichtete Besondere Aufbauorganisation (Bao) Fokus an den Ermittlungen beteiligt. „Es besteht ein Personenzusammenhang zu den Gruppierungen“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Offenbar sind im Zuge der Ermittlungen gegen die beiden Gruppen Erkenntnisse über die jetzt ausgehobene Drogenbande gewonnen worden. Einzelne Beteiligte rücken wohl immer wieder in den Blickpunkt auch bei Fällen, die nicht direkt mit den Auseinandersetzungen zu tun haben. Wie bei den beiden multiethnischen Gruppen sind auch bei der Drogenbande die Nationalitäten sehr gemischt. Die zwölf Tatverdächtigen, bei denen es Durchsuchungen gegeben hat, besitzen die türkische, afghanische, italienische, griechische, polnische und deutsche Staatsbürgerschaft.
Zu dem Mann, der sich noch auf der Flucht befindet, will die Polizei vorerst keine näheren Angaben machen. „Wir befinden uns noch nicht im Bereich einer Öffentlichkeitsfahndung“, heißt es vonseiten der Ermittler in Aalen.
Ein Mann befindet sich auf der Flucht
Das Landesinnenministerium wertet die nun erfolgten Festnahmen als Zeichen dafür, dass die gewalttätigen Gruppen in der Region unter Druck geraten. „Mit diesem weiteren, beeindruckenden Ermittlungserfolg gegen die kriminellen Gruppierungen im Großraum Stuttgart zeigen wir nachdrücklich: Der Rechtsstaat in Baden-Württemberg hält die Zügel fest in der Hand“, sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU). „Wenn Gewalttäter meinen, sich nicht an Recht und Gesetz halten zu müssen, treten wir ihnen kräftig auf die Füße.“
Er kündigt an, Polizei und Ermittlungsbehörden würden den Druck mit intensiven Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen weiter hochhalten, „um diese kriminellen Aktivitäten restlos aufzuklären“.