Krimitipp: „Heidefieber“ von Gerhard Henschel „Heidefieber“ von Gerhard Henschel

Von Georg Patzer 

Wie die Fliegen sterben die Regionalkrimiautoren: Gerhard Henschel unterhält mit seinem Überregionalkrimi „Heidefieber“ prächtig.

Gerhard Henschel Foto: Jochen Quast
Gerhard Henschel Foto: Jochen Quast

Stuttgart - Jeder Mensch, der viele Bücher bei sich zu Hause stehen hat, kennt diese Frage: „Haben Sie die alle gelesen?“ Auch Kommissar Gerold fragt das, als er beim Literaturkritiker Alwin Peters ist. Und bekommt sofort einen Anpfiff von seiner Kollegin, Kommissarin Fischer: Das fragt man nicht. Und wieso nicht? „Weil das nur Idioten fragen.“

Um Bücher geht es, um Autoren und um einen Serienmörder. Armin Breddeloh ist sein erstes Opfer. Bei einer Veranstaltung in der Buchhandlung Patz in Bad Bevensen, in der er aus seinem dritten Regionalkrimi, „Heidefieber“, gelesen hat – vorher erschienen „Heideblut“ und „Heidejagd“, sie alle spielen in Bad Bevensen, einem Städtchen in der Lüneburger Heide – wird er von Peters wegen Einfallslosigkeit getadelt, vom Buchhändler gefragt, ob es nicht langweilig sei, immer dasselbe vorzulesen, und eine Dame sagt ihm, Harry Rowohlt habe viel besser vorgelesen. Am nächsten Tag wird seine Leiche gefunden, neben ihm zwei Augäpfel – der Mörder hat ihm die Augen ausgerissen und ihm Glasaugen eingesetzt. Sein Wagen wird ausgebrannt zwischen Becklingen und Bostelwiebeck gefunden. Und Ute Fischer entdeckt, dass in Breddelohs Roman „Heidefieber“ ein Mann ermordet wird, dem ebenfalls zwei Glasaugen eingesetzt wurden: „O Himmel, dachte Gerold. Was ist das für eine kranke Scheiße?“ Und: „Wenn das Schule machen sollte, sehe ich schwarz für unsere Krimischreiber.“

Tod in der Sauna

Und es machte Schule. Wie die Fliegen sterben die Regionalkrimiautoren, und alle genau nach demselben Muster: so wie eine ihrer Figuren in einem ihrer Krimis. Der Hachenburger Autor Frieder Lindenthal, der die Krimis „Blutiger Westerwald“, „Der Westerwald-Killer“ und „Spiel mir das Lied vom Westerwald“ geschrieben hat, starb in seiner Sauna, in der er verbrannt wurde, wie es in seinem Roman heißt: „Stirb, du Schwein, dachte Rogowski und weidete sich daran, wie Leonhards Haut kross wurde und in Flammen aufging. Es war lustig, die einzelnen Feuerstelen aufspringen zu sehen, während das Leben in Leonhards Augen erlosch…“ Ein neunzig Kilo schwerer Grabstein verrammelte die Tür zur Sauna – unsinnigerweise, weil das Opfer eh gefesselt war.

Hobbe Hubertus mit seinen Inselkrimis „Mord auf Spiekeroog“, „Selbstjustiz auf Baltrum“, „Totschlag auf Sylt“, „Exitus auf Pellworm“ und „Amoklauf auf Amrum“ wird geköpft, sein Kopf in einem Buddelschiffmuseum in Neuharlingersiel in einer Flasche entdeckt. Justus Weindls Bücher heißen „Zellerseemord“, „Zellerseeblut“, „Zellerseegift“ und „Zellerseetod“ und spielen – richtig: am Zellersee: „Der Zellersee in der baden-württembergischen Gemeinde Kißlegg im Landkreis Ravensburg war an und für sich eine gute Wahl als Kulisse für seine Kriminalromane gewesen, denn auf den Zellersee und dessen Umgebung war zuvor noch niemand verfallen“.

Fische als Mordwaffe

In „Zellerseeblut“ hat er beschrieben, wie der gefesselte und mit Fußkugeln versehene Musikproduzent Ludwig Steinmaier in seinem Jacuzzi mit der Hilfe von Fischen ermordet wird: „Fünfzehn Löwenmähnenquallen schwappten in das Wasser. Sie gehörten zum Stamm der Nesseltiere und gestellten sich sofort zu dem rosaroten Menschenleib, der ihnen keinen Widerstand leisten konnte. Mit ihren Tentakeln riefen sie eine starke allergische Reaktion hervor. (…) Eine zwei Meter lange Streifenruderschlange, der Biss tödlich war, glitt aus dem Wasserschwall und steuerte Steinmaiers haarige linke Wade an. Der Homo sapiens fiel zwar nicht in ihr Beuteschema, aber wie hieß es so schön? In der Not frisst der Teufel Fliegen…“




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