Krippe in Renningen Trotz Hektik und Vorbereitungen: Bitte entschleunigen!

Von Bartek Langer 

Die Krippe steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Dein ist die Zeit“. Es ist auch ein Appell für mehr Einkehr.

Zwei, die einfach zusammengehören: Franz Pitzal und seine Krippe. Foto: Bartek Langer
Zwei, die einfach zusammengehören: Franz Pitzal und seine Krippe. Foto: Bartek Langer

Renningen - Denkt Franz Pitzal an die vergangenen Jahre zurück, da war die Renninger Krippe erst wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung am dritten Advent fertig, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sie diesmal in Rekordzeit aufgebaut wurde. Denn schon Mitte der Woche waren die Arbeiten in der Martinuskirche so gut wie abgeschlossen. „Aufgrund von Krankheiten hatten wir eigentlich einen personellen Engpass und starteten einen Aufruf“, erzählt der Pfarrer. Diesem sei der ein oder andere „Jungspund“ aus der Gemeinde gefolgt und habe fleißig mit angepackt. Nicht zuletzt habe man aber auch „eine gewisse Erfahrung“, sagt der Pfarrer mit Blick auf das 38. Jahr.

Nicht selten saß der Kirchenmann in den vergangenen vier Wochen bis spät in die Nacht in der Werkstatt des Pfarramts, um Hand anzulegen. Bei der Ausgestaltung und beim Aufbau waren auch ein Dutzend Helfer im Einsatz. Der Himmel der Kirche wurde mit 1500 Sternen geschmückt, und mehr als 500 Figuren wurden aufgestellt. Außerdem kommt Bewegung in die Sache: es gibt einen Brunnen mit laufendem Wasser und auch einen Wetterhahn, der sich um die eigene Achse dreht. Wer den Pfarrer kennt, weiß, dass er ein Perfektionist ist. Ob Proportionen oder farbliche Abstimmung – alles musste exakt passen. „Und nach Kitsch darf es schon mal gar nicht aus­sehen!“, betont er.

Ein Thema, das alle betrifft

Nach den beiden kirchlich angehauchten Themen „Barmherzigkeit“ und „Martin Luther“ lautet das Motto der Krippe in diesem Jahr: „Dein ist die Zeit“. „Es ist ein Thema, das uns alle angeht“, sagt er und erklärt: „Wir stehen einerseits unter großem Zeitdruck und andererseits brauchen wir heute mehr denn je Zeiten der Ruhe.“ In Sachen Entschleunigung hat der Pfarrer übrigens keine Nachhilfe nötig. Von ­Handygepiepse ­lässt sich der Mann, der ein ­Mobiltelefon zwar sein Eigen nennt, dieses aber kaum ­benutzt, nicht nerven. „Und auch sonst bin ich, was die moderne Welt angeht, eher rückständig“, gesteht er mit Schmunzeln.

Im Mittelpunkt steht folglich die Uhr, die es in der Krippe in verschiedenen Ausführungen zu sehen gibt, und der etwa zwei Meter große Zeitmesser mit funktionierendem Uhrwerk im Altarraum ist dabei der Hingucker. Auch die anderen Szenen der Krippenlandschaft haben mit der Zeit zu tun. So sind um die Krippe die Lebens­zeiten aufgebaut mit spielenden Kindern, Jugendlichen beim Sport, Erwachsenen bei der Arbeit sowie Senioren im Krankenhaus. „Die Seitenwände sind unterteilt in die hektische und ruhige Zeit“, erklärt der passionierte Pfarrer. Während die einen in der Autofabrik schuften, kommen andere beim Spaziergang durch den Wald zur ­inneren Einkehr.

Zeitrechnung beginnt mit der Geburt Christi

Den Mini-Transporter hat der Pfarrer übrigens von Daimler geliehen. „Der ist so schwer, den mussten vier Mann tragen!“, berichtet er. Im hinteren Teil der Martinuskirche geht es um die Jahreszeiten – mit einem verliebten Pärchen unter dem Maibaum, Bauern bei der Ernte, Trinkfesten in der Weinstube und Sternsingern, die durch den Ort ziehen. Über den Darstellungen werden mit laufenden Uhren zehn verschiedene Weltuhrzeiten mit den für die Regionen typischen Landschaften gezeigt. „Mit der Szene im Eingangsbereich der Kirche weisen wir außerdem daraufhin, dass mit der Geburt Christi unsere Zeitrechnung beginnt“, erklärt er.

Das diesjährige Krippenopfer kommt Burkina Faso, Kambodscha, Uganda, aber auch den Flüchtlingsländern Irak und Syrien zugute, wo Franz Pitzal verschiedene Projekte unterstützt. Mehrere Millionen Euro sind in seiner Zeit als Renninger ­Pfarrer, und das sind fast 40 Jahre, aus dem Krippenopfer sowie den Sammelaktionen der Sternsinger zusammengekommen – mit dem Geld wurde Bedürftigen in insgesamt 100 Ländern geholfen. In Erinnerung daran wurde kürzlich ein drei Meter großes „H“, das für Hilfe steht, in der Bahnhofstraße aufgestellt. „Wir haben es bewusst nicht vor die Kirche gesetzt, weil es eine Sache ist, die von der ganzen Stadt unterstützt wurde“, erklärt Pitzal den Hintergrund.




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