Krippe Malmsheim Der Wow-Effekt ist bei allen Besuchern gleich

Von Brunhilde Arnold 

Rund 80 Ehrenamtliche engagieren sich für die Krippe in Malmsheim. Christine Grzybowski ist eine von ihnen.

Christine Grzybowksi genießt die vielen Begegnungen an der Krippe, aus denen auch schon Freundschaften entstanden sind. Foto: factum/Bach
Christine Grzybowksi genießt die vielen Begegnungen an der Krippe, aus denen auch schon Freundschaften entstanden sind. Foto: factum/Bach

Renningen - Es ist 9 Uhr an einem klirrend kalten Morgen. In der Martinuskirche in Malmsheim ist es ganz still. Die Atmosphäre in dieser frühen Stunde und an diesem klirrend kalten Morgen passt gut zum Motto der 39. Krippe: „Stille Nacht“. Dieses erinnert an den 200. Geburtstag des in der ganzen Welt bekannten Weihnachtslieds. Nur Christine Grzybowski steht im Eingangsbereich und ordnet die Info-Flyer, Bücher und CDs. Sie hat an diesem Tag Dienst am Schriften- und Informationsstand und die erste Schicht von neun bis 12 Uhr übernommen. Später am Tag wird sie von zwei „Kollegen“, wie sie selbst Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde, abgelöst werden. Denn die über die Region hinaus bekannte Krippe ist täglich bis 18 Uhr zu besichtigen.

Die Malmsheimerin mag diese Vormittagsstunden an der Krippe besonders. In dieser Zeit seien oft besondere Besucher zu Gast, behinderte Menschen etwa oder Bewohner von Altenheimen und Kindergärten, sogar aus Stuttgart, kommen zum Schauen und Staunen. Denn was bei allen gleich sei, so hat sie beobachtet, sei der Wow-Effekt. Manche bringen den mit lautem Erstaunen zum Ausdruck, manche stehen mit großen Augen ganz still. Es gibt schließlich eine Menge zu sehen. Das sind nicht nur die vielen Lichter in der dunklen Kirche, sondern auch die rund 500 Figuren, jede mit einem eigenen Gesichtsausdruck, liebevoll gestaltet von der 2001 verstorbenen Hildegard Buchhalter aus Leonberg. Und es ist die Zusammenstellung entsprechend dem jährlich wechselnden Motto.

450 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit

Christine Grzybowski weiß eine Menge über die Krippe. Seit drei Jahren ist die Diplom-Ökonomin im Ruhestand. Früher hat sie beruflich mit Zahlen gearbeitet, in der Kostenrechnung einer Automobilzuliefererfirma. So hat sie auch flugs ausgerechnet, dass allein am Schriften- und Informationsstand während der 50 Tage dauernden Krippenzeit 450 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit geleistet werde. Dazu kommen natürlich noch viele Stunden für den Aufbau der Krippe oder etwa im Küchendienst und anderes.

Heute sind ihr nicht mehr die Zahlen, sondern die Begegnungen mit den Menschen am wichtigsten. „Ich mache die Arbeit hier sehr gerne“, sagt die 66-Jährige. „Sie gibt mir Mut und ich treffe viele interessante Leute.“ Zum Beispiel jene Reisenden aus Ostfriesland, die auf ihrem Weg in den Süden extra einen Abstecher zur Krippe machen, die sie im Fernsehen gesehen haben. Oder den Spanier aus Gran Canaria, der Weihnachten immer in Deutschland verbringt und stets eine ganze Stunde an der Krippe verweilt. Dann erzählt sie schmunzelnd von zwei älteren Herren, von denen einer ganz erstaunt und begeistert war von dem, was er sah. Worauf der andere geantwortet habe: „Siehst du, wie oft habe ich dir das schon gesagt.“

Häufig treffen sich auch Familien an der Krippe, die dann hinterher alle zusammen essen gehen, oder es kommen Wandergruppen auf einen Zwischenstopp vorbei. Ab 14 Uhr bieten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im benachbarten Gemeindehaus Kaffee und Kuchen an. Und nachmittags würden auch oft ganze Busgesellschaften mit vielen Menschen kommen. Kein Zweifel, die Renninger Krippe in Malmsheim ist über die Region hinaus bekannt. Sogar der VVS weise in einer Broschüre als besondere Sehenswürdigkeit darauf hin, erzählt sie.

In vielen Sprachen sprechen

Christine Grzybowksi, die in den 80er Jahren aus Schlesien in die Bundesrepublik übergesiedelt ist, kann viele Geschichten erzählen von den Menschen in der Martinuskirche. Und sie kann mit ihnen reden, nicht nur in Deutsch und Englisch, sondern auch in anderen Sprachen. Durchaus hilfreich, wie sich gleich herausstellt, als eine junge Frau in der noch leeren Kirche auf einer der hinteren Bänke Platz nimmt. Dann dreht sie sich zu Christine Grzybowski um und fragt: „When does it start?“, wann geht es los? Besucher wollen auch immer wieder wissen, ob es Eintritt kostet, die Krippe zu sehen. Nein, antwortet sie, weist aber auf die Möglichkeit hin, etwas in die große Spendenbox zu werfen für die zahlreichen Projekte von Pfarrer Franz Pitzal und der Kirchengemeinde.

An diesem Sonntagmorgen beginnt um Viertel vor elf der Gottesdienst. Während dieser Zeit sind keine Besichtigungen möglich. Christine Grzybowski ist aber nicht untätig. Sie hilft mit beim Kommunionsdienst am Ende der Messe. „Ich habe viele Freunde durch die Kirche kennengelernt“, sagt sie. Die Themen, die Pfarrer Franz Pitzal für die Krippe jedes Jahr neu aussucht, findet sie gut.

Die nächste Krippe wird die 40. sein. Christine Grzybowski ist schon auf das Motto gespannt und möchte gern wieder im großen Team der rund 80 Ehrenamtlichen dabei sein.