Krippe Renningen Es geht um Gemeinsinn und das Teilen

Von Nathalie Mainka 

Pfarrer Franz Pitzal lädt ehemalige Sportler – Kicker aus Stuttgart und Leichtathleten aus Kornwestheim – traditionell im Januar zu einem Krippen-Abend ein.

Sportler-Treffen:         v.l.     Wolfgang Groß,     Herbert Binder,     Karl-Heinz Steidle,    Werner Mühlbauer  und       Bernhard Bauer Foto: factum/Granville
Sportler-Treffen: v.l. Wolfgang Groß, Herbert Binder, Karl-Heinz Steidle, Werner Mühlbauer und Bernhard Bauer Foto: factum/Granville

Renningen - Eine lange sportliche Tradition pflegt der katholische Pfarrer Franz Pitzal an seiner Renninger Krippe. Immer im Januar lädt er die Stuttgarter Prominentenkicker sowie ehemalige Leichtathleten von SV Salamander Kornwestheim ein. Zu den Kornwestheimern ist er seit mehr als 45 Jahren in Verbindung. Bevor er nach Renningen kam, war er dort in der Stadt als Vikar tätig. „Sportlich“, das betont Pitzal mit einem Augenzwinkern, „bin ich schon immer gewesen, ich habe im Weitsprung sogar Dietmar Haaf besiegt“. Und er sucht für diese Aussage die Bestätigung bei dem achtfachen Deutschen Meister, Europameister sowie Hallenweltmeister.

Haaf, der in Leonberg wohnt, ist ebenfalls zum „Ehemaligen-Treffen“ nach Renningen gekommen. Der ehemalige Weitspringer von Salamander, der zu Beginn seiner Karriere für die TSF Ditzingen startete, war tatsächlich einst gegen Pfarrer Pitzal angetreten. Bei der Eröffnung des Renninger Rankbachstadions. Damals bildete Pitzal mit dem früheren Bürgermeister von Renningen, Bernhard Maier – der später Landrat wurde – ein Team. Dietmar Haaf sprang 8,01 Meter in die Sandgrube, Pitzal/Maier übertrumpften ihn mit 8,16 Metern. „Sie könnten auch erwähnen, dass Bernhard Maier mehr als fünf Meter zum Ergebnis beigetragen hat“, sagt Haaf, und Franz Pitzal stimmt in das herzliche Lachen ein.

Heinz Fütterer musste leider absagen

Gerne hätte Renningens Pfarrer auch Heinz Fütterer, den „weißen Blitz“, zur Veranstaltung an der Krippe begrüßt. „Doch der musste leider absagen“, sagt Pitzal. Fütterer hatte als Weitspringer beim SV Germania Bietigheim seine Karriere begonnen, wurde 1949 zum ersten Mal deutscher Jugendmeister. Den Weitsprung gab er bald darauf auf, weil er barfuß zu schmerzhaft war. Barfuß gewann er dann seinen ersten 100-Meter-Sprint kurz nach Kriegsende. Seine größten Erfolge waren drei Europameistertitel, die Einstellung des 100-Meter-Weltrekords der US-amerikanischen Sprint-Legende Jesse Owens 1954, ein neuer Hallenweltrekord über 60 Meter 1955 sowie eine olympische Bronzemedaille 1956 mit der 4x100 Meter Staffel.

Des Pfarrers Einladung angenommen hat der in Ditzingen groß gewordene Peter Gamper, der 1962 bei den Europameisterschaften in Belgrad mit der 4x100 Meter Staffel der Bundesrepublik Deutschland Gold gewann. Von 1965 bis 1967 errang er mit der 4x100-Meter Staffel des SV Salamander Kornwestheim drei deutsche Meistertitel. Gamper studierte an der Kunstakademie Stuttgart, war später in der Medienwirtschaft tätig und erhielt 1990 eine Berufung auf den Lehrstuhl für Visuelle Gestaltung und Medientechnik der Fakultät für Kommunikationslehre an der Bauhaus-Universität Weimar.

Im heutigen Fachjargon würde man über Pfarrer Franz Pitzal sagen, dass er ein guter Netzwerker ist und nicht nur auf der ganzen Welt die Kontakte pflegt, sondern auch zu den Stuttgarter Prominentenkickern, die unter anderem bei zahlreichen Benefizveranstaltungen unterwegs sind. Wolfgang Groß ist deren stellvertretender Vorstand: „Der Besuch der Renninger Krippe ist immer unsere Auftaktveranstaltung im Jahr.“ Der 72-jährige Polizeihauptkommissar a.D. stammt aus dem Hohenlohischen, dort hat er auch selbst Fußball gespielt. „Aber nie so richtig gut“, beteuert er. Beim Prominenten-Kick traf er auch immer wieder den früheren Handball-Torwart Bernhard Bauer, der in Warmbronn lebt. „Und der war richtig gut auf den Positionen links und rechts außen“, zollt ihm Groß noch immer seinen Respekt.

2013 wird Bernhard Bauer Präsident des Deutschen Handballbundes

Doch Bauers Herzblut hing und hängt am Handball. Das spielte er schon als kleiner Junge in Neckarsulm. Seit der C-Jugend stand er im Tor. Mit 18 Jahren war er Stammtorwart in seinem Heimatverein. Während seiner Studienzeit wurde er mit der Tübinger Uni-Auswahl Deutscher Hochschulmeister und spielte auch in der Studenten-Nationalmannschaft. In der Bundesliga war er Mitte der 1980er Jahre für Frisch Auf Göppingen aktiv. 2013 wurde Bauer zum Präsidenten des Deutschen Handballbundes gewählt, 2015 trat er nach internen Unstimmigkeiten zurück. Beruflich machte er als Ministerialdirektor im Staatsministerium sowohl im Sozialministerium als auch im Ministerium für Umwelt Karriere. Der 68-Jährige, der nach wie vor in diversen Handball-Gremien mitwirkt, nahm die Einladung von Pfarrer Franz Pitzal als Krippen-Redner gerne an. Und dem noch immer aktiven Sportler hat es beim diesjährige Krippen-Thema „Stille Nacht“ besonders die vierte Strophe des weltweit berühmten Liedes angetan.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!

Wo sich heute alle Macht

Väterlicher Liebe ergoss

Und als Bruder huldvoll umschloss.

Jesus, die Völker der Welt.“

„Für mich ist das eine Botschaft, die deutlich macht: Eigenliebe und purer Egoismus haben im Leben eines Christen keinen Platz“, so Bauer. Es gehe um Gemeinsinn, um Teilen statt Wegnehmen, um Abgeben statt Anhäufen privaten Reichtums, um Mitgefühl statt persönlicher Vorteilsnahme. „Ich glaube daran, dass vor allem der Sport die Kraft hat, Menschen zusammenzubringen.“ Und dass es neben dem Kampf auch um Fairness geht, habe Miroslav Klose 2012 in Diensten von Lazio Rom bewiesen, als der Schiedsrichter ein Tor gab, das Klose mit der Hand erzielt hatte. Klose ging zum Schiedsrichter hin, zeigte seine Regelwidrigkeit an, der Treffer wurde annulliert. Die „Gazetta dello Sport“ feierte den deutschen Nationalspieler. Er sei in diesem kranken Fußball eine Anomalie.

Ach ja. Feiern will Bernhard Bauer ganz aktuell die Handballer bei der Weltmeisterschaft. Einladungen hat er zum Halbfinale in Hamburg und zum Endspiel in Dänemark bekommen. Diese wird er auf jeden Fall annehmen und den Deutschen bis dahin die Daumen drücken. Wenn das Team um Trainer Christian Prokop so weitermacht wie bisher, sind die Chancen groß.