Krise bei Bosch Beim Glanzprojekt ist viel Lack schon ab

Hilferufe der Bosch-Belegschaft, hier in Leonberg. Foto: Simon Granville

Das Schrumpfen der Ausbaupläne in Leonberg ist symptomatisch für die ganze Wirtschaft, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Es ist gut neun Jahre her, da verglich der damalige Bosch-Chef Volkmar Denner sein neues Forschungszentrum beim Besuch der Bundeskanzlerin mit der US-Elite-Uni Stanford. Der internationale Technologiekonzern hatte ausgerechnet im ländlichen Renninger Teilort Malmsheim einen optisch spektakulären Neubau errichtet. Standort-Konkurrent war Singapur gewesen.

 

Damit fing der Bosch-Hype erst so richtig an. Nur drei Jahre später erwarb der Konzern das Gelände eines früheren Möbelhauses im Leonberger Zentrum. Bosch ernannte Leonberg zu seiner Hauptstadt des autonomen Fahrens. Von diesem Campus aus sollte die Mobilität völlig neu gedacht werden.

Die 40 000 Quadratmeter, auf denen ein terrassenförmiges Gebäude entstand, erschien Bosch bald zu klein. Weitere 18 000 Quadratmeter wurden gekauft: Platz für einen Komplex mit Büros, Kongresshalle und Mensa, optisch einem Ufo ähnlich.

Im Rathaus konnte man das eigene Glück kaum fassen: Sollte Leonberg tatsächlich zu einem herausragenden internationalen Technologie-Standort werden, im Zusammenspiel mit Renningen eine weltweit bedeutsame Achse der Zukunftsentwicklung? Es sah ganz so aus: Der Campus-Neubau wuchs, gegenüber war eine gewaltige Baugrube für die Kongresshalle ausgehoben.

Der Nackenschlag kam im Juli 2023: Bosch stoppte das Hallenprojekt. Offiziell hieß es, dass die geplanten Dimensionen für die mit spezieller Technik ausgestatteten Arbeitsplätze nicht ausreichend seien. Schon damals klang die weitere Begründung – zu viele Arbeitsplätze angesichts des Trends zum Homeoffice – plausibler.

In diesem Herbst brannten im neuen Terrassenbau in vielen Büros Lichter, ohne dass es eine offizielle Eröffnung gegeben hatte. Ein Bezug in aller Stille. Und jetzt? Es zeichnet sich ab, dass die Zahl von einst knapp 4000 Beschäftigten in Leonberg im Lauf der nächsten Jahre fast halbiert werden soll. Schilder mit den Aufschriften SOS und Hilfe kleben in der Adventszeit an den Fenstern.

Die Beschäftigten in Renningen und Leonberg richten ihre Hilferufe vor allem an die Politik – und damit an die richtige Adresse. Verliert doch der Standort Deutschland aus den hinlänglich bekannten Gründen zusehends seine Wettbewerbsfähigkeit.

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