Die BBC muss weitere tausend Stellen streichen. Die konservative Regierung von David Cameron bürdet dem Sender die Übernahme finanzieller Lasten auf und will das Prinzip der Rundfunkgebühr in Frage stellen.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)

London - Die BBC – Großbritanniens weltweit renommierte Rundfunkanstalt – findet sich diesen Sommer erneut in schwerer Bedrängnis. Trotz Tausender von Entlassungen in den letzten Jahren schreibt der Sender immer noch rote Zahlen. Jetzt sollen weitere eintausend Mitarbeiter auf die Straße gesetzt werden. Zugleich erwägt David Camerons Tory-Regierung, den alten öffentlichen Auftrag der Anstalt / kommerzieller Interessen im Mediensektor drastisch zurecht zu stutzen. Aus politischen Gründen hat Cameron sogar damit gedroht, gegebenenfalls die ganze Anstalt schließen zu lassen.

150 Millionen Pfund beträgt das Loch im Budget, das BBC meldet. Ein Großteil der neuen Verluste rührt davon her, dass immer weniger Briten bereit sind, Rundfunkgebühren zu entrichten. Viele Zuschauer ignorieren vermehrt die Live-Ausstrahlung von Programmen und schalten sich dafür ins gestreamte, zeitversetzte Angebot der Anstalt ein, für das es bislang keine Zahlpflicht gibt. Oder sie schauen heimlich über Laptops, Smartphones oder iPads Fernsehen, oft um sich der gesetzlichen Gebührenpflicht zu entziehen. Dass sie ein enormes und wachsendes Problem an dieser Front hat, hat die BBC selbst jetzt erstmals einräumen müssen.

In banger Erwartung sieht die Anstalt nun neuen Regierungsplänen entgegen, die noch diesen Monat veröffentlicht werden sollen. Binnen 18 Monaten muss turnusmäßig zwischen Sender und Regierung eine neue „Königliche Charta“ für die BBC ausgehandelt und die Gebührenfrage frisch geregelt werden. Offenbar will das inzwischen rein konservativ besetzte Cameron-Kabinett die BBC nicht nur zur Übernahme weiterer finanzieller Lasten zwingen, sondern erstmals auch das Prinzip der Rundfunkgebühren selbst in Frage stellen. Regierungskritiker befürchten, dass die BBC vom gesamten Angebot her ausgedünnt werden und zur „Lückenfüllerin“ mit Pflichtstoffen werden soll, während profitable Programme zum Beispiel im Sport- und Unterhaltungssektor den privaten Kanälen vorbehalten bleiben. Das würde die BBC zu einer gesellschaftlichen Randerscheinung machen, wie es in den USA etwa das „National Public Radio“ ist.

Viele finanzielle Belastungen

Allein schon finanziell hat die „Beeb“ schwer zu kämpfen gehabt in den letzten Jahren. Die Rundfunkgebühr von 145,50 Pfund pro Jahr und Haushalt ist seit fünf Jahren nicht mehr angehoben worden. Unter anderem musste die BBC die Kosten des World Service in Höhe von jährlich 450 Millionen Pfund übernehmen, die vorher das britische Finanzministerium getragen hatte. Sie musste auch beitragen zur Ausweitung des britischen Broadband-Netzes. Nun soll sie angeblich auch für die Gebühren-Befreiung der über 75-Jährigen aufkommen, was weitere 600 Millionen Pfund kosten würde. Würde die Regierung außerdem, wie Premier Cameron es gern sähe, die strafrechtliche Verfolgung von Gebühren-Boykotteuren abschaffen, schlüge das mit weiteren 200 Millionen Pfund im Jahr zu Buche.

Von einer regelrechten „Plünderung durch die Regierung“, spricht mittlerweile der liberale Londoner Guardian: „Je mehr die BBC-Rundfunkgebühr herunter geschraubt wird, desto weniger exzellent ist das Angebot der BBC, desto weniger öffentliche Unterstützung erhält die Anstalt, desto weiter schrumpft sie vor sich hin.“

Ein Beispiel für diesen Prozess lieferte vor wenigen Tagen die Vergabe der britischen Ausstrahlungs-Rechte für künftige Olympische Spiele. Erstmals in der Geschichte wird die BBC solche Spiele von 2022 an nicht mehr selbst in vollem Umfang anbieten können, weil die geforderten 920 Millionen Pfund für sie schlicht unerschwinglich sind. Gleichzeitig verringert der Verlust der Spiele natürlich den Wert der Rundfunkgebühr. Bisher gehörten die Spiele mit zum traditionellen „Grundbestand“ der BBC.

Der Premier hat der BBC gedroht

In einem letzten Versuch, die Konservativen freundlich zu stimmen, hat der Intendant der Anstalt, Lord Hall, nun diese Woche die Entlassung weiterer tausend der insgesamt 18 000 Mitarbeiter des Senders angekündigt. „Eine einfachere, schlankere BBC“ soll die Regierung vom Modernisierungs-Willen der Anstalt überzeugen. Vor allem Posten im mittleren und unteren Management sollen gestrichen werden.

Außer neuen Einsparungen möchte Premier David Cameron allerdings auch eine Tory-freundlichere Linie bei der Berichterstattung der BBC durchsetzen. Im Wahlkampf dieses Frühjahres hatte er sich mächtig über die Anstalt geärgert – nämlich als er sich geweigert hatte, an gewissen Wahldebatten teilzunehmen, und die BBC ihn warnte, sie würde ihre Wahldebatten auch ohne ihn durchführen. Notfalls, hatte Cameron Nick Robinson, den Politikchef der BBC, damals wissen lassen, würde er die Anstalt „nach der Wahl einfach dicht machen“.