Hohe Bauzinsen, gestiegene Materialkosten und die mangelhafte Förderpolitik haben zu einem signifikanten Auftragsrückgang in der Baubranche mit rund 8000 Beschäftigten im Kreis Esslingen geführt. Das hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Nils Schmid bei einem Treffen mit Max Czipf, dem zweiten Bevollmächtigten der IG Metall Esslingen, festgestellt, an dem auch Schmids Fraktionskollege Bernhard Daldrup aus Nordrhein-Westfalen teilnahm, der als Fraktionssprecher für Wohnen, Bauwesen und Stadtentwicklung fungiert.
Traditioneller Standort der Bauwirtschaft
Als Folge der genannten finanziellen Probleme würden zu wenig Wohnungen und Gebäude aller Art gebaut, betroffen sei neben Häuslebauern, Mietern und Wohnungsuchenden aber die gesamte Bauwirtschaft, zu der auch Firmen zählen, die in der Region traditionell stark vertreten sind, darin waren sich die Beteiligten einig. Und Daldrup ergänzte, zinsverbilligte Darlehen für den klimagerechten Neubau und die Wiederbelebung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus seien genauso wichtig wie schnelleres und einfacheres Bauen dank novellierter Bauordnungen nach dem Vorbild des Gebäudetyps E.
Beim Blick auf die Unternehmen erklärte Schmid: „Eine starke Bauwirtschaft ist in doppelter Hinsicht wichtig für den Kreis Esslingen. Zum einen wird auch bei uns dringend Wohnraum benötigt. Zum anderen sind beispielsweise die Hersteller von Elektrowerkzeugen, Aufzügen oder Wärmepumpen in der Region traditionell stark vertreten.“ Bauhauptgewerbe, Handwerk und Ausrüstungsindustrie zusammen bildeten einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor, an dem tausende Arbeitsplätze hängen, erläuterte der Nürtinger Bundestagsabgeordnete.
Von der Heizung bis zum Aufzug
Diese Unternehmen aus der Metall und Elektroindustrie sind auch nach den Worten von Max Czipf von der IG Metall Esslingen von den Entwicklungen in der Bauwirtschaft massiv betroffen. Zu den Betrieben, die im Kreis Esslingen ansässig sind, zählt Czipf die traditionellen Elektrowerkzeugehersteller Metabo, Festool und Bosch PT, die Aufzugsfirma TK Elevator mit Sitz in Neuhausen, den Betonpumpenhersteller Putzmeister und den Heizungsbauer Bosch HC.
Für die IG Metall steht fest, dass Unternehmen wie die auch in Wernau ansässige Bosch Home Comfort Group vor allem den Rückgang im Wohnungsbau spürt, da die Kunden bei der Frage verunsichert seien, welche Heizung denn nun die richtige ist. Und eine Firma wie Putzmeister würde profitieren, „wenn der Staat endlich den Investitionsstau bei der Infrastruktur auflösen würde“. Beim Blick auf den Umsatzrückgang seien die Reaktionen der Unternehmen im Kreis unterschiedlich. So habe Metabo im vergangenen Jahr 145 Stellen in der Produktion abgebaut und verlagert, Bosch PT verlagere Stellen im indirekten Bereich wie Marketing und Entwicklung in Low-Cost Länder und die Firma Festool habe in begrenztem Umfang Kurzarbeit angemeldet.
Hoch innovative Betriebe
In der Branche arbeiten im Kreis Esslingen laut Czipf mehr als 8000 Menschen, dabei seien Betriebe, die nicht tarifgebunden sind oder nur als Zulieferer abhängig sind, nicht mitgerechnet. Diese Betriebe würden teils weniger stark wahrgenommen als die großen Automobilhersteller, doch sie seien innovativ und böten vielen Menschen in der Region gute Arbeitsplätze. Die IG Metall fordert von der Politik schnelle Reaktionen wie die Reform der Schuldenbremse, damit der Investitionsstau aufgelöst werden kann.