Es ist ein formaler Akt, mit dem viele wenig anfangen können: Die einzelnen Gesellschaften innerhalb des Klinikverbundes Südwest schließen sich zusammen. Auf einem Notartermin wurde jetzt die Fusion rückwirkend zum Jahresbeginn besiegelt.
Damit sollen vor allem bisherige Eifersüchteleien zwischen den Landkreisen Böblingen und Calw vermieden werden, die mitunter in handfeste Konflikte ausuferten. Beide Gebietskörperschaften sind Träger des Zusammenschlusses, dem die Kliniken in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen angehören.
Beide Kreise haben eigene Interessen. Der Kreis Calw im Schwarzwald ist eher ländlich geprägt, der Kreis Böblingen ist einer der wirtschaftsstärksten landesweit und blickt in Richtung Stuttgart. Dass hier die Weichen teilweise anders gesetzt werden müssen, liegt nahe. Genau das wurde in den jeweiligen Aufsichtsräten so gehandhabt.
Doch die dramatische Finanzlage zwingt den Klinikverbund zum Umdenken. Zuletzt war von einem 70 Millionen-Euro-Loch die Rede. Durch nur noch ein Kontrollgremium sollen die Entscheidungswege verkürzt, die klinikübergreifende Zusammenarbeit von Kreisgrenzen unabhängiger werden.
Grundsätzlich geht dieser Schritt in die richtige Richtung. Landkreise, oft willkürlich zusammengelegt, stellen häufig keine organischen Lebensräume da. Die bestimmen die Menschen durch ihre Lebensgewohnheiten. Nicht nur im alten Landkreis Leonberg ist das gut zu beobachten. Daher ergibt es auch Sinn, die Krankenhäuser in Calw und Nagold stärker in die Gesamtbetrachtung mit einzubeziehen. Besonders letztgenannte Klinik wird verbundweit einen höheren Stellenwert haben – zu Lasten von Herrenberg, das den Status eines vollwertigen Krankenhauses verliert.
Landesweit fehlen 1,5 Milliarden Euro
Die dramatische Situation gibt es nicht nur im Klinikverbund. Am Freitag haben der Landkreistag, der Städtetag und die Krankenhausgesellschaft von Baden-Württemberg Alarm geschlagen: Den Kliniken des Landes fehlen mehr als 1,5 Milliarden Euro. Zwar sind Krankenhäuser ein zentraler Eckpfeiler der Daseinsvorsorge, bei der die Rentabilität nicht im Vordergrund stehen darf. Dennoch werden die Städte und Kreise als Klinikträger mit ihren Nöten allein gelassen.
Dass alle Umstrukturierungsbemühungen nicht reichen, darauf weisen auch die Landräte von Böblingen und Calw hin. Roland Bernhard und Helmut Riegger nennen millionenschwere Investitionen an den einzelnen Standorten und den Bau der Zentralklinik am Böblinger Flugfeld, deren Kosten sich in Richtung einer Milliarde Euro bewegen. Gleichzeitig sprechen sie „von politischem Mut“ und meinen damit die Herabstufung des Krankenhauses Herrenberg sowie Einschnitte in den anderen Kliniken.
Womit wir einen Blick auf Leonberg werfen: Hier sollte die Gynäkologie mitsamt der unlängst erst gestarteten hebammengeführten Geburtshilfe dicht gemacht werden. Erst nach massiven Protesten haben die engagierte Chefärztin Monica Diac und ihr Team eine Art Schonfrist von fünf Jahren bekommen. Eine offensichtlich richtige Entscheidung. In der Leonberger Frauenklinik ist viel zu tun. Das Angebot der Entbindung unter Regie der Hebammen stößt auf große Resonanz, auch bei vielen Müttern aus Stuttgart.
Es zeigt sich also: Einfach nur zentralisieren, ist nicht automatisch der beste Weg. Wie immer kommt es auf passgenaue und intelligente Lösungen an. Was den Bund freilich nicht aus seiner Pflicht entlässt, den bedrängten Krankenhäusern zu helfen.