Warnstreik statt Wein: Am Montag sind etwa 20 Mitarbeiter einem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt. Der Streik in Hessigheim dürfte bislang einzigartig sein. Worum geht es?
Das dürfte die Weinbranche in der Region noch nicht gesehen haben: Etwa 20 Mitarbeiter der Felsengartenkellerei Besigheim (Kreis Ludwigsburg) haben am Montag für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zum Warnstreik aufgerufen. Es ist der erste Streik in der Geschichte der Felsengartenkellerei, womöglich der erste Streik in der Weinbranche in der Region.
Vorausgegangen war eine Betriebsversammlung bei der Felsengartenkellerei nach zwei Verhandlungsrunden der Tarifkommission. „Wir haben alles gegeben, um dem Arbeitgeber klar zu machen, dass die Belegschaft nach mehreren ,Nullrunden’ in den vergangenen Jahren mehr braucht als das zuletzt gebotene halbe Prozent Lohnerhöhung – leider ohne Erfolg“, erklärt Magdalena Krüger, Geschäftsführerin der NGG Region Stuttgart und Verhandlungsführerin.
„Nicht zu viel verlangt“
Die Gewerkschaft fordert für die Mitarbeiter der Felsengartenkellerei 200 Euro Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. „Das ist nicht zu viel verlangt“, sagt Magdalena Krüger. „Das Eckentgelt in der Wein- und Sektbranche liegt zum Beispiel in Rheinland-Pfalz deutlich höher als bei der Felsengartenkellerei.“
Die Arbeitgeberseite sieht das naturgemäß anders. Martin Fischer, seit Sommer geschäftsführender Vorstand der Felsengartenkellerei, sagt: „Die Forderungen der NGG sind unverhältnismäßig, zumal es zum Jahresbeginn bereits eine nicht unerhebliche Erhöhung gab.“ Und weiter: „Die Entlohnung bei uns im Haus wäre mit unserem aktuellen Angebot im Branchenvergleich die Höchste in Baden-Württemberg, daher sucht die NGG auch Vergleiche mit anderen Bundesländern, die wenig relevant sind.“
Fischer verweist zudem darauf, dass es der Weinbranche generell sehr schlecht geht. „Da die Felsengartenkellerei schon lange ihren eigenen, recht erfolgreichen Weg gegangen ist, wurde hier auch immer viel für die Mitarbeiter getan“, so der Chef der Genossenschaft. „Wir können unseren Mitgliedern aber nicht mal ein kostendeckendes Traubengeld bezahlen. Daher sind die Möglichkeiten für Lohnerhöhungen im Prinzip nicht vorhanden. Trotzdem haben wir ein Angebot vorgelegt.“
Solidarität mit den Winzern
Fischer sagt, er sei im Sommer mit dem Anspruch angetreten, „dass hier niemand entlassen wird, obwohl klar war, dass gespart werden muss“. Dies erfordere jedoch auch etwas Solidarität mit den „Arbeitgebern“, nämlich den Winzern, die die Basis für das Geschäftsmodell Genossenschaft bildeten.
Die Gewerkschaft hingegen erwartet nun, dass die Arbeitgeberseite ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch lege. „Andernfalls könnte es zu weiteren Ausständen kommen“, so die Verhandlungsführerin Magdalena Krüger.