Kritik am Vorstand Porsche-Aktionäre wappnen sich

Von Anne Guhlich 

Anteilseigner des Stuttgarter Autobauers Porsche kritisieren die schleppende Aufarbeitung des Dieselskandals. Der Vorstand des Unternehmens muss sich auf rauen Gegenwind einstellen.

Aktionäre werfen Porsche vor, auch 2017 die Pflicht für eine transparente Aufklärung der Dieselaffäre verletzt zu haben. Foto: dpa-Zentralbild
Aktionäre werfen Porsche vor, auch 2017 die Pflicht für eine transparente Aufklärung der Dieselaffäre verletzt zu haben. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Die Führung der Stuttgarter Porsche Automobil Holding SE muss sich auf Gegenwind aus den Reihen der Aktionäre einstellen. Christian Strenger, ein ­renommierter Experte für gute und sau­bere Unternehmensführung, hat für die Hauptversammlung ein sechseitiges Schreiben mit Gegenanträgen eingereicht, das unserer Zeitung vorliegt. Die Porsche SE ist eine strategisch wichtige Holding. Über sie kontrollieren die Auto-Clans Porsche und Piëch die Mehrheit (52,2 Prozent) der VW-Stimmrechte.

Strenger beantragt, dass der Vorstand für das Geschäftsjahr 2017 nicht entlastet wird. Das würde bedeuten, dass ihm ­mangelhafte Pflichtenerledigung bescheinigt wird. Das betrifft auch den bisherigen VW-Chef Matthias Müller, der seit 2010 im Vorstand der Holding sitzt. Vorstandsvorsitzender der Holding ist Hans Dieter Pötsch, der auch VW-Aufsichtsratsvorsitzender ist. „Die Mitglieder des Vorstands haben auch 2017 die Pflicht verletzt, für eine umfassende und transparente Aufklärung der Dieselaffäre zu sorgen“, so Strenger. Die Verantwortung werde weiterhin auf Untergebene abgewälzt.

Der Umbau des Aufsichtsrats soll verhindert werden

Zudem soll der Umbau des Aufsichtsrats der Holding verhindert werden. Die Porsche SE hatte vor einem Monat angekündigt, dass im Aufsichtsrat der Generationswechsel eingeleitet werden soll. Von der vierten Generation der Familien Porsche und Piëch sollen künftig Josef Michael Ahorner (57), Stefan Piëch (47) und Peter Daniell Porsche (44) in das Gremium einziehen. Zu diesem Zweck soll das ­Gremium von sechs auf zehn Mitglieder erweitert werden. Dies ist laut Strenger zu teuer: „Es erschließt sich nicht, warum auch bei unserem Unternehmen nicht ein normaler Generationenübergang statt einer kostenträchtigen Erweiterung des Gremiums (. . .) stattfinden kann“, so Strenger. „Ein Aufsichtsrat (. . .) ist doch keine Schulungsveranstaltung für junge Familienangehörige!“ Die Familienmitglieder Josef Ahorner und Peter Daniell Porsche seien aufgrund von Interessenkonflikten und mangelnden Kenntnissen nicht wählbar: Strenger fordert, das Gremium in seiner Größe zu belassen und nur den ausscheidenden Wolfgang Porsche (dann 75 Jahre) zu ersetzen.

Ein Sprecher der Holding sagte, man werde sich auf der Hauptversammlung am 15. Mai zu den Gegenanträgen äußern. Die Privataktionäre haben bei der Porsche SE kein Stimmrecht.