Kritik am Windkraft-Gutachten „Überzogene Prognose“

Ohne Windräder ist die Energiewende im Land Foto: dpa
Ohne Windräder ist die Energiewende im Land Foto: dpa

Die Empfehlungen des Nachhaltigkeitsbeirats zum Ausbau der Windkraft stoßen auf Kritik. Das geforderte Moratorium wird abgelehnt.

Landespolitik: Andrea Koch-Widmann (akw)
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Stuttgart - Der Nachhaltigkeitsbeirat der Landesregierung hat am Mittwoch ein Gutachten zur Energiewende vorgelegt, die StZ berichtete. An den Empfehlungen zur Windkraft entzündet sich die Kritik. Die Wissenschaftler fordern ein mindestens einjähriges Moratorium beim Ausbau der Windenergie. Damit solle verhindert werden, dass in einem „Eilverfahren irreversible Fehlentscheidungen“ getroffen werden. Während dieser Pause solle die Landesregierung „Planungsveranwortung“ übernehmen und „lokale Begehrlichkeiten einer besonnenen Betrachtung der Konsequenzen der Energiewende“ unterordnen.

Paul Nemeth, der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, weist darauf hin, dass auch der Städte- und Gemeindetag eine längere Übergangsfrist für das neue Gesetz gefordert hatten, um Wildwuchs zu vermeiden. „Wir brauchen bei der Windkraft keine Denkpause, sondern endlich einen zügigen Ausbau“, sagen die beiden Umweltverbände BUND und Nabu. Die monierten Auswirkungen auf das Landschaftsbild seien bekannt, sie dürften aber nicht überhöht werden, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Andre Baumann. Er zeigte sich entsetzt über die „Argumente von vorgestern“. Die BUND-Chefin Brigitte Dahlbender sagte: „Eine sofortige Energiewende ist alternativlos und sowohl umweltschonend als auch wirtschaftlich und sozialverträglich möglich.“ Der Beirat verkenne, dass im neuen Winderlass Regelungen zum Ausbau der Windkraft festgelegt seien. Darauf weist auch Walter Witzel, der Landesvorsitzende des Bundesverbands Windenergie (BWE) hin. Die aus naturschutzrechtlicher Sicht besonders schützenswerten Gebiete seien darin als Standorte ausgenommen. Deshalb lehne auch der BWE eine einjährige Denkpause ab. Er halte auch nichts von der Forderung, „Erfahrungen zu sammeln“ mit den kleinen Zwei-Megawatt-Anlagen, die angeblich das Landschaftsbild nachhaltig veränderten. Solche Anlagen stünden schon an die zehn Jahre im Freiburger Raum. Als „schiefe Darstellung“ bezeichnet Witzel die Berechnungen zur Leistungsfähigkeit der Windräder. Diese sei abhängig von den Standorten.

Nachhaltigkeitsbeirat zeichnet „Horrorszenario“

„Wir müssen die Energiewende schaffen. Das geht nur mit der Windkraft“, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Die Ziele seien definiert: Zehn Prozent des Strombedarfs soll bis 2020 durch die Windkraft erzeugt werden, rund 1200 Windräder der Drei-Megawatt-Klasse sind laut Ministerium dafür notwendig. Der Nachhaltigkeitsbeirat jedoch macht eine andere Rechnung auf: 1649 solcher Windräder seien dafür notwendig, allesamt höher als das Ulmer Münster. Bis 2050 seien sogar 8000 Windräder notwendig, um fossile Energieträger zu ersetzen. Hier habe der Beirat „ein Horrorszenario“ gezeichnet, heißt es aus dem Ministerium. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, der Bundes- und Landesregierung berät, hält nichts von der Prognose: Man könne nicht auf 2050 hochrechnen anhand der heutigen Technik. Dies würde dem Stand der Wissenschaft nicht gerecht.

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