Kritik an der Efsa Interessenkonflikt im Amt?

Von Thomas Magenheim-Hörmann 

Das EU-Amt für Lebensmittelsicherheit Efsa ist wegen Verbindungen zu Industrie in die Kritik geraten.

Harry Kuiper, und ein weiterer Efsa-Experte seien seit Jahren beim Lobbyistenverband Ilsi unter Vertrag. Der wird von Konzernen wie Nestlé bezahlt. Foto: ap
Harry Kuiper, und ein weiterer Efsa-Experte seien seit Jahren beim Lobbyistenverband Ilsi unter Vertrag. Der wird von Konzernen wie Nestlé bezahlt. Foto: ap
München - Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa ist von der mit Genpflanzen experimentierenden Industrie unterwandert. Diesen Vorwurf hat die Expertengruppe Testbiotech erhoben, die sich als unabhängiges Institut für die Folgenabschätzung der Biotechnologie versteht. "Es klingt wie eine Verschwörungstheorie, aber wir haben es gut dokumentiert", sagte Testbiotech-Chef Christoph Then vor Journalisten in München.

Der Leiter der Efsa-Expertengruppe für gentechnisch veränderte Pflanzen, Harry Kuiper, und ein weiterer Efsa-Experte seien seit Jahren auch beim Lobbyistenverbandes Ilsi unter Vertrag. Der wird von Konzernen wie Monsanto, Nestlé oder Bayer bezahlt. Kuiper habe maßgeblich an den Efsa-Prüfvorschriften für Genpflanzen mitgearbeitet und damit einen klaren Interessenkonflikt, kritisiert Then. Die Efsa-Vorschriften seien absatzweise wortgleich mit Positionspapieren der Ilsi und trügen damit die Handschrift der Industrie, die eigentlich von der Behörde im italienischen Parma kontrolliert werden soll.

Die Efsa erkennt keinen Interessenkonflikt


Nach Angabe von Testbiotech ist es bereits das zweite Mal, dass diese Organisation eine Interessenkollision bemängle. So habe eine hochrangige Efsa-Managerin jüngst ohne Auflagen oder Übergangszeit zum schweizerischen Agrarkonzern Syngenta und damit die Seiten gewechselt. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hatte vor kurzem personelle Verbindungen zwischen kontrollierender EU-Behörde und Industrielobby enthüllt, was das Umweltbundesamt und EU-Parlamentarier hellhörig gemacht hat.

Die Efsa kann indessen keinen Interessenkonflikt erkennen. Man greife auf alle seriösen Daten zurück, auch solche der Industrie, solange sie von hoher fachlicher Qualität seien, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Von den Experten, die für Efsa arbeiten, verlange man nicht, dass sie keinen Kontakt zur Industrie haben. Sie müssten sie aber offenlegen. Kuiper räumt darin seine Arbeit für das International Life Sciences Institute (Ilsi) in den USA ein. Dieses bezeichnet sich selbst als neutrales Forum für Experten aus Wissenschaft, Industrie und Politik unter anderem zur Risikoabschätzung für Biotechnologie ohne Lobbyauftrag.

Kaum ein Forscher ist nicht mit Konzernen verflochten


In der Sache kritisieren unabhängige Experten wie Then, dass gentechnisch veränderte Pflanzen derzeit ohne jeden Fütterungsversuch bei Tieren zugelassen würden. Auch werde die Reaktion von Genpflanzen auf Umwelteinflüsse nicht getestet. "Wir wollen wissen, was zum Beispiel gentechnisch veränderter Mais auf dem Acker macht", verdeutlicht Then. Derzeitige Praxis sei es, lediglich isolierte Eiweißverbindungen, aber nicht die ganze Genpflanze zu testen, was keine verlässlichen Resultate liefere. "Wenn man die Risiken nicht sucht, wie soll man sie dann finden?", fragt Then anklagend.

Das sieht auch Angelika Hilbeck so. Die Wissenschaftlerin forscht seit 1994 in der Gentechnik und ist derzeit an der Technischen Hochschule Zürich tätig. Die Industrie versuche auf diesem Gebiet, in den USA wie nun auch in Europa immer mehr, kritische Wissenschaftler zu beeinflussen oder zu diskreditieren. Es gebe daher kaum noch Forscher, die nicht mit Konzernen verflochten seien. Für Unternehmen kritische Studien würden in der Regel nicht publiziert. "Die Industrie kontrolliert die Sicherheitsforschung", behauptet Hilbeck.