Kritik an Eltern auf Facebook Jugendliche machen Radau in Grafenau

Fünf Teenager sollen zuletzt in Grafenau Unruhe gestiftet haben (Symbolbild). Foto: Eibner

Krawall in lauen Sommernächten: Eine Gruppe Teenager beschäftigt Anwohner und Polizei – und klaut eine Überwachungskamera, weil diese sie wohl erfasst hatte.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Warme Nächte, Sommerferien, viel freie Zeit und zu wenige Ideen, was man damit anstellen soll. Danach klingt ein anonym verfasster Beitrag, der zuletzt in der lokalen Facebook-Community „Grafenau Döffingen & Dätzingen“ hohe Welle schlug. Die Rede ist dort von fünf Jugendlichen, die entlang der Döffinger Straße zwischen Nettomarkt und Seniorenheim in der Nacht auf Donnerstag Krawall gemacht haben sollen.

 

Es handle sich demnach um zwei Mädchen und drei Jungs im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. Die Gruppe sei zuletzt mehrfach zwischen 2 und 3 Uhr nachts im Ort unterwegs gewesen. Die Teenager haben laut dem anonymen Community-Mitglied etwas von einem Privatgrundstück entwendet sowie Steine in Häuser und an Rollläden geworfen. Außerdem habe man in geöffnete Fenster hineingesprochen und so die Anwohner geweckt. „Es wurde eingebrochen, indem man Rollos nach oben drückte, durchs Fenster kletterte und auch etwas vom Hausinneren entwendete“, heißt es weiter in dem Facebook-Post.

Die Gruppe stiehlt eine Kamera – vermutlich, weil diese sie gefilmt hat

Man habe Beweisaufnahmen und es seien auch alle Gesichter zu erkennen, steht in dem Beitrag weiter. Offenbar gab es auch den Versuch, die Jugendlichen festzuhalten. Darauf deutet jedenfalls die Formulierung hin, dass „bei einem Manöver“ ein „großer, dünner Jugendlicher“ zweimal zu Boden gefallen sei, dann aber wohl doch noch entwischen konnte.

Weiter berichtet der namenlose Facebook-Nutzer von einer gestohlenen Kamera. Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt, handelte es sich hierbei um eine Überwachungskamera im Bereich des Seniorenzentrums. „Anscheinend haben die Jugendlichen gemerkt, dass sie gefilmt wurden, und haben die Kamera mitgenommen“, vermutet Polizeipressesprecher Steffen Grabenstein.

Wie der Erste Polizeihauptkommissar beim für den Kreis Böblingen zuständigen Polizeipräsidium Ludwigsburg mitteilt, ermittelt die Jugendsachbearbeitung des Polizeipostens Maichingen tatsächlich im Zusammenhang mit einigen Vorfällen mit fünf Jugendlichen im Grafenauer Ortsteil Dätzingen. Bisher seien die Teenager nicht im Zusammenhang mit anderen Delikten oder Ordnungswidrigkeiten aufgefallen. Allerdings bestätigt die Polizei, dass es – abgesehen von den auf Facebook beschriebenen Ereignissen in der Nacht auf den 15. August – weitere Vorfälle gegeben habe. „Zum Beispiel Steinchen gegen Fenster werfen, an Rollläden klopfen, Anwohner erschrecken und ähnlicher Unfug“, zählt Grabenstein auf.

Facebook-User kritisieren die Eltern der Teenager

Unter dem Facebook-Post finden sich binnen kurzer Zeit zahlreiche Kommentare. Oft wird dabei Kritik an den Erziehungsberechtigten laut. „Ich stelle mir nur die Frage, warum es den Eltern nicht auffällt, dass ihre Kinder so spät nachts noch unterwegs sind“, meint beispielsweise eine Frau, die sich als Elternbeiratsvorsitzende an der Grafenauer Gemeinschaftsschule vorstellt und angibt, einige der Jugendlichen zu kennen. Andere geben sich selbst als von Radau und Randale geplagte Anwohner zu erkennen und fordern ein hartes Durchgreifen der Polizei.

Aber was können die Beamten in einem solchen Fall überhaupt tun? Schließlich geht es ja um Minderjährige. „Das Alter spielt in der Sache eine zunächst untergeordnete Rolle“, erklärt Polizeisprecher Steffen Grabenstein. Die Polizei nehme zunächst grundsätzlich immer die Ermittlungen auf. Bei Straftaten wie etwa dem besagten Diebstahl einer (laut Facebook-Kommentar mittlerweile wieder zurückgebrachten) Kamera werde auch immer eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vorgelegt. „Sind die Personen strafmündig, kann das Jugendverfahren dann im Ermessen der Staatsanwaltschaft weiter betrieben werden“, sagt der Polizeipressesprecher.

In jedem Fall würde die Polizei aber immer die Minderjährigen und deren Erziehungsberechtigte kontaktieren, um persönliche Gespräche zu führen. Dabei werde – unabhängig von einem möglichen Jugendverfahren – versucht, Einsicht bei den Jugendlichen und ihren Eltern zu erzielen, dass das Handeln nicht richtig war. „Ziel ist hier in erster Linie die Prävention, also das Verhindern weiterer solcher Vorfälle“, so der Erste Polizeihauptkommissar Grabenstein.

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