Die Lage ist besser geworden, aber ideal ist sie noch nicht. Das Bürgeramt und der Bürgerservice Einwanderung, das frühere Ausländeramt der Stadt Esslingen, hatten negative Schlagzeilen gemacht. Heftige Kritik wurde an den viel zu langen Wartezeiten, dem Antragsstau, dem unzureichenden Service, dem hohen Krankenstand unter den Mitarbeitenden und den Problemen bei der Erreichbarkeit der Behörde geübt. Die Situation war untragbar, nun wurde nachgebessert.
Ziel noch nicht erreicht
Die Lage habe sich entspannt, es gebe aber weiterhin Handlungsbedarf, gab Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar bekannt. „Alle getroffenen Maßnahmen sind gut und richtig. Aber wir sind noch nicht am Ziel“, sagte er im Rahmen einer Sitzung des Fachrats für Migration und Integration (FMI).
Die Nerven lagen blank. Mitarbeitende und Besucher des Bürger- und Ausländeramtes der Stadt Esslingen gerieten an ihre Grenzen und waren am Ende ihrer Belastbarkeit. „Ich glaube, ich habe noch nie einen so schlechten Service gesehen wie hier. Auf zehn E-Mails wird nicht geantwortet! Auch meine 50 Anrufe werden einfach ignoriert“, ist in einer vor elf Monaten verfassten Beurteilung zu lesen. Zu Jahresbeginn 2022 lag die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin im Bürgeramt bei 115 Tagen. Der Frust war bei allen Beteiligten groß.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht
Nun sei vieles besser geworden, sagte Yalcin Bayraktar. Die Stimmung sei sowohl unter den Mitarbeitenden als auch unter den Kunden positiver geworden: „Im Vergleich zu der Lage vor einem Jahr oder auch vor sieben Monaten ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es geht aufwärts.“ Bewährt haben sich nach Angaben des Sozialbürgermeisters die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter, personelle Änderungen, die Verbesserung interner Abläufe und Umstrukturierungen. Beispielsweise konnten durch den Umzug des Bürgerservices Einwanderung aus den bisherigen beengten Räumlichkeiten in die ersten beiden Stockwerke des Bürgeramts in der Beblingerstraße die Kapazitäten zur Bearbeitung von Anträgen laut Stadt erheblich erhöht werden.
Die Einrichtung einer offenen Sprechstunde hat sich nach den Worten von Yalcin Bayraktar ebenfalls bewährt. An jedem Donnerstag im Januar hätten etwa 600 Menschen das Angebot genutzt, um ihre Anliegen vorzutragen. Die Resonanz sei positiv. Negativ sei aber, dass überhaupt so viele Menschen zu den offenen Sprechstunden kommen mussten: „600 Menschen kamen zu den zehn Beratungsplätzen – das sind 60 Personen pro Beratungsplatz, etwa acht Leute pro Stunde.“
Der Servicepoint Ukraine
Zur Entspannung der angespannten Lage trug nach den Worten des Sozialbürgermeisters zudem die Einrichtung des Servicepoints Ukraine unter der Regie des Amts für Soziales bei. An dieser Anlaufstelle könnten vor dem russischen Angriffskrieg Geflüchtete alle nötigen Schritte und Formulare wie die Anmeldung an einem Ort erledigen. Und auch eine Erstberatung durch die Sozialen Dienste werde durchgeführt. „Hier gibt es alles aus einem Guss“.
Einiges wurde getan, und einiges ist noch zu tun. Doch Yalcin Bayraktar führt auch die großen Anstrengungen Esslingens in der Migrationsarbeit an: Ein Großteil der im Landkreis ankommenden Flüchtlinge erhalte im Stadtgebiet eine vorläufige Unterbringung.