Kritik an Präsenzunterricht Unterricht auf Abstand
Lehrerverbände wettern gegen die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Kretschmann pocht auf die Wahrung des Abstands. Susanne Eisenmann weist die Kritik zurück – und verweist auf gemeinsame Beschlüsse.
Lehrerverbände wettern gegen die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Kretschmann pocht auf die Wahrung des Abstands. Susanne Eisenmann weist die Kritik zurück – und verweist auf gemeinsame Beschlüsse.
Stuttgart - Mit heftiger Kritik haben Lehrerverbände wie die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband auf die Ankündigung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) reagiert, auch die Klassen 5 und 6 von der kommenden Woche an in den Präsenzunterricht zurückkehren zu lassen. Dabei „soll im Rahmen der personellen und räumlichen Ressourcen ein Abstand auch zu und zwischen den Schülern gewährleistet werden“, heißt es in einem Schreiben vom Montag an die Schulleiter im Land, etwa durch die Nutzung größerer Räume oder die Aufteilung der Schüler auf zwei Klassenzimmer.
Die GEW reagierte empört. Der Ministerpräsident „Winfried Kretschmann hat versprochen, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert sind“, kritisierte die GEW-Chefin Monika Stein und forderte weiter Wechsel- statt Präsenzunterricht für die weiterführenden Schulen. Die Kultusministerin habe es versäumt, landesweit für klare Regeln und eine Teststrategie zu sorgen. Stattdessen schiebe sie die Umsetzung wieder auf die Schulleiter ab. Ähnlich äußerte sich der Philologenverband. Die Regelung sei „unverständlich und unverantwortlich“, so der Verbandschef Ralf Scholl. Eisenmann öffne Schulen ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Kultusministerin hingegen vermisst bei der GEW Rücksicht auf die Interessen der Schüler. Im Übrigen sei das Wechselmodell für die Schulen das aufwendigste, weil Notbetreuung, Fern- und Präsenzunterricht gleichzeitig geschultert werden müssten. In den Abschlussklassen, die schon jetzt in den Klassenzimmern unterrichtet werden, gelte zudem auch kein förmliches Abstandsgebot. Kretschmann (Grüne) hatte am Dienstag in der Regierungspressekonferenz gesagt, ein Abweichen von der Abstandsregel sei nur im absoluten Ausnahmefall möglich, Eisenmanns Soll sei hier als Muss zu verstehen. „Das muss sie organisieren“, so der Regierungschef. Wenn das nicht möglich sei, sei Wechselunterricht zu erwägen.
Ein förmlicher Mindestabstand für die Klassenstufen 5 und 6 sei in der geltenden Corona-Verordnung nicht formuliert, wies Eisenmann die Kritik zurück. Das müsse dem Ministerpräsidenten auch bekannt sein, immerhin sei ihr Schreiben an die Schulleiter am Wochenende gemeinsam mit dem Staatsministerium abgestimmt worden.
Unabhängig von den Vorwahl-Hakeleien wird im Kultusministerium überlegt, wie die Bildungslücken, die durch die Corona-Krise entstanden sind, geschlossen werden können. „Wir wollen versuchen, schon in den Pfingstferien wieder Lernbrücken anzubieten“, sagte eine Sprecherin. Dafür würden Lehrer, Referendare und Studenten rekrutiert.
Auf alle Fälle soll in den Sommerferien wieder ein entsprechendes Angebot eingerichtet werden, das aber breiter angelegt werden soll als das vom vergangenen Jahr, wie Eisenmann am Montagabend ankündigte. Vorigen Sommer hatten 6000 Lehrer 50 000 Schülern während der Ferien Nachhilfe gegeben. Die Kultusministerkonferenz beschloss vergangene Woche, zusammen mit dem Bundesbildungsministerium zusätzliche Nachhilfekonzepte zu erarbeiten. Dabei sollen eventuell auch private Nachhilfeinstitute einbezogen werden.