Der Aufschrei im Netz ist riesig. Das Verständnis für die Entscheidung der Hofkammer das Hauses Württemberg, den Pachtvertrag mit dem Bootsverleiher Thomas Leitz am Monrepos-See nicht zu verlängern, hält sich nicht nur in Grenzen – es ist im Grunde so gut wie nicht vorhanden. Am 1. Juli soll Schluss sein.
„Schade“, „traurig“, „ohne Worte“ ist in den Kommentaren auf den Facebook-Seiten unserer Zeitung zu lesen. Der Bootsverleih sei ein Kulturgut. Er gehöre zum Erholungsgebiet einfach dazu. Andere beschränken sich nicht aufs Bedauern, sondern rufen gar zu Demonstrationen auf. Viele sind entsetzt darüber, dass die Existenz des Bootsverleihers nach 25 Jahren aufs Spiel gesetzt wird.
Ein Facebook-Nutzer will wissen, ob der Golfplatz dann auch geschlossen wird. Um sich mit einem etwas zynischen Unterton selbst die Frage zu beantworten: „Ach nee, da spielen ja die Kunden, die dann im Anschluss an eine Partie Golf den Wein vom Hofgut kaufen.“
Bootsverleih ist für OB Knecht „unverzichtbar“
Mit Zynismus reagiert Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht nicht auf die Nachricht der Hofkammer. Der Stadtchef ist bestürzt. Für die Entscheidung der Hofkammer des Hauses Württemberg, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, hat der Rathauschef keinerlei Verständnis. Das macht er deutlich.
Der Verwaltungschef hatte selbst über die Presse von der Entscheidung erfahren. „Ich bin überrascht worden“, sagt Knecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Jahr 1957 wurde der Monrepos-See zum ersten Mal für einen Bootsverleih verpachtet. Er gehöre zu Monrepos, betont Knecht: „Er ist unverzichtbar.“ Auch, aber eben nicht nur, weil er den touristischen Mehrwert erhöhe. „Es ist traurig, dass man künftig nur noch am Rande des Sees spazieren gehen kann.“ Die Hofkammer trage eine große Verantwortung für das große Areal, sagt der Verwaltungschef. „Es ist eine finanzielle und wirtschaftliche Herausforderung, für die ich Verständnis habe, dennoch halte ich die Vorgehensweise für schwierig“, übt Knecht Kritik.
Rainer Setzer, der bei der Hofkammer des Hauses Württemberg unter anderem für den Bereich Immobilien und die Liegenschaften zuständig ist, räumt ein, dass die Kommunikation „etwas hektisch“ gelaufen sei. Dass Knecht nicht schon im Vorfeld informiert wurde, verteidigt er jedoch. „Der OB informiert uns auch nicht über alles“, sagt Setzer.
Dass das Thema so emotional belegt sei, habe man durchaus „etwas unterschätzt“, räumt Rainer Setzer ein. „Aber man darf das Thema auch nicht so hoch hängen.“ Sollte es zu den in den sozialen Medien angeregten Demonstrationen kommen, werde die Hofkammer entsprechend reagieren. „Auf unserem Privatgrund wird nicht demonstriert“, stellt er klar.
Standsicherheit von 50 bis 70 Bäume ist fraglich
Die Hofkammer habe den Vertrag mit Leitz nicht aus Spaß nicht verlängert. „Und es hat auch nichts mit der Person Thomas Leitz zu tun“, stellt Setzer klar. Auch finanzielle Gründe oder die umfangreiche Dachsanierung des Seeschlosses seien nicht ausschlaggebend gewesen. Vielmehr gehe es vorrangig um die Sicherheit der Bootsfahrer. Denn Ende Februar habe ein Baumpfleger Alarm geschlagen. „Er konnte uns die Standsicherheit von 50 bis 70 Bäumen in den Kanälen nicht mehr bescheinigen und hat uns dazu geraten, die Kanäle daher nicht mehr befahren zu lassen.“
Sie sind bereits mit Leinen abgeriegelt. „Aber es gibt immer wieder Leute, die trotz der Absperrung in die Kanäle fahren – das kann niemand verhindern.“ Falle jedoch ein Baum auf ein Boot und verletze jemanden, dann hafte die Hofkammer beziehungsweise Herzog Michael und der Hofkammer-Präsident persönlich. Dieses Risiko wolle man nicht eingehen, so Setzer.
Dürfen die Bäume ausnahmsweise gefällt werden?
Jetzt will die Hofkammer im Gespräch mit dem Landratsamt als zuständige Naturschutzbehörde klären, ob die Bäume gefällt werden können – trotz des Landschaftsschutzgebietes. Ist dies der Fall, dann könnte irgendwann wieder Boot gefahren werden. Doch manchmal würde der Naturschutz auch wirtschaftliche Interessen schlagen.
Dass diese Gespräche seit Februar noch nicht geführt wurden, liege nicht an der Kreisbehörde, versichert Setzer: „Das hat an uns gelegen.“ Jetzt soll es einen Termin mit Landrat Dietmar Allgaier geben, an dem Herzog Michael und Hofkammer-Präsident Henrik Lingenhölin teilnehmen werden. „Leider sind die beiden Herren terminlich so verplant, dass wir dem Landrat bislang keine Terminvorschläge machen konnten.“
Auch der Ludwigsburger Rathauschef will das Gespräch mit der Hofkammer suchen. Dazu hat ihn auch der Stadtteilausschuss Eglosheim aufgefordert. „Wir sind alle in unserer Jugend, später mit unseren Kindern, Neffen, Nichten und Enkelkindern dort mit den Booten gefahren“, sagt Mitglied Beate Mitschele. Der Bootsverleih sei eine wesentliche Attraktion des Monrepos-Geländes. „Vor allem für Familien ist das oft der einzige Grund einen Ausflug dorthin zu unternehmen.“
Nicht verstehen kann Mitschele, warum die Kanäle nicht so gesperrt werden können, dass niemand mehr durchfahren kann. „Da gibt es doch, wenn man möchte, sicherlich attraktive, aber auch sichere Lösungen.“ Man bitte die Hofkammer, zu überprüfen, ob nicht eine Weiterführung zumindest bis zum Beginn der Renovierungsarbeiten am Seeschloss möglich und vertretbar wäre. „Einen Monrepos-See ohne Bootsverleih können wir uns nicht vorstellen.“