Kritik an Stuttgarter Prälatin Evangelische Kirche streitet über Homo-Ehe

Von Martin Haar 

Konservative Kreise kritisieren die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold für deren öffentliche Äußerungen. Manche sprechen gar von einer „Eskalation der Debatte“.

Die evangelische Kirchengemeinde Zuffenhausen heißt schwule und lesbische Paare willkommen. Foto: Lichtgut/Verena Ecker
Die evangelische Kirchengemeinde Zuffenhausen heißt schwule und lesbische Paare willkommen. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Stuttgart - Die Kritik der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold an der evangelischen Landeskirche und deren Haltung in Sachen Segnung der Homo-Ehe wird von konservativen Kirchenkreisen missbilligt. Aber auch in der Landeskirche haben die Einwürfe der Regionalbischöfin Unmut erzeugt. Man hätte es lieber gesehen, wenn Gabriele Arnold den Experten-Studientag zu diesem Thema am 24. Juni in Bad Boll abgewartet hätte. Stattdessen sagte Arnold gegenüber dieser Zeitung: „Wir brauchen eine Öffnung, sonst beschädigen wir die Kirche.“ Tatsächlich ist die württembergische Landeskirche in Deutschland die einzige, die gleichgeschlechtlichen Paaren den gottesdienstlichen Segen verweigert.

Diese Haltung haben nun konservative Kräfte in der Landeskirche verteidigt. Mehr noch: Sie kritisieren das Vorgehen der Stuttgarterin Arnold scharf. „Offensichtlich wollen einige auf die Synodalen einen erheblichen Druck ausüben und sich selbst öffentlich als Modernisierer stilisieren. Ein solches Verhalten ist nicht nur dienstrechtlich nicht akzeptabel, sondern biblisch-theologisch äußerst fragwürdig. Vor allem aber schadet es unseren Gemeinden erheblich: Es droht, unsere Kirche zu spalten“, sagt Steffen Kern, EKD-Synodaler, Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbands Die Apis und stellvertretender Vorsitzender der Christus-Bewegung Lebendige Gemeinde.

Kritik an Eskalation der Debatte

Kern kritisiert „die Eskalation der Debatte“ sowie die von Arnold „erhobenen Vorwürfe gegen die Kirchenleitung“. Weiter sagt Kern: „Wenn öffentlich von Maulkörben gesprochen wird, die angeblich andere aus der Kirchenleitung verteilten, ist das eine erhebliche Eskalation in der Debatte. Sie bringt Misstrauen und scharfe Abgrenzung zum Ausdruck. Ich erwarte von der Kirchenleitung, dass sie selbst die Einheit wahrt, um die wir in der ganzen Landeskirche ringen.“

Auslöser der ganzen Debatte, war die Unterstützung der Initiative Regenbogen durch die Gemeinde Oswald-Wolfbusch in Weil­imdorf, als 13. der insgesamt 66 Stuttgarter Gemeinden in Stuttgart. Die Regenbogen-Gemeinden heißen nicht nur lesbische und schwule Gemeindeglieder willkommen, sie sind auch offen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und unterstützen Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihren Partnern gleichen Geschlechts im Pfarrhaus leben wollen.

Steffen Kern ist der Ansicht, dass darauf ein Großteil der Pfarrerschaft und Kirchengemeinderäte in Württemberg weit über den Pietismus hinaus mit einem wohl begründeten schlichten Nein antworte: „Die Frage, ob etwa Homosexuelle in Gemeinden ein Zuhause finden und in unserer Kirche ohne Ausgrenzung angenommen sein sollen, beantworten dieselben Verantwortlichen gerade auch aus dem Pietismus mit einem entschiedenen Ja.“




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