Hier sollen vier Windkraftanlagen und eine Photovoltaikanlage gebaut werden - dagegen wehrt sich die Bürgerinitiative „Gegenwind Sachsenheim“. Foto: Gegenwind Sachsenheim
In Sachsenheim formiert sich Widerstand gegen Windräder und PV-Anlagen: Eine Bürgerinitiative wehrt sich, während die Stadt der Gruppe und Medien Falschinformation vorwirft.
Die Bürgerinitiative „Gegenwind Sachsenheim“ hat ihr erstes Etappenziel erreicht: Sie hat genügend Unterschriften gesammelt, um ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Energiepark Alleenfeld in Sachsenheim auf den Weg zu bringen. Genau 1025 Unterschriften waren notwendig – jetzt hofft die Initiative, das Energieprojekt über einen Bürgerentscheid stoppen zu können.
Geplantes Energieprojekt auf dem Alleenfeld
Auf dem Alleenfeld, einer Fläche zwischen Kleinsachsenheim und Hohenhaslach, plant das Privatunternehmen Hofkammer des Hauses Württemberg gemeinsam mit dem Betreiber Vento Ludens den Bau von zwei Windkraftanlagen sowie einer 34,2 Hektar großen Photovoltaikanlage.
Die beiden Windräder sollen jeweils eine Gesamthöhe von 262 Metern erreichen. Zusammen mit der Solaranlage reiche die Leistung aus, um mehr als 20.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Zusätzlich möchte die Stadt auf eigenen Flächen zwei genossenschaftliche Bürgerwindräder errichten.
Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich steht ein heißer Herbst bevor: Die Stadtverwaltung will den Bürgern aufzeigen, dass der Energiepark für die Stadt von Vorteil ist. Foto: Werner Kuhnle
Allerdings sei für die privatwirtschaftlichen Windräder der Hofkammer keine Genehmigung der Stadt notwendig. „Der Gemeinderat könne das Projekt, selbst wenn er wollte, nicht verhindern“, erklärt ein Sprecher der Stadt. Anders verhält es sich bei den städtischen Windrädern sowie bei der Photovoltaikanlage. Hier war eine Zustimmung des Gemeinderats notwendig. Diese Projekte sind Ziel des Bürgerbegehrens.
Die Bürgerinitiative will zudem den Bau der beiden privat geplanten Windräder verhindern. Ihrer Einschätzung nach würde sich das Projekt für den Investor nicht mehr rechnen, falls der Bürgerentscheid sowohl den Bau der Photovoltaikanlage als auch der städtischen Windräder stoppen sollte.
Die Stadtverwaltung Sachsenheim befürchtet derweil, dass viele Falschmeldungen rund um das Energieprojekt im Umlauf sind. In einem Schreiben hat die Stadt zentrale Kritikpunkte der Bürgerinitiative aufgegriffen und versucht, diese zu entkräften. Zahlreiche Kritikpunkte der Bürgerinitiative werden in diesem Schreiben jedoch nicht kommentiert.
Immer wieder kritisierte die Bürgerinitiative, dass die Bürger nicht ausreichend informiert wurden. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich die Stadt. Es habe Bürgerveranstaltungen, Ortschaftsräte und öffentliche Gemeinderatssitzungen gegeben, heißt es in dem Schreiben.
Auch wirtschaftliche Vorteile hebt die Stadt hervor: Durch den Energiepark könnten Gewerbesteuereinnahmen generiert werden. Zudem habe der Betreiber Vento Ludens zugesagt, 0,2 Cent pro Kilowattstunde an die Stadt zu zahlen – und nicht, wie von der Initiative behauptet, nur 0,05 Cent. Zwar sei das noch nicht vertraglich fixiert, doch eine Zusage liege vor.
Weht auf dem Alleenfeld zu wenig Wind?
Die Bürgerinitiative verweist darüber hinaus auf mögliche Gesundheitsgefahren durch Lärm, Schattenwurf und Infraschall. Laut Stadtverwaltung sollen diese jedoch unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte bleiben.
Auch der Vorwurf, das Landschaftsbild werde massiv beeinträchtigt, wird von der Stadtverwaltung zurückgewiesen. Denn durch die räumliche Konzentration von Wind- und Solarenergie an einem Standort werden andere Flächen bewusst vor Eingriffen freigehalten. Zudem sollen unter der Photovoltaikanlage Schafe weiden, das sichere die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche.
Kritisch sieht „Gegenwind Sachsenheim“ zudem die Wirtschaftlichkeit der Windenergie am Standort: Dort wehe zu wenig Wind, um rentabel Strom zu produzieren. Die Bürgerinitiative stützt sich bei dieser Aussage auf Daten des Betreibers Vento Ludens. Diese Kritik kommentiert die Stadt nicht.
Dagegen hebt die Stadtverwaltung hervor, dass eine lokale und regionale Energieversorgung Übertragungskosten spart, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen mildert und einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Bürgerentscheid im Oktober möglich
Am Freitag, 29. August, sollen die Unterschriften im Rathaus übergeben werden, teilt ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. Dann werde geprüft, ob alle notwendigen Formalitäten eingehalten wurden. Voraussichtlich am 23. Oktober entscheidet der Gemeinderat, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt.
Dann könnten die Bürgerinnen und Bürger in Sachsenheim direkt darüber abstimmen, ob die städtischen Windräder und die große Photovoltaikanlage gebaut werden – oder ob das Projekt am Widerstand der Initiative scheitert.