Der neue Band „Asterix in Lusitanien“ ist ganz frisch auf dem Markt. Heiß ersehnt von manchen. Doch der Esslinger Comic-Experte Frieder Maier übt Kritik.

Römer verkloppen, Cäsar ärgern, Evergreen-Zitate wie „Die spinnen, die Römer“ – Asterix-Rituale, die viele Fans lieben. Doch Frieder Maier als Comic-Kenner und Inhaber des Comic-Ladens Sammlerecke in der Esslinger Pliensauvorstadt übt Asterix-Bashing. In seinen fast 40 Jahren als Händler hat er einige Comic-Reihen kommen und gehen sehen. Die Asterix-Reihe trotzt dem Zahn der Zeit – noch: Der Humor sei überholt, die Klischees nicht mehr zeitgemäß, der Gallier ein angestaubter Dino-Charakter.

 

Asterix als Kassenschlager. Natürlich. Das streitet auch Frieder Maier nicht ab. Der neue, der inzwischen 41. Band komme in Deutschland mit einer Auflage von 1,7 Millionen Exemplaren heraus, weltweit seien es fünf Millionen. Diese Zahl spreche für die große Beliebtheit hierzulande. Seit Erscheinen der Comics um den kleinen Gallier aus dem Dorf der Unbeugsamen seien insgesamt etwa 400 Millionen Exemplare weltweit verkauft worden.

Kritisiert Asterix als überholt: Comic-Experte Frieder Maier aus Esslingen. Foto: Markus Brändli

Bei Asterix ist aber vieles so, wie es immer war: Die stinkenden Fische von Händler Verleihnix sorgen für dorfinternen Krawall, Verleihnix prügelt sich seinerseits mit Schmied Automatix, das ganze Dorf gemeinsam schlägt die Römer. Dazu gibt es Trips ins Ausland, bei denen Einheimische durch den Kakao gezogen werden. Nationenschelte – das ist einer der Kritikpunkte Frieder Maiers. Bei Reisen in die Ferne würden Klischees und Vorurteile bedient. Dieser Humor möge im Jahr 1959 zur Entstehungszeit des ersten Asterix-Albums witzig gewesen sein, doch im Laufe der Jahrzehnte hätten sich die Ansprüche an Satire und Parodien verändert. Asterix aber sei in diesen Anfangszeiten stehen geblieben.

Neuzeit scheitert laut Maier am Widerstand der Dorfbewohner

Ein Running-Gag der Comic-Serie sind die Piraten, die sich und ihr Schiff bis auf wenige Ausnahmen selbst versenken. Zu der unglücklichen Crew, so Frieder Maier, gehöre ein dunkelhäutiger Seemann mit einem Sprachfehler und dicken Lippen. Noch so ein Klischee, das durchaus als rassistisch angesehen werden könne. Ein Beispiel für viele: Der Serie, meint er, fehlten Weltoffenheit und Anpassung an die aktuellen Zeiten.

Die Neuzeit würde überhaupt am Widerstand der mit Zaubertrank gestählten Gallier abprallen. Das Dorf von Asterix und Co. schotte sich ab, lasse keine Veränderungen zu, entwickle sich nicht weiter. Männer und Frauen würden stoisch die ihnen einmal zugewiesenen Rollen ausüben, Zuwanderung und Migration fänden nicht statt, neue Bewohner hätten kaum eine Chance auf Aufnahme in die Dorfclique.

Esslinger Comic-Experte hat Mitleid mit dem Barden Troubadix

Selbst die höchsten Glücksmomente von Asterix-Intimus Obelix finden keine Gnade vor den Augen von Frieder Maier: Die Comics endeten immer gleich in der heilen Welt der Festbankette, bei denen in der geschützten Intimität des Dorfes geschlemmt und getrunken werde. Der Barde Troubadix werde aufgrund musikalischer Defizite grundsätzlich gefesselt, geknebelt und ausgeschlossen. Auch dieses Verhalten könne nach heutigen Maßstäben nicht mehr toleriert werden.

Frieder Maier hat in seiner Zeit als Händler viele Comic-Trends kommen und gehen sehen – Asterix schlägt sich noch wacker. Foto: Markus Brändli

Texter René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo, die Väter von Asterix, hätten zu ihrer Zeit einen guten Job gemacht, gesteht Frieder Maier zu. Doch ihre Nachfolger im Kreieren der Comics müssten auf ihren ausgetretenen Pfaden weiterarbeiten: „Warum muss Idefix immer gleich aussehen?“. Den Künstlern müsse mehr Freiheit für eigene Interpretationen gelassen werden. Man solle sie nicht in ein 66 Jahre altes Korsett zwingen. Mehr Freiheit für Asterix? In seinem neuen Abenteuer schlägt er sich zunächst einmal mit den Portugiesen in Lusitanien herum. Danach vielleicht noch mit Kritik an seinem nostalgischen Habitus.