Kritik im Jahresbericht Rechnungshof fordert Verdopplung der Besucherzahlen im Haus der Geschichte

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg an der Museumsmeile in Stuttgart. Nach Ansicht des Landesrechnungshofs suchen das Museum zu wenig Besucher auf. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Der Landesrechnungshof ist der Ansicht, dass das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu wenig Besucher hat. Es brauche grundsätzliche Änderungen.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat ein massives Besucherproblem. Zu diesem Ergebnis kommt der Landesrechnungshof in seinem Jahresbericht 2025. Die Wirtschaftsprüfer fordern eine Verdopplung der aktuellen Besucherzahlen. Dazu soll sich das Haus strategisch neu aufstellen. Ein „weiter so“ sei kein geeigneter Weg.

 

Das Land Baden-Württemberg finanziert das Haus der Geschichte mit jährlich zwischen 4,5 und 5,7 Millionen Euro. Durch Eintrittspreise, Verkaufserlöse und Spenden entstehen aber lediglich Einnahmen zwischen 234 000 und 671 000 Euro. Um aus der Krise zu kommen, würden nur kosmetische Korrekturen aber nicht reichen. Der Rechnungshof fordert sehr grundsätzliche Änderungen. So soll das Haus der Geschichte für junge Menschen attraktiver werden. Menschen über 30 Jahre sollen durch Sonderausstellungen und Events angesprochen werden. Zudem sollen vermehrt Kooperationen mit anderen Landesmuseen eingegangen werden.

Rechnungshof sieht 100 000 Besucher pro Jahr als angemessenes Ziel 

Vom coronabedingten Einbruch bei den Besucherzahlen hat sich das Museum noch nicht wiederholt. Im Jahr 2023 zählte das Haus der Geschichte rund 50000 Besucher. Zu wenig, wenn es nach dem Landesrechnungshof geht: „Das Haus der Geschichte bleibt mit den Besucherzahlen hinter seinen Möglichkeiten zurück.“ Das hänge auch mit veränderten Rezeptionsgewohnheiten der Menschen zusammen. Der Rechnungshof hält eine Besuchergröße von 100 000 für ein angemessenes Ziel. Eine Strategie des Museums zur Steigerung der Besucherzahlen liege bisher aber nicht vor.

Lange Warteschlangen vor dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg gibt es selten – ein Problem, aus Sicht des Rechnungshofes. Foto: imago/Joko

„Eine Erhöhung der Besuchszahlen wäre aus unserer Sicht wünschenswert, damit das Haus der Geschichte seinen Bildungsauftrag noch besser erfüllen kann“, sagt ein Sprecher des zuständigen Wissenschaftsministeriums. Die Direktorin des Hauses, Cornelia Hecht-Zeiler, will die bloße Fokussierung auf Besucherzahlen aber nicht stehen lassen. „Wir werden unser Profil in den kommenden Jahren schärfen. Richtet sich der Fokus ausschließlich auf die Besuchszahlen von Dauer- und Sonderausstellungen, bleibt das breite Spektrum unserer Angebote im Rahmen der Bildungsarbeit unberücksichtigt“, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Rechnungshof kritisiert zu hohe Depotkosten

Durch ineffiziente Strukturen würden unnötige Kosten entstehen. So hat sich nach Ansicht des Rechnungshofs die Umwandlung in einen Landesbetrieb nicht bewährt und sollte rückgängig gemacht werden. Eine Bildungseinrichtung müsse nicht wie ein Unternehmen geführt werden – gerade angesichts der nur geringen Einnahmen. Die kaufmännische Buchführung würde zu einem erheblichen Mehraufwand ohne fassbaren Nutzen führen, findet der Rechnungshof.

Das Wissenschaftsministerium sieht das allerdings nicht so: „Die Form des Landesbetriebs ermöglicht ein hohes Maß an Eigengestaltung. Angesichts der Herausforderungen, vor denen das Haus der Geschichte und die Museumslandschaft insgesamt stehen, wäre es aus unserer Sicht kontraproduktiv, zum kameralen System zurückzukehren“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage.

Zudem werden auch die hohen Depotkosten beanstandet, die beim Haus der Geschichte anfallen, weil die zahllosen Sammlungsgegenstände nicht alle in den Ausstellungen gezeigt werden können. „Das Haus der Geschichte sollte den Aufwand für die Depots reduzieren und auch ein Konzept zum Entsammeln entwickeln“, schreibt der Rechnungshof in seinem Jahresbericht. Das Haus der Geschichte soll sich also von überflüssigen Gegenständen trennen. Laut dem Wissenschaftsministerium soll daran gearbeitet werden.

Der Eintritt in die Ausstellungen des Haus der Geschichte ist im kompletten August im Rahmen der Aktion „Der Sommer geht aufs Haus“ kostenlos. Ob damit mehr Besucher gewonnen werden können? Die Konkurrenz zu anderen Angeboten in Stuttgart bleibt groß. Das Wissenschaftsministerium teilt zwar überwiegend die Empfehlungen des Rechnungshofs, dennoch zeigt sich der Sprecher zurückhaltend: „Ob es am Ende tatsächlich gelingen kann, die vom Rechnungshof anvisierte signifikante Steigerung der Besuchszahlen zu erreichen, wird auch von der Haushaltssituation des Landes und den personellen und finanziellen Ressourcen abhängen, die dem Haus der Geschichte zur Verfügung stehen. Das Haus der Geschichte wird an diesem Ziel arbeiten.“

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