Kritik in Fellbach Bahnunterführung bleibt Risiko: Stadt findet keine Lösung für Gefahrenstelle

Auch Menschen auf Tretrollern sind gelegentlich auf dem aufgemalten Radweg zur Fellbacher Bahnunterführung unterwegs. Foto: Dirk Herrmann

Die Debatte nach dem Tod eines Radfahrers vor drei Jahren geht weiter. Die Stadt Fellbach sieht keine Mängel in der Verkehrsführung– im Gegensatz zum Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club.

Die nicht nur vermeintliche, sondern durchaus reale Gefahr in der Fellbacher Bahnunterführung, speziell für Radfahrer, harrt weiterhin einer tragfähigen und allseits akzeptablen Lösung. Der Vorstoß des Kreisverbands und der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), nach der Ablehnung des von der Stadt vorgelegten Konzepts durch den Gemeinderat dann doch einfach auf die Mitwirkung des Stadtparlaments zu verzichten, stößt im Rathaus auf keine Gegenliebe.

 

Nach dem Tod eines Radfahrers vor drei Jahren hatte die Stabsstelle Mobilität in der Fellbacher Verwaltung im Juli 2025 einen Vorschlag unterbreitet, der einige Änderungen in der Verkehrsführung vorgesehen hatte. So sollten die Radler nicht mehr auf einem separaten Streifen gemeinsam mit Fußgängern unterwegs sein, sondern auf der Straße mit dem Autoverkehr „mitschwimmen“. Weder die CDU noch die Freien Wähler/Freien Demokraten konnten sich damit anfreunden, vielmehr stufte die FW/FD-Fraktion im vergangenen Jahr den Vorschlag gar als „Verschlimmbesserung“ ein.

Die meisten Radler gibt’s bei den Freien Wählern

Das wiederum stößt auf Kritik bei der Gegenseite. SPD-Stadtrat Hans-Peter Krause von der SPD kritisierte kürzlich in einem Fraktionsbeitrag fürs städtische Mitteilungsblatt die Entscheidung der Mehrheit, in puncto Sicherheit des Radverkehrs dort keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu realisieren. „Das verwundert umso mehr, als gerade die FW/FD-Fraktion für sich in Anspruch nimmt, sie hätte die meisten Fahrradfahrer in ihren Reihen.“ Krause: „Es wäre wünschenswert, dass das ganze Stadtparlament wieder an einem Strang ziehen würde, zum Wohle der fahrradfahrenden Bürger und Bürgerinnen in Fellbach und deren Sicherheit.“

Der ADFC, dessen Vertreter sich auch in der entscheidenden Sitzung des Fellbacher Gemeinderats vor einem Jahr erfolglos für den Verwaltungsvorschlag ausgesprochen hatte, reagierte ebenfalls auf die mehrheitliche Ablehnung. Und zwar mit einer durchaus kurios anmutenden Variante: Die Stadt soll das Ganze dann eben auf eigene Faust ohne weitere Besprechung und Abstimmung im Gemeinderat auf den Weg bringen. Darauf allerdings lässt sich die Rathausspitze, wie deren Reaktion darauf zeigt, nicht ein.

Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull erklärt jedenfalls gegenüber dem Fellbacher ADFC-Ortssprecher Johann Krämer und dem Politischen Sprecher des ADFC Rems-Murr, Andreas Schwager: „Leider ist es zu einem tödlichen Unfall eines Radfahrers im September 2023 in der Bahnhofsunterführung gekommen.“ Die Stadt lege Wert auf die Feststellung, dass das Unfallgeschehen nach übereinstimmender Auffassung durch die Polizei und durch weitere damit befasste Stellen keine Folge der dortigen Verkehrsführung gewesen sei.

Der verunglückte Radfahrer sei auf dem Radweg entgegen der ausgewiesenen Fahrtrichtung unterwegs gewesen. Zull: „Er stürzte leider bei einem Ausweichvorgang und zog sich tödliche Verletzungen zu. Aus diesem Unfall lassen sich aber – anders als von Ihnen wiederholt vorgebracht – keine verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen über etwaige Mängel im Bereich der dortigen Verkehrsführung ziehen.“

Nach wiederholter und eingehender Prüfung kommt die Stadt Fellbach in ihrer Funktion als Untere Straßenverkehrsbehörde deshalb zur Feststellung, dass die Verkehrsführung in der Bahnunterführung den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung „vollumfänglich entspricht“. Sowohl die Beschilderung als auch die Markierung und Signalregelung seien „rechtlich korrekt angeordnet“.

Wie der ADFC richtigerweise erwähne, habe die Fellbacher Stadtverwaltung dem Gemeinderat im vergangenen Jahr dennoch eine Änderung der Verkehrsführung in diesem Abschnitt vorgeschlagen. Der Gemeinderat hat diesen Vorschlag bekanntlich abgelehnt. Zulls klare Aussage in Richtung Radclub: „Das Votum ist für uns bindend.“

Zulls Statement stößt beim ADFC wie zu erwarten auf wenig Verständnis. Denn während von der Stadt die problematischen Themen „überwiegend als geklärt oder unproblematisch dargestellt“ würden, „sehen wir in den genannten Bereichen weiterhin sicherheitsrelevante Defizite“.

In der Bahnunterführung erkennen Krämer und Schwager „weiterhin eine strukturelle Gefahrenstelle“. Die derzeitige Verkehrsführung führe dort regelmäßig „zu Konfliktsituationen zwischen verschiedenen Verkehrsarten auf engem Raum“. Unabhängig von der Bewertung des einzelnen Unfallereignisses bleibe festzuhalten, dass die Stadtverwaltung selbst im vergangenen Jahr eine Änderung der Verkehrsführung vorgeschlagen hatte.

Konfliktsituationen entschärfen, Sicherheitslage verbessern

Damit hat die Verwaltung nach ADFC-Einschätzung anerkannt, dass an dieser Stelle Handlungsbedarf besteht. „Aus Sicht der Verkehrssicherheit halten wir es daher für wichtig, dass an dieser bekannten Gefahrenstelle weiterhin nach tragfähigen Lösungen gesucht wird, die die Konfliktsituation entschärfen und die Sicherheitslage insgesamt verbessern.“

Auch für Fellbach, so der ADFC, sollte grundsätzlich das Ziel gelten, die Verkehrssicherheit konsequent an der Leitlinie der „Vision Zero“ auszurichten – also an dem Anspruch, Verkehrssysteme so zu gestalten, dass schwere Unfälle möglichst verhindert werden. Viele Städte hätten inzwischen gezeigt, dass dieses Ziel erreichbar sei, „wenn bekannte Gefahrenstellen konsequent angegangen werden“. Zu diesen „vielen Städten“ gehört offenkundig nach ADFC-Urteil die Stadt Fellbach also eher nicht.

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